Blut im Urin

Susanne Waschke

Blutiger Urin; Hämaturie

Als Hämaturie (Blut im Urin) wird die krankhafte Auscheidung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) mit dem Urin bezeichnet. Da eine geringe Menge Blut auch im Harn von Gesunden zu finden ist, besteht eine Hämaturie erst, wenn pro mm3 Urin mehr als fünf bis zehn rote Blutkörperchen vorkommen. Nach der Blutmenge wird die Hämaturie Makro- und Mikrohämaturie eingeteilt. Blutiger Urin sollte niemals auf die leichte Schulter genommen werden. Auch wenn sich dahinter nicht immer etwas Schlimmes verbirgt, ist dies stets ärztlich abzuklären. Blut im Urin, in der Fachsprache Hämaturie genannt, kann die verschiedensten Ursachen haben. So entsteht dies aufgrund einer leichten Schleimhautreizung im Urogenitaltrakt oder aber auch aufgrund eines Krebsgeschehens.

Eine leichte Verfärbung des Urins, die an Blut erinnert, kann durch den Verzehr Roter Beete entstehen. Auch Medikamente, die das Blut verdünnen oder Antibiotika können zu Blut im Urin führen. Eine Hämaturie kann, muss jedoch nicht, mit weiteren Symptomen, wie zum Beispiel Schmerzen, verbunden sein.

Mehr zum Thema:

Inhaltsverzeichnis

Makro- und Mikrohämaturie
Unterschiedliche Blutungsquellen
Blut-ähnliche Rückstände im Urin
Wie kommt das Blut ins Urin?
Ursachen im Bereich der Nieren
Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
Nierensteine
Nierentuberkulose
Niereninfarkt
Zystennieren
Verletzungen der Niere
Nierentumor
Nierenpapillennekrose
Ursachen in der Harnblase und den Harnwegen
Blasen-Bilharziose
Harnblasentumoren
Weitere Ursachen
Endometriose
Sichelzellanämie
Prostatitis, nach einer Prostatabiopsie
Gang zum Arzt unumgänglich
Therapie
Prävention
Naturheilkunde bei Blut im Urin

Makro- und Mikrohämaturie

Bei einer Mikrohämaturie ist das Blut im Urin nicht mit dem bloßen Auge sichtbar, sondern wird bei einer mikroskopischen Untersuchung oder mit Hilfe eines Teststreifens entdeckt. Dies kann sich durchaus um einen Zufallsbefund handeln, bei dem die Betroffenen keine Symptome verspüren.

Blut im Urin muss im Labor untersucht werden.
Blut im Urin muss ärztlich überprüft werden. (Bild: angellodeco/fotolia.com)

Bei einer Makrohämaturie hingegen ist das Blut sofort erkennbar, was viele Patienten recht stark schockiert. Jedoch ist auch dies nicht sofort ein Hinweis auf eine bestimmte Erkrankung, sondern muss abgeklärt werden. Eine Makrohämaturie entsteht zum Beispiel durch Nierensteine, Tumore der Harnwege oder der Nieren, Tuberkulose des Urogenitaltraktes, Zystennieren, Blasenentzündungen, hämorrhagische Diathese (erhöhte Blutungsneigung), Traumata (zum Beispiel durch Katheterisierung) oder eine Endometriose (Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut).

Eine Mikrohämaturie kann bei allen erwähnten Ursachen für eine Makrohämaturie auftreten und darüber hinaus bei Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), interstitieller Nephritis (Entzündung der Nieren mit Beteiligung der Harnkanälchen und des umliegenden Bindegewebes), mechanischer Belastung und einer Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen).

Unterschiedliche Blutungsquellen

Blutiger Urin, in Form von sogenannten Koageln (spezielle Form der Blutgerinnsel), tritt mitunter auf, wenn sich die Blutungsquelle nach der Niere, also postrenal, zum Beispiel in der Blase, befindet. Bei renaler Hämaturie, liegt die Ursache in der Niere selbst. Befindet sich der Grund für das Blut im Urin außerhalb des urologisch-nephrologischen Bereichs, ist dies vor der Niere entstanden und wird als prärenale Hämaturie bezeichnet. Dies ist bei gynäkologischen Blutungsherden oder bei einer erhöhten Blutungsneigung der Fall.

