Herzwochen: Wenn das Herz nicht im Takt schlägt

Heilpraxisnet

Aufklärungskampagne informiert über Herzrhythmusstörungen

05.11.2014

Das Thema „Herzrhythmusstörungen“ steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der Herzwochen. Im Rahmen der Aufklärungskampagne der Deutschen Herzstiftung finden bundesweit noch bis Ende des Monats zahlreiche Veranstaltungen statt.

Jedes Jahr 400.000 Patienten
„Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen“: Unter diesem Motto informiert die Deutsche Herzstiftung noch bis zum 30. November über Diagnose und Therapie der Volkskrankheit. Bundesweit finden im Rahmen der Herzwochen über 1.200 Veranstaltungen statt. Angaben der Stiftung zufolge werden in Deutschland jedes Jahr mehr als 400.000 Patienten wegen Herzrhythmusstörungen in eine Klinik eingeliefert. „Allein an der häufigsten Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern leiden in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen“, schreiben die Experten in einer Pressemitteilung. Zu den Symptomen zählen Atemnot, aufsteigende Hitze im Kopf, Herzklopfen, ein Druckgefühl in der Brust sowie ein unkontrolliertes Herzrasen in den Herzvorhöfen.

Bild: Dieter Schütz / pixelio.de

Harmlos oder lebensbedrohlich?
Es besteht oft große Unsicherheit darüber, ob Herzrhythmusstörungen harmlos oder lebensbedrohlich sind und wie ihre Beschwerden gelindert oder beseitigt werden können. Die Aufklärungskampagne soll dazu beitragen, über die heutigen Möglichkeiten der Diagnose und Therapie sowie deren Nutzen und Risiken zu informieren. Grundsätzlich können Unregelmäßigkeiten des Herzschlags völlig normal sein und kommen bei jedem irgendwann im Leben vor. „Ob Herzrhythmusstörungen harmlos oder lebensbedrohlich sind, kann nur ein Kardiologe nach ausführlicher Untersuchung des Patienten entscheiden“, erklärte Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und Kardiologe am Klinikum Stephansplatz in Hamburg in der Pressemitteilung.

Folge von Herzkrankheiten
„Der Übergang zwischen normal und krankhaft ist fließend. Krankhaft bedeutet nicht immer gefährlich. Selten sind Herzrhythmusstörungen Vorläufer eines drohenden plötzlichen Herztodes. Oft liegt aber den Herzrhythmusstörungen eine Herzkrankheit zugrunde. Sie beim Facharzt zu erkennen und konsequent zu behandeln ist entscheidend.“ Falls sie nicht angeboren sind, sind Herzrhythmusstörungen in der Regel keine eigene Erkrankung, sondern meist die Folge von Herzkrankheiten. Vor allem Bluthochdruck, der bei etwa 70 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern vorliegt und die koronare Herzkrankheit (KHK) sind hier zu nennen. Und auch Krankheiten wie Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes oder chronische Lungenerkrankungen gehen den Experten zufolge in erhöhtem Maße mit Vorhofflimmern einher.

30.000 Schlaganfälle durch Vorhofflimmern
„Entscheidend für den Therapieerfolg ist die gezielte Behandlung der Grundkrankheit als eigentliche Ursache der Rhythmusstörung.“ Eine Rolle können zudem Faktoren wie die Zusammensetzung der Blutsalze (Elektrolyte) durch Kalium- und Magnesiummangel, bestimmte Genussgifte (größere Mengen von Alkohol, Kaffee, Nikotin), üppige Mahlzeiten, Schlafmangel und Stress spielen. Da Vorhofflimmern bei der Hälfte aller Patienten ohne Beschwerden auftritt, bleibt es häufig unbemerkt. „Unbehandelt sind diese Menschen schutzlos dem Schlaganfall ausgesetzt, weil sie nicht durch gerinnungshemmende Medikamente geschützt werden“, so Prof. Meinertz. Vorhofflimmern verursacht jährlich rund 30.000 Schlaganfälle. Von Experten wird dazu geraten, ein Blutdruckmessgerät zu Hause zu haben, das unregelmäßigen Herzschlag anzeigen kann, wenn der Blutdruck gemessen wird. Im Zweifelsfall sollten Patienten ihren Herzrhythmus per EKG überprüfen lassen.

Fortschritte bei den Therapiemöglichkeiten
Bei der Therapie wurden in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt. So sind Beschwerden wie Herzrasen, Herzstolpern, Atemnot, Druckgefühl im Brustkorb und Schwindel oft gut mit Medikamenten zu behandeln. Zur Schlaganfallvorbeugung bei Vorhofflimmern kommen verschiedene Gerinnungshemmer zum Einsatz. Für die Behandlung von Patienten mit Herzrhythmusstörungen spielt mittlerweile auch die Psychokardiologie eine immer wichtigere Rolle. Da Stress und seelische Belastungen Herzrhythmusstörungen auslösen oder verstärken können, sind Psychokardiologen beispielsweise wichtig, wenn Patienten unter Depressionen und Ängsten leiden, weil sie die Schockabgaben ihres implantierten Defibrillators oder dessen Ausfall fürchten. (ad)

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