Deutsches Zentrum für Infektionsforschung geplant

Fabian Peters

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) geplant

20.04.2011

Dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) liegt eine abschließende Empfehlung eine unabhängigen Gutachter-Gremiums zur Einrichtung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) in Braunschweig vor. Das DZIF soll künftig neue Therapieansätze, Impfstoffe, Impfverfahren und Medikamente gegen die verschiedensten Krankheitserreger entwickeln.

Mehr zum Thema:

Hochschulen, Kliniken und Forschungszentren aus sieben Standorten in ganz Deutschland werden künftig im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung zusammenarbeiten, um neue Strategien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten zu entwickeln. Seinen Geschäftssitz wird das DZIF den bisherigen Plänen nach am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) haben.

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung startet Herbst 2011
Bereits Ende 2010 hatte ein unabhängiges Gutachter-Gremium deutschlandweit die leistungsstärksten Einrichtungen für die Einrichtung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung ausgewählt. Nun ist auch die Beurteilung des erstellten wissenschaftlichen Gesamtkonzepts abgeschlossen und es wurde ein Empfehlung an das Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgesprochen, umgehend mit dem Aufbau des DZIF zu beginnen. Die genaue Organisation des DZIF und die Forschungsschwerpunkte, sollen in den kommenden Monaten konkretisiert werden, so dass das DZIF wahrscheinlich im Herbst 2011 mit seiner Forschungsarbeit beginnen kann.

Entwicklung neuer Wirkstoffe und Behandlungsansätze
Zwar werden die genauen Inhalte der Forschungsarbeit des DZIF derzeit noch ausgearbeitet, doch der wissenschaftliche Geschäftsführer des HZI in Braunschweig, Prof. Dirk Heinz, erklärte schon vorab, dass „die Entwicklung neuer antiinfektiver Wirkstoffe (…) ein zentrales Thema künftiger Forschungsanstrengungen sein“ wird. Denn „immer mehr Krankheitserreger werden gegen die herkömmlichen Antibiotika resistent, so dass dringend „neue Substanzen und Strategien“notwendig seien, um gegen die multiresistenten Erreger vorzugehen, betonte Prof. Heinz. Immer häufiger wurden in den letzten Jahren Erreger nachgewiesen, die gegen sämtliche gängige Antibiotika resistent sind. Dabei bereiten insbesondere Methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA) – multiresistente Bakterien der Gattung Staphylokokken – in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen immer wieder erhebliche Probleme, mit teilweise tödlichen Folgen für die Patienten. Aber auch der sogenannte Superkeim NDM-1 (Neu-Delhi-Metallo-Beta-Lactamase) versetzte Ende letzten Jahres zahlreiche Mediziner in Aufregung, denn dieser gibt seine im Erbgut verankerten Resistenzen offenbar an andere Bakterienstämme weiter. Indem NDM-1 mit anderen Bakterien Teile des Erbguts tauscht, könnten Antibiotika-Resistenzen relativ leicht zwischen den Bakterienstämmen übertragen werden, so die Befürchtung von Medizinern weltweit nach der Entdeckung des neuen Erregers.

Forschungsverbund des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung
Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung wird sich in Zukunft jedoch nicht nur der Erforschung gefährlicher Erreger widmen, sondern auch neue Behandlungsansätze und Wirkstoffe entwickeln. Insgesamt bewertet der wissenschaftliche Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, Professor Dirk Heinz, den Beschluss zur Einrichtung des DZIF durchweg positiv. „Das ist ein großartiger Erfolg für uns und die gesamte Forschungsregion“, betonte Prof. Heinz. Für ihn ist ein bedeutendes Ziel des Forschungsverbundes auch die verbesserte Translation, das heißt eine Optimierung der Übertragung von Erkenntnissen und Innovationen aus der Grundlagenforschung in die klinische Praxis. Neben dem HZI in Braunschweig sind unter anderem die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), die Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), die Technische Universität Braunschweig, das Twincore Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung sowie die Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) beteiligt. (fp)