Blut-ähnliche Rückstände im Urin

Ob sich wirklich Blut im Urin befindet, lässt sich mit bloßem Auge nicht unbedingt klären. Es kann sich zum Beispiel ebenso um eine sogenannte Hämoglobinurie handeln. Dabei befinden sich nicht die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) im Urin sondern Hämoglobin (roter Blutfarbstoff). Dies kann bei bestimmten Formen der Blutarmut oder bei Autoimmunkrankheiten der Fall sein. Eine besondere Form der Hämoglobinurie ist die Marsch-Hämoglobinurie. Dies ist eine Erkrankung, die in erster Linie Menschen betrifft, die sich massiv körperlich betätigen. Das Hämoglobin wird aus den Blutkörperchen „abgepresst“ und landet daher im Urin. Eigentlich ist dies harmlos, muss jedoch auf alle Fälle untersucht werden.

Ein rot gefärbter Harn kann ebenso bei einer sogenannten Porphyrie entstehen. Dies ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der die Herstellung des roten Blutfarbstoffes gestört wird. Auch eine Myoglobinurie kann den Urin rot färben. Das Myoglobin ist der Sauerstoff bindende Muskelfarbstoff. Bei Muskelverletzungen kann dieser in die Blutbahn und schließlich auch in den Harn geraten und diesem eine rötliche Farbe geben. Dies ist zum Beispiel beim Leistungssport oder aber durch den Untergang beziehungsweise das Absterben von Muskulatur bei einem Myokardinfarkt möglich.

Wie kommt das Blut ins Urin?

Durch ein Abfiltrieren des Blutes entsteht in den Nieren der Harn, der konzentriert, über die Harnleiter zur Harnblase und von dort aus über die Harnröhre nach außen abgegeben wird. Diese Flüssigkeit enthält normalerweise keine Blutbestandteile, doch können verschiedene, anschließend eingehender dargestellte Erkrankungen dazu führen, dass Blutrückstände mit dem Harn abgegeben werden.

Ursachen im Bereich der Nieren

Einige Erkrankungen im Bereich der Nieren können für Blut im Urin verantwortlich sein. Dazu zählen Nierenbeckenentzündungen, Nierensteine, Nierentuberkulose, Niereninfarkt, Zystennieren, Verletzungen der Nieren, Nierentumore und Nierenpapillennekrose.

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Die Nierenbeckenentzündung zählt zu den häufigsten Nierenerkrankungen. Meist entsteht diese durch aufsteigende Bakterien aus der Harnblase. Zu den Symptomen zählen Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen, Nierenschmerzen, Rückenschmerzen, Flankenschmerzen und eine Hämaturie.

Nierensteine

Bestimmte Inhaltsstoffe des Harns können, wenn von ihnen zu viele vorhanden sind, auskristallisieren und sich daraus Steine entwickeln. Zusätzlich spielen weitere Komponenten, wie Trinkmenge und ph-Wert des Urins eine Rolle. Bakterien begünstigen das Entstehen von Nierensteinen. Die damit verbundenen Symptome sind, wenn eine akute Nierenkolik eintritt, massive krampfartige Schmerzen, die in den Rücken und den Genitalbereich ausstrahlen können. Hinzu kommen Dysurie (Probleme und/oder Schmerzen beim Wasserlassen), Blut im Urin, Übelkeit und Erbrechen.

Nierentuberkulose

Diese sogenannte extrapulmonale Tuberkulose macht sich nicht nur in der Niere, sondern meist im gesamten Urogenitaltrakt breit. Die Betroffenen leiden in der Regel nicht übermäßig unter der Erkrankung. Subfebrile Temperaturen (37,1 °C bis 37,9 °C; Temperaturen unmittelbar unterhalb der Fiebergrenze), Dysurie und Hämaturie sind anzutreffen.

Niereninfarkt

Bei einem Niereninfarkt wird durch ein Blutgerinnsel eine Nierenarterie verlegt. Das betroffene Nierengewebe wird unterversorgt und stirbt ab. Je nach Ausmaß, verläuft diese Erkrankung asymptomatisch oder aber verursacht massive Schmerzen in Bauch und Flanken, Abwehrspannung, Blut im Urin, Fieber und Anurie (die Ausscheidungsmenge von Urin ist kleiner als 100ml/Tag).

Zystennieren

Eine einfache Zyste in der Niere bedeutet meist kein Problem. Bei Vorliegen einer sogenannten Zystenniere, die im Gegensatz zur einfachen Zyste erblich bedingt ist, können diese, mit Flüssigkeit gefüllten verkapselten Geschwülste, die Funktion der Niere(n) erheblich einschränken. Dabei entstehen Schmerzen, Hämaturie, Bluthochdruck und fortschreitendes Nierenversagen.

Verletzungen der Niere

Bei der Einwirkung von stumpfer Gewalt muss nicht zwingend Blut im Urin vorhanden sein. Jedoch sind Nierentraumata mit teilweise massiven Schmerzen, einer Abwehrspannung und eventueller Schocksymptomatik verbunden.

