Erfolg von Anti-Raucher-Programmen messbar

Fabian Peters

Gehirnaktivität maßgebend Erfolg von Anti-Raucher-Programmen: Erfolgsaussichten von Raucherentwöhnung vorhersehbar.

28.02.2011

Die Erfolgschancen von Anti-Raucher-Programmen lassen sich nach Aussage der US-Forscher bereits im Vorfeld anhand der Aktivität in bestimmten Gehirnregionen abschätzen. Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) können bereits vor Programmbeginn Aktivitätsmuster im Gehirn identifizieren werden, anhand derer festzustellen ist, wie erfolgreich der Entzug verlaufen wird, berichten Hannah Faye Chua und ihre Kollegen von der University of Michigan in Ann Arbor, (USA) im Fachjournal „Nature Neuroscience“.

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Selbstreflexion entscheidend bei Raucherentwöhnung
Um die Erfolgsaussichten einer Entwöhnung des Rauchens zu analysieren, haben die US-Forscher im Rahmen ihrer Studien die Gehirnaktivität von 87 Freiwilligen, die an einem speziell auf sie zugeschnittenen Anti-Raucher-Programm teilnahmen, mit Hilfe der MRT untersucht. Individuell angepasste Entwöhnungsprogramme, welche die besonderen Lebensumstände, Bedürfnisse, Interessen, persönlichen Probleme und Charakterzüge der Noch-Raucher berücksichtigen, gelten nach Aussage der Experten bisher als am meisten Erfolg versprechend. Dabei werde mit individuell ausgerichteten Botschaften die Selbstreflexion angeregt, was nach Ansicht der US-Forscher ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der speziell angepassten Anti-Raucher-Programm ist. Diese These haben die Wissenschaftler nun mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie überprüft. Denn bei den Erfolg versprechenden Anti-Raucher-Programmen, die auf eine Selbstreflexion der TeilnehmerInnen setzen, sollten auch die entsprechenden Gehirnregionen mehr Aktivitäten aufweisen, so die Vermutung der US-Forscher.

Aktivitätsmuster im Gehirn maßgebend für Erfolg
Als Indikator für die Selbstreflexion der Studienteilnehmer diente die Aktivität in den Gehirnregionen des sogenannten präfrontalen Cortex, des Precuneus und des Großhirn-Zentrums, im Bereich des zum Gefühlszentrum zählenden Gyrus cinguli, da diese Regionen nach Aussage der US-Forscher bereits aus früheren neurologischen Studien als maßgebend für die Selbstreflexion bekannt waren. Bei den MRT-Aufnahmen konzentrierten sich die US-Wissenschaftler daher auf diese Bereiche des Gehirns, wobei auf den MRT-Bildern die Gehirnaktivitäten anhand von Veränderungen der Durchblutung ablesbar waren. Das Ergebnis: Umso deutlicher sich die genannten Gehirnregionen im Vorfeld der Anti-Raucher-Programme aktivieren ließen, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass die Raucher nach vier Monaten tatsächlich ihr Laster los waren, berichten Hannah Faye Chua und Kollegen. Anhand der Aktivitätsmuster im Gehirn lasse sich demnach bereits im Vorfeld erkennen, wie hoch die Erfolgsaussichten einer Entwöhnung sind, so die Aussage der US-Forscher.

MRT zeichnet Aktivität der Raucher-Gehirne auf
Im Rahmen der Untersuchung füllten die 87 freiwilligen Probanden in einer ersten Sitzung einen Fragebogen aus, der Angaben zur Gesundheit, Persönlichkeit und den Charaktereigenschaften in Bezug auf das Rauchverhalten der Studienteilnehmer erfasste. In einer anschließenden zweiten Sitzung mussten die Teilnehmer zwei Aufgabenblöcke absolvieren – einen zur Selbsteinschätzung und einen mit verschiedenen Appellen, die zum Aufhören mit dem Rauchen aufforderten. Bei den Appellen handelte es sich sowohl um allgemeine Botschaften als auch um individuell angepasste Aufforderungen. Während der Bearbeitung der Aufgaben in der zweiten Sitzung machten die US-Wissenschaftler mit Hilfe der MRT Aufnahmen vom Gehirn der Studienteilnehmer, um die Aktivitätsmuster zu erfassen. Im Anschluss an die vorab Untersuchungen nahmen die Probanden an einem webbasierten individuellen Anti-Raucher-Programm teil. Nach vier Monaten überprüften die Wissenschaftler, wie erfolgreich die Raucherentwöhnung bei den einzelnen Teilnehmern verlaufen ist.

Aktivitätssteigerung im Gehirn äußerst unterschiedlich
Bei der Auswertung haben die US-Forscher einerseits festgestellt, dass mit den individuell zugeschnittenen Botschaften tatsächlich eher die Gehirnbereiche aktiviert werden, die auch der Selbstreflexion dienen. Anderseits sei jedoch zu beobachten gewesen, dass nicht alle Studienteilnehmer gleichermaßen auf die individuellen Botschaften reagierten. Während bei einigen die Aktivitätsmuster in den für die Selbsteinschätzung maßgebenden Gehirnregionen nur schwach ausgeprägt waren, sei bei anderen auf den MRT-Aufnahmen eine sehr deutlich Erhöhung der Aktivitäten zu erkennen gewesen. Die Probanden mit der deutlichsten Aktivitätssteigerung, seien auch diejenigen gewesen, welche im Anschluss besonders gut auf das Anti-Raucher-Programm reagierten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie nach vier Monaten noch Nichtraucher waren, sei sehr viel höher gewesen als bei den übrigen Probanden, erklärten die US-Forscher. Auf Basis der jetzt veröffentlichten Ergebnisse, lassen sich die Vorgänge im Gehirn der Raucher künftig besser verstehen und noch erfolgreichere Programme zur Raucherentwöhnung entwickeln, so die Hoffnung der US-Wissenschaftler. (fp)