Herzdruckmassage mit „Stayin’ Alive“ hilfreich

Fabian Peters

Wiederbeleben: Hits helfen den Rhythmus bei der Herzdruckmassage zu finden

30.10.2012

Herzdruckmassagen können im Ernstfall Leben retten, doch viele Ersthelfer sind sich nicht sicher, welchen Rhythmus sie beim Pressen auf den Brustkorb einhalten sollen. Hier können beliebte Musikstücke wie „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees helfen, erläuterte Professor Dr. med. Bernd W. Böttiger, Ordinarius der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Uniklinik Köln und Vorsitzender des German Resuscitation Council.

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Studien haben gezeigt, dass bei einer Herzdruckmassage mit der Frequenz von 100 bis 120 Druckbewegungen pro Minute der bestmögliche Blutfluss durch das stillstehende Herz eines Bewusstlosen erreicht werden kann, erklärte Prof. Böttiger gegenüber „Welt Online“. Als Orientierungshilfe bieten sich demnach Hits wie „Dancing Queen“ von ABBA, „Like A Prayer“ von Madonna oder „Stayin’ Alive“ an, um den Rhythmus bei einer Herzdruckmassage zu finden. So helfe die Musik auch im Ernstfall das Richtige zu tun.

Herzdruckmassage im Rhythmus von Superhits
Im Falle eines Herzstillstandes ist schnelles Handeln besonders wichtig. Eine umgehend eingeleitete Herzdruckmassage erhöht die Überlebenschancen der Patienten erheblich. Die optimale Frequenz von 100 bis 120 Druckbewegungen pro Minute beziehungsweise zwei Druckbewegungen pro Sekunde hat jedoch längst nicht jeder Ersthelfer verinnerlicht. Bekannte Musiktitel bieten hier unter Umständen eine durchaus nützliche Orientierungshilfe. So haben beispielsweise „Stayin" Alive“, „Dancing Queen“ und „Like A Prayer“ rund 100 Beats pro Minute (BPM). Bei der Wiederbelebung kann es demnach helfen, die Lieder vor sich hinzusummen, um den richtigen Rhythmus bei den Druckbewegungen zu finden. Dabei gehe es „darum, Bilder im Kopf zu haben, die es einem ermöglichen, auch bei großer Aufregung das Richtige zu tun“, erläutere Prof. Böttiger, der auch Sprecher des Arbeitskreises Notfallmedizin in der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin ist.

Auch „Highway to Hell“ eignet sich als Orientierungshilfe bei Herzdruckmassagen
Nach Ansicht des Experten hat der Titel „Stayin´ Alive“ zudem den besonderen Charme, dass er „reflektiert, worum es bei der Wiederbelebung geht.“ Denn bleibt das Herz – beispielsweise bei einem Herzinfarkt – stehen und pumpt kein Blut mehr durch die Adern, wird zunächst die Hirnfunktion eingestellt und die Betroffenen fallen in Ohnmacht. Rund fünf bis sieben Minuten nach dem Herzstillstand setzten erste unumkehrbar Schäden des Gehirns ein. Kurze Zeit später droht der Tod des Patienten. Daher ist es besonders wichtig, möglichst schnell durch eine Herzdruckmassage die Blutversorgung des Gehirns wieder herzustellen. Ersthelfer sollten ihre „Ängste zur Seite legen“ und rasch handeln, erläuterte Prof. Böttiger. Egal, welches Musikstück mit 100 bis 120 BPM die Betroffenen dabei im Kopf haben, Hauptsache sie helfen überhaupt, so der Experte weiter. Im Zweifelsfall eigne sich auch „Highway to Hell“ von AC/DC mit seinen 116 BPM, um den richtigen Rhythmus zu finden, selbst wenn dies in der Situation weniger charmant sei als „Stayin’ Alive“. Möglicherweise ist „Highway To Hell“ jedoch „bei einem Hells-Angels-Mitglied vielleicht gar nicht unpassend“, so Böttiger weiter.

Brustkorb bei Herzdruckmassagen rund fünf Zentimeter eindrücken
Die Druckbewegungen auf den Brustkorb sollten bei der Herzdruckmassage nicht nur im richtigen Rhythmus, sondern auch mit angemessener Kraft erfolgen. Ersthelfer müssen sich nicht sorgen, dass sie zu fest drücken, erläuterte der Experte. Tatsächliche habe die Erfahrung gezeigt, „dass die allermeisten den Brustkorb zu flach drücken“, so Prof. Böttiger. Der Brustkorb sollte mindestens fünf bis sechs Zentimeter oder ein Drittel seines Durchmessers in der unteren Hälfte eingedrückt werden, was tiefer sei, als selbst Experten früher annahmen, betonte der Vorsitzende des German Resuscitation Council. „Im Zweifel muss man fester drücken, als man denkt“ und selbst wenn es mal knackt, ist ein Rippenbruch weniger schlimm, denn „der heilt schnell wieder“, erläuterte Prof. Böttiger. Werde "kein angemessener Druck aufgebaut, drohe stattdessen der Tod des Patienten", was mit Sicherheit die schlechtere Alternative wäre.

Ein Erste-Hilfe-Kurs erleichtert es im Ernstfall die richtigen Entscheidungen zu treffen und kann damit unter Umständen Leben retten. Erlernen können Erste Hilfe bereits Schüler ab der sechsten Klasse. Die Grundkenntnisse vermitteln nicht nur Sicherheit, wenn tatsächlich einmal Hilfe benötigt wird, sondern sie könnten nach Schätzung der Experten auch dazu beitragen, "pro Jahr in Deutschland mindestens 10.000 Menschen vor dem plötzlichen Herztod zu bewahren". (fp)