Nierentumor

Ein gutartiger Nierentumor ist eher selten. Meist werden diese per Zufallsbefund festgestellt, da sie wenig bis gar keine Beschwerden bereiten. Große Blutgefäßgeschwülste der Niere, bei denen die Gefahr besteht zu bluten, werden operativ entfernt. Auch das bösartige Nierenzellkarzinom ist für die Betroffenen oft lange Zeit symptomfrei. Dies hat leider zur Folge, dass der Tumor oft erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt wird. Klassische Symptome sind Mikro- oder Makrohämaturie, die zunächst völlig schmerzlos verlaufen und Schmerzen im Nierenlager oder in der Flanke.

Nierenpapillennekrose

In den Nieren wird das Nierenmark von Gängen gebildet. Hier findet das Filtern des Harns statt. Die Gänge laufen in sogenannten Papillen zusammen, die dann wiederum im Nierenbecken enden. Durch Entzündungen können die Papillen absterben, beziehungsweise nekrotisieren. Diabetes mellitus oder auch Schmerzmittelmissbrauch können zu den entzündlichen Vorgängen führen. Bei dieser Erkrankung leiden die Betroffenen unter Schmerzen in den Flanken, Fieber und Blut im Urin.

Ursachen in der Harnblase und den Harnwegen

Eine durchaus verbreitete Ursachen ist die Blasenentzündung (Zystitis) beziehungsweise der sogenannte Harnwegsinfekt. Aus dem Darm können Erreger über die Harnröhre die Harnblase erreichen. Frauen sind davon wesentlich häufiger betroffen, da Darm und Harnröhrenöffnung nicht weit voneinander entfernt sind und die weibliche Harnröhre noch dazu recht kurz ist. Unterstützt wird das Entstehen einer Blasenentzündung, in der Fachsprache Zystitis genannt, durch Abflussstörungen, bei Frauen durch häufigen Geschlechtsverkehr und auch durch Katheterisierung (Legen eines Katheter). Weitere Auslöser sind Nässe, Kälte, Menstruation und die hormonelle Veränderung in den Wechseljahren. Symptome bei einem Harnwegsinfekt sind häufiger Harndrang (Pollakisurie), Beschwerden beim Wasserlassen (Dysurie), und ständiger schmerzhafter Harndrang (Tenesmen). Auch Blut im Urin kann hinzukommen. Sind Fieber und ein schlechtes Allgemeinbefinden zu beobachten, sind meist schon die oberen Harnwege mitbetroffen.

Blasensteine und Harnleitersteine können ebenfalls zu Rückständen von Blut im Urin führen. Die Steine entstehen dadurch, dass Mineralsalze, die normalerweise gelöst im Harn vorkommen, ausgefällt werden und kristallisieren. Ursachen dafür sind Abflusshindernisse, wie zum Beispiel eine vergrößerte Prostata oder eine zu enge Harnröhre. Entzündungen begünstigen das Entstehen von Blasen- oder Harnsteinen zusätzlich. Auch Restharnbildung und Ausstülpungen in der Blasenwand und das Vorliegen von Diabetes mellitus und Gicht können zur Bildung von Harn- und Blasensteinen führen. Bei den Betroffenen zeigen sich Hämaturie, häufiger Harndrang und sogenanntes Harnstottern (das Wasserlassen erfolgt mit Unterbrechungen).

Blasen-Bilharziose

Die Blasen-Bilharziose ist eine Erkrankung, ausgelöst durch Saugwürmer. Deren Larven lassen sich in der Blasenwand nieder. Dabei entstehen Schmerzen beim Wasserlassen, Blut ist im Urin und eine Wucherung der Blasenschleimhaut ist möglich, woraus sich eine sogenannte Präkanzerose entwickeln kann.

Harnblasentumoren

Egal ob gut – oder bösartig, bei beiden Harnblasentumoren ist eine schmerzlose Hämaturie das Leitsymptom. Das Harnblasenpapillom ist ein gutartiger Tumor, mit dem ein geringes Entartungsrisiko verbunden ist. Das Harnblasenkarzinom hingegen ist eines der häufigsten Karzinome des Harntrakts. Männer sind davon eher betroffen als Frauen.

Bei den Blasenpapillomen (gutartige Tumore Blasenschleimhaut) leiden die Betroffenen neben der Hämaturie eventuell unter rezidivierenden Blasenentzündungen. Blut im Urin und Symptome, ähnlich denen bei einer Zystitis, begleiten das Blasenkarzinom. Später kommen Flankenschmerzen und eine Lymphstau der unteren Extremitäten hinzu (siehe Dicke Beine).

