Gesundheitssystem nicht auf Demenz eingestellt

Heilpraxisnet

Welt-Alzheimer-Tag: Demenz geht alle an

21.09.2014

In Deutschland leiden zwar fast 1,5 Millionen Menschen unter Demenz, doch viele Bürger wissen nicht viel über die Erkrankung. Anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages haben verschiedene Organisationen dazu aufgerufen, sich über Demenz informieren und so gut wie möglich vorzubeugen.

Zahl der Erkrankten wird sich verdoppeln
Millionen Deutsche leiden unter Demenz. Fast 1,5 Millionen sind hierzulande betroffen und bis ins Jahr 2050 wird die Zahl der Erkrankten nach Schätzungen sogar auf drei Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt. Dem Motto des diesjährigen Welt-Alzheimer-Tages am 21. September: „Demenz jeder kann etwas tun“ stimmen Experten zu. So haben Wissenschaftler und verschiedene Organisationen in einer gemeinsamen Erklärung dazu aufgerufen, dass sich jeder einzelne über Demenz-Erkrankungen informieren und so gut wie möglich vorbeugen solle.

Großteil der Demenzkranken leidet an Alzheimer
In der Erklärung, an der die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie, die Hirnliga e.V. und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft beteiligt waren, wird darauf hingewiesen, dass der hohe und lange Pflegeaufwand Demenz „zu einer der teuersten Krankheiten im Gesundheitssystem“ macht. Demenz umfasst verschiedene Erkrankungen, bei denen die Nervenzellen im Gehirn allmählich ihren Dienst versagen. Betroffene können sich häufig an vieles nicht mehr erinnern, Sprache und Motorik verschlechtern sich zusehends. Den Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zufolge leiden rund 60 Prozent aller Menschen mit Demenz an Alzheimer.

Alzheimer ist derzeit nicht heilbar
„Bislang gibt es kein Medikament, das die Alzheimer-Krankheit heilen kann“, erklärte Prof. Hans-Jürgen Möller aus München in der Erklärung. „Irgendwann wird eine wirksame Therapie zur Verfügung stehen, aber wann das sein wird, ist völlig unklar“, sagte der Vorsitzende der Hirnliga e.V. „Die Forschung geht intensiv voran und es gibt vielversprechende Ergebnisse“, so der Experte. Er erklärte aber auch, dass „die Euphorie über eine baldig verfügbare ursachenbezogene Behandlung verflogen“ sei. Sie als Forscher könnten immer nur wieder empfehlen, bereits vorhandene Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung zu nutzen. Zum Beispiels sei es bekannt, dass die Behandlung von Diabetes und Bluthochdruck das Risiko an einer Demenz zu erkranken senkt.
Die meisten Patienten werden von Angehörigen betreut
Grundsätzlich sind sich Forscher und Mediziner darüber einig, dass der Verlauf der Erkrankung zwar nicht gestoppt, doch um so positiver beeinflusst werden kann, je eher die Diagnose erfolgt. Wie die Experten fordern, sollten bei der Behandlung Medikamente, nichtmedikamentöse Therapien und pflegerische Maßnahmen in einem therapeutischen Gesamtkonzept eingesetzt werden. Die Betroffenen können länger selbstbestimmt leben, falls das Voranschreiten von Alzheimer verlangsamt werden kann. Auch die Pflegebedürftigkeit wird dadurch hinausgezögert. Da die meisten Menschen mit Demenz zu Hause betreut werden, sind von der Pflege vor allem Angehörige betroffen.

Demenzkranke müssen als Mitglieder der Gesellschaft akzeptiert werden
Wie die Experten in ihrer Erklärung weiter schreiben, müssen Demenzkranke in unserer Gesellschaft als Mitglieder akzeptiert und ihre Bedürfnisse von der Zivilgesellschaft als verpflichtende Aufgaben wahrgenommen werden. Doch darauf sei das Gesundheits- und Sozialwesen nicht eingestellt. Demenzkranke brauchen nicht nur viel Zuwendung sondern auch geschultes Personal. „Der Altenpflegeberuf verfügt schon heute über genau jene Kompetenzen“, meinte Prof. Dr. Hans Gutzmann. Der Präsident der deutschen Alterspsychiater sagte weiter: „Er muss erhalten und weiterentwickelt werden.“ Prof. Gutzmann warnte davor, den Beruf der Altenpfleger abzuschaffen, wie Bund und Länder es planen.

Beim Thema Demenz sind alle gefordert
Alle sind beim Thema Demenz und Alzheimer gefordert: "Die Politik, die bessere Rahmenbedingungen schaffen soll. Forscher und Mediziner, um neue Medikamente und Therapien zu entwickeln und die Öffentlichkeit, um den Erkrankten mehr Verständnis entgegenzubringen". An die Öffentlichkeit wendet sich auch der Welt-Alzheimer-Tag. Der Aktionstag, der seit 1994 jedes Jahr am 21. September stattfindet, will mit vielfältigen Aktivitäten in zahlreichen Ländern auf die Erkrankung aufmerksam machen. (ad)

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de