Osteopathie: Eigener Berufsstand in Sicht?

Thorsten Fischer

Osteopathie: Eigener Berufsstand in Sicht?

27.01.2011

Der Bundesverband selbständiger Physiotherapeuten IfK e.V. wendet sich in einer Erklärung gegen einen eigenen Berufsstand Osteopathie. Nach dem IFK (Interessenverband freiberuflicher Krankengymnasten) soll die Weiterbildung für Physiotherapeuten und Ärzte in Osteopathie ausgebaut werden und es sei demnach kein eigener Beruf Osteopath erforderlich.

Der IFK stützt seine Schlussfolgerungen auf ein „umfangreiches internationales Forschungsprojekt“ an, welches vor 2 Jahren ergeben haben soll, dass in Deutschland in der Patientenversorgung keine Lücke vorhanden sei. Daraus ergibt sich aus Sicht der IFK, dass in Deutschland kein weiterer Beruf Osteopath notwendig sei. Als Unterstützung für diese Argumentation zieht der IFK die Ausbildungsstandards für Osteopathie, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) formuliert hat, heran. Denn der IFK hat nach eigenen Angaben ein Positionspapier „osteopathischer Physiotherapeut“ an das Bundesgesundheitsministerium und die Gesundheitsminister der Länder gesandt, das als Diskussionsgrundlage dienen soll und in Großteilen dem Aufbaulehrgang der WHO ähnelt.

Experten sehen in der Erklärung des IFK zum jetzigen Zeitpunkt eher die Angst, da es in Deutschland bald zu einem eigenen Berufsbild Osteopath kommen könnte. Vielfach kooperieren Privatschulen, die Osteopathie Fortbildungen in Deutschland anbieten, mit Universitäten anderer Länder und bieten Abschlüsse wie Bachelor of Science (BSc) oder Master of Science (Msc) in Verbindung mit dem Osteopathiestudium an.

In Deutschland durchlaufen viele Physiotherapeuten die fünfjährige Weiterbildung in Osteopathie. Da sie aber in den meisten Fällen in Deutschland weisungsgebunden sind, können sie nicht im Erstkontakt arbeiten. Einfacher ist es, durch eine Prüfung beim Gesundheitsamt die Bezeichnung Heilpraktiker zu erwerben. Letzteren ist es erlaubt im Erstkontakt Osteopathie und Manipulationen anzubieten und durchzuführen.

Berechtigt ist die Frage, ob es zur Zeit eine Gefahr für einige Physiotherapie Verbände darstellt, wenn viele ihrer Mitglieder sich für eine Osteopathieausbildung und anschließend den Weg zum Heilpraktiker entscheiden, der für eine nicht weisungsgebundene Ausführung der Osteopathie im Praxisalltag steht. Denn bisher besteht ausschließlich im Bundesland Hessen mit der sogenannten „WPO Osteo“ ein staatlich festgelegter Passus im Bereich Osteopathie. Somit bietet sich als Arbeitsgrundlage nach der fünfjährigen Osteopathie Fortbildung für Physiotherapeuten „der Heilpraktiker“ an.

Der IFK sieht „die Aufnahme von Osteopathie in den physiotherapeutischen Leistungsbereich der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)“ als einen wichtigen Schritt an. Dies wird in der Osteopathie Szene von Praktikern und Funktionären zumeist eher kritisch gesehen. Viele haben die Befürchtung, dass dies zu starken Mitsprachverseuchen der Krankenkassen im Osteopathiebereich in Deutschland führen und die Eigenständigkeit des Konzeptes gefährden könnte.

Schon der Begründer der Osteopathie, Andrew Taylor Still (1828- 1917), soll als letzte Botschaft an seinen Berufstand vor seinem Tode 1917 gesagt haben: „ Keep it pure, boys, keep it pure.“ („Haltet sie rein, Jungs, haltet sie rein.“). In den Gründertagen der Osteopathie wurden auch Erkrankungen wie Diabetes oder Asthma behandelt. Die Osteopathie in Deutschland, die hier erst etwa ab den 1970er Jahren Fuß fasste, ist heute eher eine Therapie von Beschwerden des Bewegungsapparates wie Bauchschmerzen oder Nackenverspannungen. (tf)

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