Weitere Ursachen

Neben den dargestellten Nieren- und Harnwegerkrankungen kommen verschiedene weitere Faktoren als Auslöser der Blutrückstände im Urin in Betracht.

Endometriose

Bei der Endometriose wuchert die Gebärmutterschleimhaut an Stellen im Körper, wo sie eigentlich nicht sein soll, so zum Beispiel in der Blase. Die Beschwerden sind meist Zyklus abhängig und äußern sich in Schmerzen beim Wasserlassen und Blut im Urin.

Sichelzellanämie

Die Sichelzellanämie führt durch die Zerstörung der Erythrozyten zu einer hämolytischen Anämie. Durch den Verschluss kleiner Arterien leiden die Betroffenen unter Durchblutungsstörungen mit starken Schmerzen in multiplen Organgebieten. Ebenso ist eine Makrohämaturie möglich.

Prostatitis, nach einer Prostatabiopsie

Bei einer Prostatitis, einer Entzündung der Prostata, treten häufiger Harndrang, Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen in der Blasenregion und dem Dammbereich, ein abgeschwächter Harnstrahl, Fieber, Schüttelfrost, Blut in Sperma und/oder Urin auf. Auch nach einer Prostatabiopsie, bei der Gewebe aus der Prostata entnommen wird, ist häufig eine Hämaturie zu finden. Blutgerinnungsstörungen, Autoimmunkrankheiten und Gefäßerkrankungen können ebenfalls ursächlich sein.

Bestrahlungen der Blasenregion, Zytostatika, blutverdünnende Medikamente und Schmerzmittel sind ebenso als mögliche Ursachen der Hämaturie zu nennen.

Prostataerkrankungen können für Blut im Urin verantwortlich sein.
Prostataerkrankungen können für Blut im Urin verantwortlich sein. (BIld: Henrie/fotolia.com)

Gang zum Arzt unumgänglich

Blutbeimengungen müssen unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden. Eventuell wird ein Facharzt für Urologie hinzugezogen. Nach einer ausführlichen Anamnese, in der die Patienten berichten, wie stark der Urin gefärbt ist und welche zusätzlichen Symptome vorhanden sind, werden weitere Untersuchungen folgen. Das sind als Erstes ein Urin- und eventuell ein Bluttest. Weitere Diagnosemöglichkeiten sind Röntgen, Blasenspiegelung, CT und MRT.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der vorliegenden Erkrankung. So wird zum Beispiel bei einer Blasenentzündung häufig ein Antibiotikum eingesetzt. Den Patienten wird empfohlen, genügend zu trinken, damit eventuelle Erreger ausgeschwemmt werden können. Spezielle Blasen-Nierenteemischungen sind hier angezeigt.

Prävention

Erkrankungen der Niere können die Ursache sein. Diabetiker neigen dazu, Nierenerkrankungen zu entwickeln. Eine gesunde Lebensweise ist hier präventiv wichtig. Dazu gehören körperliche Bewegung, Entspannungsübungen und eine gesunde Ernährung. Rauchen und Alkohol sind absolut kontraproduktiv, beides sollte unterlassen und möglicherweise bestehendes Übergewicht abgebaut werden.

Generell ist die Flüssigkeitszufuhr wichtig, damit sich eventuelle Keime erst gar nicht niederlassen, sondern gleich nach außen befördert werden. Kälte im Unterleib und kalte Füße sollten vermieden werden. Beides kann Entzündungen im Urogenitaltrakt begünstigen. Liegt eine Herzerkrankung vor, ist die Trinkmenge mit dem Arzt abzusprechen.

Naturheilkunde bei Blut im Urin

Ein Patient mit Blut im Urin, gehört, wie bereits erwähnt, unbedingt in eine Arztpraxis. Jedoch kann bei unkritischen, harmlosen Entzündungen im Harntrakt begleitend zur schulmedizinischen Behandlung, die Naturheilkunde die Genesung fördern. Gerade, wenn die Betroffenen zu wiederkehrenden Infekten neigen, kann mit Hilfe der naturheilkundlicher Therapien die Abwehr gestärkt werden. Dazu dienen die Eigenbluttherapie, spezielle Ausleitverfahren, die klassische Homöopathie und Ansätze der Phytotherapie, die das Immunsystem stärken. Um Blase und Niere zu stärken kommen in der Naturheilpraxis auch Therapien, wie Akupunktur und die Fußreflexzonenmassage zum Einsatz. Geeignet Kräuter, richtig verabreicht, runden die ganzheitliche Behandlung ab. (sw)