Landesgesundheitsamt: Deutlich mehr Borreliose und FSME-Fälle durch Zeckenbisse

Die Zahl der durch Zecken verursachten Borreliose- und FSME-Fälle ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. Vor allem klimatische und ökologische Faktoren haben Einfluss auf diesen Anstieg. (Bild: emer/fotolia.com)
Alfred Domke
Zahl der durch Zeckenbisse verursachten Borreliose- und FSME-Fälle steigt
Diesen Sommer sind besonders viele Zecken aktiv. Die kleinen Blutsauger können gefährliche Infektionskrankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose übertragen. Die Fallzahlen dieser Erkrankungen sind bereits recht hoch.

Besonders viele Zecken unterwegs
Zecken sind gefährliche Krankheitsüberträger. Die kleinen Parasiten können unter anderem Infektionskrankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose übertragen. Aufgrund des milden Winters und des feuchtwarmen Frühjahrs sind in diesem Jahr besonders viele Zecken unterwegs. Je höher die Zahl der Blutsauger, desto größer die Erkrankungsgefahr.

Die Zahl der durch Zecken verursachten Borreliose- und FSME-Fälle ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. Vor allem klimatische und ökologische Faktoren haben Einfluss auf diesen Anstieg. (Bild: emer/fotolia.com)
Die Zahl der durch Zecken verursachten Borreliose- und FSME-Fälle ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. Vor allem klimatische und ökologische Faktoren haben Einfluss auf diesen Anstieg. (Bild: emer/fotolia.com)

Wesentlich mehr Krankheitsfälle als im Vorjahr
Das zeigen nun auch neue Daten aus Bayern. Die Zahl der durch Zecken verursachten Krankheitsfälle im Freistaat ist in diesem Jahr bislang deutlich gestiegen. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, hatte das Landesamt für Gesundheit (LGL) in Erlangen zum Ende der ersten Augustwoche bereits über 2.600 Infektionen mit Borreliose registriert – 40 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2015. Die Zahl der FSME-Fälle lag demnach bereits bei etwa 100 – 26 Prozent mehr als im Vorjahr.

Laut einer Sprecherin des LGL sei dies eine „erwartbare Schwankung im Verlauf der Meldejahre“. So habe zum Beispiel 2013 die Zahl der Borreliose-Fälle im gleichen Zeitraum mit rund 3.080 deutlich höher gelegen, und das, obwohl die Meldepflicht in Bayern in jenem Jahr erst Anfang März eingeführt worden war. 2014 und 2015 lagen die Zahlen bei rund 1.800.

Borreliose kann mt Medikamenten behandelt werden
Die Lyme-Borreliose ist hierzulande die am häufigsten von Zecken übertragene Infektionskrankheit. Zu den Anzeichen der Erkrankung zählen unter anderem Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Fieber sowie unspezifische Gelenk- und Muskelschmerzen.

Die sogenannte „Wanderröte“ – ein roter Ring, der sich um den Zeckenbiss bildet – ist zwar ein 100-prozentiges Symptom, tritt aber lediglich bei der Hälfte der Patienten auf. Die Krankheit lässt sich durch Einnahme von Antibiotika bekämpfen, andernfalls kann sie zu Spätfolgen wie Gelenk-, Herzmuskel- oder Nervenentzündungen führen.

FSME kann tödlichen Verlauf nehmen
Bei den FSME-Fällen wurde vor einigen Jahren eine ähnlich hohe Zahl erreicht wie in diesem Jahr. 2014 und 2015 waren jedoch nur zwischen 70 und 80 Fälle registriert worden. Erreger der FSME sind Viren. Nach einer Infektion kann es zu Entzündungen von Hirnhaut, Gehirn oder Rückenmark kommen. Bei etwa einem Drittel der Infizierten treten Krankheitserscheinungen auf. Zunächst kommt es zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen und Schwindel.

Bei rund zehn Prozent entstehe laut Ärzten auch eine Hirnhaut- und Gehirnentzündung mit der Gefahr von bleibenden Schäden wie Lähmungen. Bei ein bis zwei Prozent der Erkrankten führt die Erkrankung zum Tode. Zwar gibt es für die Behandlung keine Medikamente, doch man kann sich dagegen impfen lassen.

Vor Zecken schützen
Um Infektionen zu vermeiden, sollte man sich am besten vor Zecken schützen. Idealerweise bleibt man bei Spaziergängen auf den Wegen. Bei Wanderungen sollte stets daran gedacht werden, lange Hosen zu tragen und gegebenenfalls die Hosenbeine in die Socken zu stecken. Auch spezielle Sprays, sogenannte Repellents, können die Krabbeltiere fern halten. Außerdem sollte man sich nach Aufenthalten in der Natur gründlich absuchen und falls nötig, schnell reagieren.

Früher empfohlene Methoden sollten nicht angewendet werden
Nach einem Zeckenstich ist Eile geboten. Die Zecke sollte so bald wie möglich entfernt werden. Das LGL schreibt dazu auf seiner Webseite: „Früher empfohlene Methoden wie das Betupfen der Zecke mit Öl, Klebstoff, Nagellack oder anderen Flüssigkeiten sollten nicht angewendet werden, da die Zecke dadurch eventuell sogar ihren Mageninhalt „erbricht“ und dabei die Erreger überträgt.“ Geraten wird unter anderem zu einer spitzen, gut schließenden Pinzette, mit der man den Blutsauger direkt über der Hautoberfläche packt und langsam herauszieht.

Hohe Zeckenaktivität kann sich bis in den Herbst ziehen
Dem LGL zufolge haben mehrere klimatische und ökologische Faktoren Einfluss auf die Fallzahlen bei FSME und Borreliose. Dazu gehörten sowohl die Aktivität und der Lebenszyklus von Zecken, das Freizeitverhalten der Menschen sowie die Größe und Verteilung der Mäusepopulationen, die Wirtstiere von Zecken sind. „Sollte die Witterung in diesem Jahr anhaltend warm und feucht bleiben, ist mit einer hohen Zeckenaktivität bis weit in den Herbst zu rechnen“, so die LGL-Sprecherin. (ad)

Advertising