Lungenkranke: Bewegen statt schonen

Heilpraxisnet

Lungenkranke: Bewegen statt schonen

17.09.2014

Lungenkranke, denen schon bei kleinen Anstrengungen die Luft wegbleibt, meiden oft große Anstrengungen. Doch gerade Menschen mit Erkrankungen wie Asthma oder Bronchitis sollten sich bewegen. Der Deutsche Lungentag am 20. September soll dazu beitragen, aufzuzeigen, wie wichtig eine gesunde Lunge ist.

Patienten mit COPD leiden schnell an Atemnot
Die Treppe in die Wohnung ist häufig schon zu steil, jeder einzelne Schritt ist eine Qual, die Luft bleibt weg: Menschen, die eine chronisch-obstruktiver Bronchitis (COPD) haben, leiden schnell an Atemnot. „Das führt dazu, dass sie sich weniger belasten und an Muskelkraft und Kondition verlieren“, erläuterte Professor Heinrich Worth, Chefarzt der Klinik für Herz- und Lungenerkrankungen am Klinikum Fürth laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa. Doch genau darin liegt das Problem. Denn je mehr sich die Betroffenen schonen, desto öfter leiden sie an Luftnot. Zudem seien Osteoporose, Diabetes oder Gefäßerkrankungen häufig die Folge, wie der Sportwissenschaftler Oliver Göhl erklärte.

Bis zu fünf Millionen Deutsche mit Raucherlunge
Die COPD, auch Raucherlunge genannt, ist eine der häufigsten Erkrankungen weltweit. Schätzungen der Deutschen Atemwegsliga zufolge sollen hierzulande etwa drei bis fünf Millionen Bürger daran erkrankt sein. Das Hauptsymptom der Volkskrankheit ist der sogenannte Raucherhusten, welcher unter anderem durch vermehrte Sekretbildung in den Atemwegen sowie entsprechenden Husten am Morgen mit Auswurf gekennzeichnet ist. Auch wenn Rauchen die Hauptursache für COPD darstellt, werden auch Passivrauchen, Umweltverschmutzung oder berufliche Belastung, etwa durch Chemikalien, als Risikofaktoren angesehen.

Spezieller Lungensport kann helfen
Betroffene sollten nicht nur das Rauchen aufgeben, sondern sich auch bewegen. Dabei kann Lungensport helfen. Was zunächst nach Leistungssport klingt, ist eine spezielle Bewegungstherapie für Patienten mit Asthma, COPD oder anderen Lungenerkrankungen. „Die Art des Sports ist eher nebensächlich“, erklärte der Lungenfacharzt Professor Dieter Köhler. „Grundsätzlich gilt: Der Puls sollte ansteigen, man sollte möglichst ins Schwitzen geraten und mindestens zweimal in der Woche trainieren“, so der Experte. Letzteres sei Voraussetzung dafür, dass der Sport Wirkung zeige.

Vor starker Belastung eine Pause machen
Zur Teilnahme an einer Lungensportgruppe rät der Mediziner Worth. Dort folgt der Aufbau und Ablauf einer Übungseinheit meist einem bestimmten Schema, wozu Ausdauer- und Krafttraining sowie Koordinations- und Dehnübungen gehören. Köhler empfiehlt Lungenpatienten, dass sie lernen sollten, vor einer starken Belastung eine Pause zu machen. „Also beim Wandern zum Beispiel für kurze Zeit pausieren, wenn die Strecke steiler wird“, so der Lungenfacharzt. „Viele machen den Fehler, dass sie weitergehen und dann auf halber Strecke stehen bleiben müssen, weil sie Luftnot haben.“

Lungensportgruppe mit vielen Vorteilen
Ein weiterer Vorteil einer Lungensportgruppe liegt darin, dass der Übungsleiter darauf achten kann, dass die Teilnehmer sich nicht übernehmen und die Aufgaben genau ihrer Leistungsfähigkeit angepasst sind. In diesen Gruppen ist immer ein Arzt in Rufbereitschaft. Die Patienten müssen ein ärztliches Attest vorweisen. Außerdem sind in diesen Gruppen die Übungsleiter speziell geschult und ein Notfallkoffer muss bereit stehen. Köhler erklärte auch, was der Sport für die Gesundheit bringt: „Es ist nachgewiesen, dass die Luftnot bei regelmäßigem Training später eintritt.“ Dafür nannte er folgendes Beispiel: Demnach können gesunde Menschen im Durchschnitt innerhalb von sechs Minuten 600 Meter weit gehen. Ein mittelschwer Lungenkranker schaffe normalerweise 300 Meter, doch wenn er regelmäßig trainiere, komme er im Schnitt auf 400 Meter. „Seine Kondition wird besser“, sagte Worth.

Bei regelmäßigem Sport seltener ins Krankenhaus
"COPD-Patienten mussten bei regelmäßiger sportlicher Aktivität seltener ins Krankenhaus": Dies haben Wissenschaftler im Jahr 2006 in einer Studie mit rund 2.390 Betroffenen herausgefunden. Es gibt Worth zufolge "Hinweise darauf, dass Bewegungstherapie bei Asthma und COPD dazu führt, dass die Entzündung in den Atmungsorganen zurückgeht". Doch er schränkt ein: „Aber bewiesen ist das noch nicht.“ Eventuell könne es auch zu einer Abnahme der Infektanfälligkeit führen, wenn ein Patient lange trainiere. „Im Rahmen des Lungensports raucht der Patient häufiger nicht mehr und ernährt sich gesünder“, so Worth. In der Regel fällt eine monatliche Kursgebühr an, die jedoch anteilig oder komplett von den Krankenkassen übernommen wird. (ad)

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