Hormone haben direkten Einfluss auf Fingerlänge

Fabian Peters

Pränataler Hormonspiegel bestimmt die Fingerlänge von Menschen

06.09.2011

Die Fingerlänge wird bestimmt durch den pränatalen Hormonspiegel. Bereits seit einigen Jahren gehen Forscher der Vermutung nach, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem Hormonspiegel vor der Geburt und der späteren Länge der Finger besteht, da beide Faktoren durch die selbe Gensequenz bestimmt werden. Nun haben US-Wissenschaftler der University of Florida in Gainesville erstmal eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Fingerlänge durch den pränatale Hormonspiegel beeinflusst wird.

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Östrogen und Testosteron bestimmen die Fingerlänge
Wie Martin Cohn und Zhengui Zheng von der University of Florida im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) berichten, ist das unterschiedliche Längenverhältnis zwischen Ring- und Zeigefinger bei Männern und Frauen nachweislich durch den Anteil weiblicher und männlicher Hormone während der embryonalen Entwicklung bedingt. Dieser führe je nach Östrogen- beziehungsweise Testosteron-Gehalt entweder zu einem längeren Ring- als Zeigefinger bei Männern oder einem längeren Zeige- als Ringfinger bei Frauen, erläuterten die US-Forscher. Die Wissenschaftler der University of Florida haben im Rahmen einer umfassenden Studie die Auswirkung des pränatalen Hormonspiegels auf die „Fingerlänge“ bei Mäusen untersucht. Die Ergebnisse ermöglichen Rückschlüsse auf das Zusammenspiel von Fingerlänge und Hormonspiegel beim Menschen, da die Mäuse ein menschenähnliches Fingerlängen-Verhältnis aufweisen, erläuterten die US-Forscher.

Bei ihren Untersuchungen entdeckten die US-Wissenschaftler in den knospenden Fingern der Mäuse-Embryonen eine besonders hohe Dichte an Rezeptoren für die Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen. Bei Blockade der Testosteron-Rezeptoren entwickelten die Mäuse ein typisch weibliches Fingerlängen-Verhältnis, berichten Martin Cohn und Zhengui Zheng. Der gleiche Effekt habe sich bei zusätzlicher Verabreichung von Östrogen gezeigt. Bei Zugabe von Testosteron haben die Mäuse-Embryonen hingegen das typisch männliche Fingerlängen-Verhältnis von längerem Ring- als Zeigefinger aufgewiesen, so die Aussage der US-Forscher. Damit sei erstmals der eindeutige Nachweis gelungen, dass der pränatale Hormonspiegel die Fingerlänge bestimmt, erläuterten die Experten der University of Florida.

Vorgeburtlicher Hormonspiegel ausschlaggebend für individuelle Eigenschaften?
Obwohl bis dato kein wissenschaftlicher Beweis für den Zusammenhang zwischen pränatalem Hormonspiegel und der Fingerlänge vorlag, nutzten frühere Studien bereits die Fingerlänge als Indikator des Hormonspiegels. Auf Basis dieses Indikators stellten die Studien anschließend den Hormonspiegel mit bestimmten Eigenschaften wie beispielsweise dem Verhalten, dem technische oder sozialen Interesse, der sexuellen Orientierung und der Ausprägung des männlichen Geschlechtsteils in Verbindung. Auch das individuellen Krankheitsrisiko für Autismus, Brustkrebs, Depressionen und Herzkrankheiten wurde im Rahmen der Untersuchungen bereits in Zusammenhang mit dem pränatalen Hormonspiegel gebracht. Sogar die sexuelle Anziehungskraft und der berufliche Erfolg im späteren Lebensverlauf wurden schon in Verbindung mit der Fingerlänge beziehungsweise dem pränatalen Hormonspiegel gesetzt. Doch die meisten dieser Untersuchungen wiesen deutliche Mängel auf und fanden entsprechend wenig Berücksichtigung in der medizinischen Fachwelt. Einer der Kritikpunkte war dabei stets die Hochrechnung des pränatalen Hormonspiegels anhand der Fingerlänge. Da die aktuelle Studie der US-Forscher nun jedoch einen eindeutigen Beleg für die Auswirkungen des vorgeburtlichen Hormonspiegels auf die Fingerlänge liefert, scheint die bisherige Kritik zumindest in diesem Punkt unberechtigt. (fp)