Erfolge bei der Ebola-Therapie in Sierra Leone

Heilpraxisnet

Sinkende Todesrate der Ebola-Patienten in Sierra Leone

25.12.1975

Seit rund einem Jahr wütet die Ebola-Epidemie Westafrika. Bis heute konnten die Gesundheitsbehörden in den betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone die Epidemie nicht unter Kontrolle bringen. In dem „New England Journal of Medicine“ wurde nach einem Jahr der Seuchenbekämpfung ein umfassendes Resümee gezogen, das in Ansätzen durchaus Hoffnung macht. So berichtet die Fachzeitschrift, dass in einem Behandlungszentrum in Sierra Leone durch eine spezielle Behandlung die Todesrate der Ebola-Patienten deutlich gesenkt werden konnte.

In dem Ebola-Behandlungszentrum an der Hastings Polizeischule in der Nähe von Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones, lag die durchschnittliche Letalität der eingelieferten Ebola-Patienten bei lediglich 31 Prozent, was deutlich unter den Vergleichszahlen aus anderen Einrichtungen liege, berichtet das „New England Journal of Medicine“. Zudem seien die Todesraten im Beobachtungszeitraum deutlich zurückgegangen, von ursprünglich knapp 48 Prozent bei den ersten 151 eingelieferten Patienten, über 31,7 Prozent bei den nächsten 126 Patienten auf 23,4 Prozent bei den zuletzt behandelten Patienten, berichtet das Fachjournal unter Berufung auf eine entsprechende Fallstudie an dem Behandlungszentrum.

Ein Drittel der Ebola-Patienten verstarb
In der Untersuchung hatte Kathryn H. Jacobsen von der George Mason University in Fairfax (USA) gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Sierra Leone die Daten von insgesamt 581 Ebola-Patienten ausgewertet, die zwischenzeitig entweder verstorben waren oder geheilt wurden. Insgesamt sind laut Aussage der Studienautorin 183 der 581 Ebola-Patienten gestorben. 38 starben auf dem Weg zur Klinik oder unmittelbar nach der Ankunft in dem Behandlungszentrum und 145 verstarben innerhalb weniger (meist der bis vier) Tage nach der Klinikaufnahme. Knapp ein Drittel der Infizierten habe die Erkrankung allerdings überlebt, was knapp einer doppelt so hohen Überlebenschance wie in anderen überprüften Einrichtungen entspricht. Die Wissenschaftler führen dies auf die spezielle Therapie zurück, welche die Patienten in dem Behandlungszentrum erhielten.

Kombinierte Behandlung mit Antibiotika, Schmerzmitteln und Co
Bei ihrer Einlieferung zeigten die Patienten laut Mitteilung des „New England Journal of Medicine“ meist Ebola-Symptome, wie „Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Fieber, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Muskelschmerzen , Gelenkschmerzen und Kopfschmerzen.“ Behandelt wurden die Patienten in den ersten drei Tagen nach Aufnahme mit einem Gramm Ceftriaxon (Antibiotikum) alle 12 Stunden intravenös verabreicht, 500 Milligramm Metronidazol (spezielles Antibiotikum, das auch Protozoen wirkt) alle acht Stunden intravenös verabreicht sowie 500 Millilitern sogenannter Ringerlösung und 500 Millilitern isotonischer Kochsalzlösung alle 8 oder 12 Stunden intravenös verabreicht, um den Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Zudem erhielten „alle Patienten auch zehn Milligramm Vitamin K und 160 Milligramm Artemether intramuskulär sowie eine 20-Milligramm-Zinksulfat-Tablette täglich, eine 400-Milligramm-Ibuprofen-Tablette alle 12 Stunden und bei Bedarf zehn Milligramm Metoclopramid intravenös“, so die Mitteilung des „New England Journal of Medicine“.

Hoffnung auf weitere Erfolge bei der Ebola-Behandlung
Überlebten die Patienten die ersten drei Tage in dem Behandlungszentrum, so standen ihre Chancen auf eine erfolgreiche Heilung durchaus gut. Warum hier deutlich mehr Ebola-Patienten überleben, als in anderen Behandlungszentren, bleibt bislang allerdings unklar. „Wir sind nicht imstande, jede einzelne Komponente der Behandlungen zu beurteilen, da wir ein Paket von Maßnahmen anwenden“, berichten die Mediziner. So müsse die Wirksamkeit dieses Behandlungsansatzes durch klinische Forschungen an anderen Ebola-Behandlungseinrichtungen validiert werden. Die Ergebnisse geben allerdings durchaus Grund zu vorsichtigem Optimismus, zumal bei den letzten 304 ausgewerteten Behandlungen nur noch knapp ein Viertel der Patienten verstorben ist. Ein Ende der Epidemie bleibt dennoch bislang nicht in Sicht. Immer noch erreichen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) täglich Meldungen über Neuinfektionen. Rund 19.500 Ebola-Infektionen und 7.573 Todesfälle wurden bis zum 19. Dezember bei der WHO registriert, wobei in erster Linie die westafrikanischen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone betroffen sind. (fp)

Bild: Dr. Karl HERRMANN / pixelio.de