Pflanzlicher Wirkstoff tötet Nierenkrebszellen

Heilpraxisnet

Heilpflanze: Pflanzlicher Wirkstoff tötet Nierenkrebszellen

18.03.2015

Nierenkrebs zählt in Deutschland zu den eher selteneren Krebserkrankungen. Da er, wie auch andere Krebsarten, zunächst keine für ihn typischen Beschwerden auslöst, kommt eine Diagnose oft erst spät. Behandelt wird dieser Krebs meist chirurgisch. Künftig kann möglicherweise auch ein pflanzlicher Wirkstoff helfen, der Nierenkrebszellen tötet.

Nierenkrebs zählt zu den selteneren Krebsarten
Pro Jahr erkranken rund 15.500 Menschen in Deutschland an Nierenkrebs. Betroffen sind vor allem Ältere und Männer häufiger als Frauen. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem Rauchen, Alkoholkonsum, Bluthochdruck sowie Übergewicht beziehungsweise Adipositas. Wie auch andere Krebsarten verursacht Nierenkrebs zunächst keine für ihn typischen Symptome. Wenn es zu Beschwerden wie Flankenschmerzen, ungeklärter Gewichtsabnahme, ständiger Müdigkeit, Nierenschmerzen oder Blut im Urin kommt, ist die Erkrankung meist schon weit fortgeschritten. Behandelt wird Nierenkrebs in den meisten Fällen chirurgisch. Möglicherweise könnte in Zukunft auch ein pflanzlicher Wirkstoff helfen.

Heilpflanze aus Afrika
Wie der „Informationsdienst Wissenschaft“ (idw) berichtet, gilt Phyllanthus engleri in seiner Heimat im südlichen Afrika schon lange als Heilpflanze. Vor allem wächst der früher zu den Wolfsmilchgewächsen zählende Strauch oder kleine Baum in den trockenen Savannengebieten in Tansania, Sambia, Malawi, Zimbabwe, Mosambik und Südafrika. Die Wurzeln der Pflanze dienen in Tansania als Mittel gegen Epilepsie, das Kauen der Blätter und Früchte soll gegen Husten und Bauchschmerzen helfen. Und ein Sud aus Wurzeln soll sogar gegen Bilharziose und Gonorrhoe wirksam sein. Die Pflanze entält jedoch auch starke Giftstoffe, die zu tödlichen Vergiftungen führen können.

Rauschhafte Erregungszustände bei Katzen
2009 haben amerikanische Wissenschaftler über 30 Substanzen aus Phyllanthus engleri gewonnen und ihre Wirksamkeit auf Krebszellen analysiert. Eine Variante von Englerin-A aus der Rinde des Baumes ist demnach besonders wirksam gegen Nierenkrebszellen und einige andere Krebsformen. Prof. Dr. Mathias Christmann von der Freien Universität in Berlin ist es gelungen, diese komplexe Verbindung synthetisch herzustellen. Ein Inhaltsstoff des Öls der Katzenminze (Nepeta cataria) diente dafür als Ausgangsstoff: das sogenannte Nepetalacton – eine Substanz, die bei Katzen rauschhafte Erregungszustände auslöst.

Zellen sterben innerhalb weniger Minuten ab
Es war bislang unerforscht wie Englerin-A die Krebszellen tötet. Eine Variante des Enzyms Proteinkinase C galt bis vor kurzem als vermeintliches Zielprotein von Englerin-A. Doch Forscher der Max-Planck-Gesellschaft haben nun festgestellt, dass Zellen, die besonders gut auf Englerin-A ansprechen, diese Enzymvariante gar nicht besitzen. Die Wissenschaftler konzentrierten sich deswegen auf eine Familie von Kalziumkanälen in der Zellmembran von Nierenzellen, die sogenannten TRPCs (transient receptor potential channels). Verschiedene Nierenkrebszellen bilden unterschiedliche Mengen dieser Kanäle. Der idw berichtet, dass die Messungen ergaben, dass eine Zugabe von Englerin-A die Kalziumkonzentration innerhalb der Zellen so stark steigen lässt, dass diese innerhalb weniger Minuten absterben.

Möglicherweise als Krebsmedikament geeignet
„Wir haben Krebszellen untersucht, die viel TRPC4 produzieren. Diese Zellen reagieren besonders empfindlich auf Englerin-A. In Zellen, die kein TRPC4 bilden beziehungsweise normale TRPC4-Mengen aufweisen, steigt der Kalziumspiegel nicht so stark an. Diese Zellen sterben daher nicht“, erklärte Slava Ziegler vom Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie. Allerdings wissen die Wissenschaftler noch nicht, ob die Überproduktion der TRPCs der alleinige Grund für das Absterben der Krebszellen ist. Wahrscheinlich wirkt Englerin-A spezifisch auf Krebszellen in der Niere. „Diese Eigenschaft ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Krebsmedikamenten, denn so ließen sich Nebenwirkungen auf gesunde Zellen möglicherweise vermeiden“, erläuterte Herbert Waldmann, der am Dortmunder Max-Planck-Institut unter anderem die Verwendung von Naturstoffen für die Wirkstoffentwicklung erforscht. In Kooperation mit dem Lead Discovery Center in Dortmund wollen die Forscher in den nächsten Jahren untersuchen, ob Englerin-A als Krebsmedikament geeignet ist. (ad)

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