Eiweißreiche Diäten genauso ungesund wie Rauchen

Sebastian

Diät: Fleisch- und Käse-Essen so ungesund wie Rauchen?

06.03.2014

Bei vielen Menschen, die Pfunde verlieren wollen, sind derzeit eiweißreiche Diäten im Trend. Viel Fleisch, Eier, Milch und Käse, aber kaum Kohlenhydrate: Abnehmwillige, die auf eine solche proteinreiche Kost setzen, erhöhen einer aktuellen US-Studie zufolge, das Risiko, an Krebs zu erkranken und früher zu sterben.

Höheres Krebsrisiko durch eiweißreiche Diät
Diäten, wie etwa die nach Atkins, liegen derzeit im Trend. Viel Fleisch, Eier, Milch und Käse und kaum Kohlenhydrate: Eine Diät nach dem sogenannten Low-Carb-Prinzip. Solche Schlankheitskuren sind jedoch unter Experten umstritten. Eine aktuelle Studie aus den USA zeige nun, dass vor allem Menschen unter 65 Jahren, die auf eine eiweißreiche Diät setzen, ein höheres Risiko hätten, an Krebs zu sterben. Bei den über 65-Jährigen sehe dies hingegen ganz anders aus. Zu diesem Schluss kam ein von Valter Lono, Professor für Biogerontologie an der University of Southern California und Direktor des Longevity Institute, geleitetes Wissenschaftlerteam. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“ erschienen.

Eiweißreiche Ernährung für über 65-Jährige nützlich
Der Studie zufolge haben Menschen unter 65 Jahren, die viel tierische Proteine zu sich nehmen, ein vierfach höheres Risiko, an Krebs, Diabetes und anderen Krankheiten zu sterben. Bei den über 65-Jährigen sehe es hingegen ganz anders aus. Bei ihnen kehrt sich nach Angaben der Wissenschaftler der Zusammenhang um und so sinke bei den Älteren das Sterberisiko durch eiweißreiche Nahrung. An diesem Effekt sei der sogenannte IGF-I-Wert im Blut beteiligt, der im Verlauf des Lebens bei Erwachsenen langsam absinkt. Eiweißreiche Ernährung sei somit für ältere Menschen eher nützlich, denn ihnen helfe zusätzliches Eiweiß aus der Nahrung, um den IGF-Spiegel im Blut auf Normal-Höhe zu halten. Bei den Jüngeren führe zu viel Eiweiß zu einem zu hohen IGF-Spiegel und das gehe mit einem gesteigerten Krebsrisiko einher. Für die Studie waren in den USA über einen Zeitraum von 18 Jahren hinweg Daten von 6.381 über 50-jährigen Frauen und Männern ausgewertet worden. Zudem verglichen die Wissenschaftler die Daten mit Maus- und Zellstudien, um den Zusammenhang zwischen Proteinen und Altern, Krankheiten und Sterblichkeit zu untersuchen.

Pflanzliche Proteine wirken anders
Die Studie habe außerdem gezeigt, dass pflanzliche Proteine, wie sie etwa in Bohnen oder Hülsenfrüchten vorkommen, offenbar eine andere Wirkung als tierische Proteine und keinen Einfluss auf die Sterblichkeit haben. Ernährungsexperten haben jedoch darauf hingewiesen, dass es noch zu früh sei, Schlüsse aus dem National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) zu ziehen, auf dem die Studie beruht. Der NHANES begleitete eine repräsentative Gruppe von US-Amerikanern aller Altersgruppen, bei denen die Essgewohnheiten ein Jahr lang protokolliert wurden. Für die nun erschienene Studie der kalifornischen Forscher wurden die rund 6.000 Menschen ab 50 untersucht, die an dem Survey teilgenommen haben. Um sich gesund zu ernähren, sollte man den Experten zufolge, bis ins hohe Alter eher auf Proteine verzichten und sich danach überwiegend von tierischem Eiweiß ernähren.

