Pollenallergie: Drohende Atemnot bei Gewitter

Fabian Peters

Allergiker sollten nach Gewitterregen rund 30 Minuten im Haus bleiben

19.07.2013

Gewitter und starke Regenfälle können bei Menschen mit Pollenallergie eine äußerst unerfreuliche Wirkung entfalten. „Im Zusammenhang mit heftigen Sommergewittern lassen sich oft erhöhte Pollenkonzentrationen feststellen und damit auch eine Häufung von Asthmaanfällen und allergischen Reaktionen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen“, warnt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in einer aktuellen Pressemitteilung (DGP).

Während des Sommers leiden viele Allergiker verstärkt unter Heuschnupfen, wobei Regen laut Angaben der DGP eigentlich als erleichternder Segen gilt, „da er die Atmosphäre reinigt, so dass die Luft nach einem Regenschauer meist weniger Pollen und Partikel als zuvor enthält.“ Doch gelte dies nicht unmittelbar nach einem Gewitter beziehungsweise starkem Regenguss. Hier sollten Heuschnupfen-Patienten besser vorerst zwanzig Minuten bis eine halbe Stunde im Haus bleiben, erläutern die Experten der DGP. Insbesondere bei Menschen mit Asthma, aber auch bei den Pollenallergikern allgemein, erhöhe sich ansonsten das Risiko akuter Atemprobleme.

Osmotischer Schock der Pollenkörner führt zu Atemnotanfällen bei Gewitter
Professor Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der DGP erläuterte unter Berufung auf die Forschungsarbeiten von Prof. Dr. Gennaro D’Amato vom Universitätsklinikum Neapel, welcher Effekt die deutliche Erhöhung der Pollenkonzentration in den ersten 20 bis 30 Minuten nach einem starken Regenguss bedingt. Köhler zufolge führen heftige Regenfälle während der Pollensaison zu einem sogenannten osmotischen Schock in den Pollenkörnern. „Sie quellen auf, werden durch den Regen aus größerer Höhe in Bodennähe befördert, platzen dort und entlassen so eine hohe Konzentration an Allergenen, die vom Wind umhergewirbelt und von Menschen auf der Straße eingeatmet werden“, berichtet der Experte. Außerdem seien „die Allergene aus den aufgebrochenen Pollenkörnern viel kleiner als der Pollen an sich – und damit auch lungengängiger.“

Pollenallergiker sollten sich des Risikos bei Gewitter bewusst sein
Für Allergiker hat der Gewitterregen daher mitunter eine akute Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes zur Folge. Nicht nur bei Asthmatikern, sondern „auch bei Pollenallergikern, die lediglich unter einer allergischen Rhinitis (Schnupfen) leiden, können große Allergenkonzentrationen die Symptome verschlimmern und unter Umständen Atemnotanfälle auslösen“, berichtet die DGP. Gefährdete Personen sollten sich der möglichen Risiken bei einem Unwetter bewusst sein und „bei herannahenden Gewittern lieber im Haus bleiben und die Fenster schließen“, warnen die Experten. Werden sie von einem Gewitter überrascht, sollten Allergiker ihre Atemwege schützen, indem sie über ein Tuch durch die Nase einatmen und über den Mund ohne Tuch ausatmen, erläutert Professor Köhler. So gewappnet sei schnellstmöglich ein Unterschlupf, wie ein Gebäude oder Auto aufzusuchen, „um – geschützt vor dem Allergen freisetzenden Regen – das Gewitter mindestens eine halbe Stunde abzuwarten“, empfiehlt der Experte. (fp)

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