Eigenes Fett zum Abnehmen nutzen?

Fabian Peters

Eigene Fettzellen zum Abnehmen: Neue Behandlungsmöglichkeiten gegen Diabetes und Übergewicht

14.10.2012

Eigene Fettzellen zur Bekämpfung von Übergewicht und Diabetes nutzen? Forscher der MedUni Wien und des Max-Planck-Instituts in Freiburg haben einen neuen Signalweg entdeckt, der die Basis zur Entwicklung effizienter Medikamente gegen Übergewicht und Diabetes bilden könnte.

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In ihrer Studie identifizierten die österreichischen und deutschen Wissenschaftler einen neuen Signalweg, der massiven Einfluss auf den Stoffwechsel hat. Die Wissenschaftler um Raffaele Teperino vom Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, Sabine Amann und Martina Bayer von der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien) berichten im Fachmagazin „Cell“, dass der sogenannte Hedgehog-Signalweg die Glukoseaufnahme-Kapazität im braunen Fettgewebe und den Muskeln deutlich erhöht. „Substanzen, die diesen Signalweg aktivieren, könnten zur Behandlung von Übergewicht und Diabetes angewendet werden“, berichtet die MedUni Wien. Außerdem machten die Forscher den entdeckten Signalweg auch für die Nebenwirkungen einer Wirkstoffe gegen Krebs verantwortlich.

Besser Behandlung von Übergewicht und Diabetes möglich
Über den Hedgehog-Signalweg werde der Stoffwechsel vollständig umgestellt, wobei auch Kalzium-abhängige Enzyme aktiviert werden, so die Mitteilung der MedUni Wien. Insbesondere die Zellen im braunen Fettgewebe und den Muskeln können „über den neuen Signalweg enorm viel Glukose aufnehmen“, erläuterte der ebenfalls an der Studie beteiligte Harald Esterbauer von der klinischen Abteilung für medizinisch-chemische Labordiagnostik der MedUni Wien. Seiner Ansicht nach wären „Wirkstoffe, die ausschließlich den neuen Hedgehog-Signalweg aktivieren, also Kandidaten für Medikamente gegen Übergewicht sowie Typ-1- und Typ-2-Diabetes.“ Die aktuellen Erkenntnisse seien „von zentraler Bedeutung für das rationale Design von Hedgehog-Modulatoren und neue therapeutische Weg gegen Übergewicht und Diabetes“, berichten die Forscher im Fachmagazin „Cell“.

Neuer Signalweg Ursache für Muskelkrämpfe bei einigen Krebsmedikamenten
Der entdeckte Signalweg bedingt laut Aussage der Forscher auch den Einstrom von Kalzium in die Muskelzellen, wodurch diese kontrahieren und starke Krämpfe ausgelöst werden. Hierin sehen die Wissenschaftler auch den Grund für die unangenehmen Nebenwirkungen, „die beim Einsatz eines von der amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) zugelassenen Krebsmedikaments vermehrt aufgetreten“ sind. Laut Mitteilung der MedUni Wien konnte in der aktuellen Studie jedoch auch gezeigt werden, dass durchaus Hedgehog-Hemmstoffe verfügbar sind, welche „die Kalzium- und Glukose-Werte nicht ansteigen lassen und keine Krämpfe hervorrufen.“ Harald Esterbauer erklärte, dass „die Entwicklung von Medikamenten mit geringeren Nebenwirkungen also durchaus möglich“ scheint.

Hedgehog-Protein als Auslöser von Krebs?
Das Hedgehog-Protein übernimmt wichtige Funktionen bei der Embryonalentwicklung und Fehlfunktionen können zu schweren Fehlbildungen beim Nachwuchs führen. Außerdem spielt das Signalprotein eine wesentliche Rolle „bei der Vermehrung, Wanderung und Spezialisierung von Zellen“, so die Mitteilung der MedUni Wien. Störungen des Signalwegs können bei Erwachsenen Menschen auch Krebs bedingen, schreiben die Forscher um Raffaele Teperino vom Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, Sabine Amann und Martina Bayer von der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien). Vor zwei Jahren hatten die österreichischen Forscher bereits eindeutig nachgewiesen, dass das Hedgehog-Protein die Bildung von „schlechtem“ weißem Fettgewebe blockiert. (fp)