Vergleich mit Rauchern verantwortungslos
Die Art und Durchführung der Studie stößt jedoch auf Kritik. So würden lediglich Essgewohnheiten, nicht aber der Rest der Lebensführung, wie beispielsweise sportliche Aktivitäten, berücksichtigt. Außerdem sei nicht erfasst worden, ob die Personen vor der Befragung schon krank waren. Vor allem aber ein Punkt wird derzeit in den USA intensiv diskutiert. In einer Mitteilung der Universität hatte es provokant geheißen: „Dieser Hähnchenflügel, den Du isst, kann so tödlich wie eine Zigarette sein.“ Gesundheitsexperten kritisieren diesen Vergleich von Menschen, die viel Fleisch und andere tierische Produkte essen mit Rauchern massiv. Unabhängig von den Interpretationen der Studie sei der Vergleich mit Rauchern verantwortungslos, da tierische Eiweiße in Maßen in Ordnung wären, Rauchen hingegen aber immer schädlich ist.

Fleischreiche Kost kann zu Nierensteinen oder Gicht führen
Wie fast alle Diäten, sind auch die, die auf eiweißreiche Ernährung setzen, unter Experten umstritten. Untersuchungen, wie die sogenannte Diogenes-Studie zeigte zwar vor wenigen Jahren, dass eine an Eiweiß reiche Diät beim Abnehmen hilft, doch dies liege vor allem daran, dass das Sättigungsgefühl besser ist als bei anderen Methoden. Doch Ernährungsexperten weisen schon länger darauf hin, dass eine derartige Kost über einen längeren Zeitraum auch gesundheitliche Probleme verursachen kann. So führt fleischreiche Ernährung beispielsweise dazu, dass sich vermehrt Harnsäure im Körper bildet, was langfristig bei manchen Menschen zu Nierensteinen oder Gicht führen könne.

Rotes Fleisch erhöht Krebs- und Infarktgefahr
Vor allem der übermäßige Verzehr von rotem Fleisch, wie Rind, Schwein oder Lamm, wird kritisch gesehen. So kam eine über fast 30 Jahre laufende Langzeitstudie an der Harvard Universität mit mehr als 120.000 Teilnehmern, zu dem Ergebnis, dass rotes Fleisch die Gefahr an Krebs zu erkranken oder einen Herzinfarkt zu erleiden, steigert. Die Teilnehmer, die während des Studienzeitraumes täglich rotes Fleisch aßen, hatten demnach ein 13 Prozent höheres Sterberisiko als die anderen Probanden. Das Risiko einer tödlichen Herz-Kreislauf-Erkrankung lag um 18 Prozent höher und das einer tödlichen Krebserkrankung um zehn Prozent. Zudem stehe rotes Fleisch sowie Wurstprodukte von Rind und Schwein dem Deutschen Krebsforschungszentrum zufolge, im Verdacht, das Darmkrebsrisiko zu erhöhen. Dies habe mit dem hohen Eisengehalt dieser Fleischsorten zu tun, der ihnen ihre rote Farbe verleiht.

Aufnahme von tierischem Eiweiß senken
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät, wöchentlich maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch zu essen. Außerdem wiesen sie darauf hin, dass die Proteinzufuhr zwischen der empfohlenen täglichen Zufuhr von 0,8 Gramm und einer zulässigen Höchstzufuhr von 2,0 Gramm je Kilogramm Körpergewicht liegen kann. Der Leiter der US-Studie, Valter Longo, empfiehlt aufgrund der Ergebnisse: „Anscheinend ist es am besten, die tägliche Aufnahme von allen Proteinen, vor allem von tierischem Eiweiß, zu senken. Aber man sollte bei der Eiweißreduktion nicht zu extrem werden. Man kann vom geschützten sehr schnell zum unterernährten Status übergehen.“ (sb)

Bild: Rike / pixelio.de