Schizophrenie: Häufig Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Heilpraxisnet

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Schizophrenie sind häufig

10.11.2014

Menschen, die an Schizophrenie leiden, weisen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Sterberisiko auf. Die häufigsten Ursachen dafür sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bösartige Tumoren. Nur wenige Patienten werden dagegen behandelt. Dies zeigt das Ergebnis einer neuen Studie.

Schizophrenie-Patienten weisen höhere Sterberate auf
Wie die „Ärzte Zeitung“ mit Bezug auf eine neue Studie berichtet, weisen Patienten mit Erkrankungen aus dem Formenkreis der Schizophrenie eine zwei- bis dreifach höhere Sterberate auf als Personen ohne eine solche Diagnose. Dies wird größtenteils durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bösartige Tumoren, die mit Adipositas zusammenhängen, verursacht. Die Gründe dafür sind nicht nur in der Erkrankung selbst, sondern auch in Faktoren wie Armut, ungesundem Lebensstil und mangelhafter medizinischer Betreuung zu suchen. Diese stehen mit der Schizophrenie oft in Verbindung. Zudem kann sich die medikamentöse Therapie von Schizophrenie-Patienten negativ auf metabolische Parameter auswirken. So wurde bereits in der Vergangenheit bei einigen Arzneien die Entstehung des sogenannten metabolischen Syndroms beobachtet, das unter anderem durch Übergewicht und hohe Blutfettwerte gekennzeichnet ist. Zudem kann es zu Folgeerkrankungen wie Diabetes, Schlaganfall oder Herzinfarkt führen.

Junge Patienten untersucht
US-amerikanische Forscher um Christoph Correll aus Glen Oaks haben nun mit einer Gruppe von rund 400 jungen Patienten (15-40 Jahre), die eine erste Schizophrenie-Episode durchmachten, untersucht, wie es um deren kardiometabolische Gesundheit bestellt ist. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht. Von den Patienten, die von 34 kommunalen, quer über die USA verteilten psychiatrischen Einrichtungen betreut wurden, waren 48 Prozent übergewichtig, 51 Prozent waren Raucher, 40 Prozent hatten eine Prähypertonie, zehn Prozent einen manifesten Bluthochdruck und 13,2 Prozent ein metabolisches Syndrom. Vier Prozent von ihnen waren Prädiabetiker und drei Prozent Diabetiker. Dabei zeigte sich eine Wechselwirkung zwischen der Dauer der psychiatrischen Erkrankung und dem höheren Body-Mass-Index (BMI), der größeren Fettmasse, dem höheren Fettanteil und dem größeren Taillenumfang.

Medikamentöse Behandlung mit signifikanter Auswirkung
Die Zeitung schreibt, dass "die Dauer der Behandlung mit Antipsychotika signifikant mit höheren Spiegeln an Non-HDL-Cholesterin, Triglyzeriden, einem erhöhten Triglyzerid/HDL-Cholesterin-Quotienten, niedrigeren HDL-Spiegeln und niedrigerem systolischem Blutdruck assoziiert war". Insbesondere "Olanzapin war demnach mit hohen Triglyzerid- und Insulinspiegeln und vermehrter Insulinresistenz verbunden, Quetiapin hingegen mit einem erhöhten Verhältnis von Triglyzeriden zu HDL – einem Marker für Insulinresistenz". Wie das Blatt weiter schreibt, "ist zu den Effekten der Medikation zu bemerken, dass die Patienten im Mittel noch nicht einmal sieben Wochen lang medikamentös behandelt worden waren."

Daten im Vergleich zu US-Durchschnittswerten
Allerdings sind die Daten vor dem Hintergrund der US-Durchschnittswerte zu sehen. So wichen etwa Übergewicht und Adipositas der Schizophrenie-Patienten nicht vom Landesüblichen ab. Allerdings lag der Raucheranteil deutlich höher: Bei den Männern um 20 Prozentpunkte und bei den Frauen um zwölf Prozentpunkte. Fettstoffwechselstörungen waren bei den Patienten so häufig wie bei 15 bis 20 Jahre älteren Vergleichspersonen. Doch das metabolische Syndrom kam um 89 Prozent häufiger vor. Ähnliches gilt für die Häufigkeit von leicht erhöhtem Blutdruck.

Nur wenige der Patienten werden behandelt
Nur rund vier Prozent der Patienten bekamen eine blutdrucksenkende Therapie. Zudem wurden lediglich 0,5 Prozent der Studienteilnehmer mit Lipidsenkern behandelt, obwohl fast 57 Prozent der Probanden mindestens einen abnormen Lipdwert aufwiesen. Von den drei Prozent Diabetikern erhielten nur 0,8 Prozent Antidiabetika. Correll und seine Kollegen schreiben dazu: „Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, die kardiometabolische Gefahrenlage für alle Patienten vor und während der antipsychotischen Therapie abzuschätzen.“ Dabei seien Medikamente mit niedrigem Risiko zu wählen und Nebenwirkungen entsprechend zu behandeln. (ad)

Bild: Andrea Damm / pixelio.de