Studie: Wandern ist gesünder als angenommen

Fabian Peters

Positive Gesundheitseffekre des Wanderns durch eine Studie wissenschaftlich belegt

30.04.2012

Schon lange gilt Wandern als gesunde Bewegungsart, die auch von Menschen ausgeübt werden kann, deren Konstitution belastendere sportliche Aktivitäten nicht erlaubt. Das vom Deutschen Wanderverband (DWV) zertifizierte Konzept des Gesundheitswanderns, wurde nun durch Professor Kuno Hottenrott von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und sein Team wissenschaftlich überprüft. Gesundheitswandern hat demnach einen positiven Einfluss auf den gesamten Organismus, es verringert das Körpergewicht, den Body Mass Index (BMI), den Blutdruck und das Körperfett signifikant, berichtet der Deutsche Wanderverband von den Ergebnissen der Studie. Zudem werde die „Ausdauerleistungsfähigkeit und Koordinationsfähigkeit verbessert“, so der Verband in seiner aktuellen Pressemitteilung weiter.

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Konzept des Gesundheitswandern wissenschaftlich untersucht
Die Forscher um Professor Kuno Hottenrott vom Institut für Leistungsdiagnostik und Gesundheitsförderung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stellten im Rahmen ihrer Studie das Konzept des Gesundheitswanderns auf de Probe, indem sie eine Gruppe von 18 Berufstätige über einen Zeitraum von sieben Wochen zweimal wöchentlich zum Wandern losschickten. Zu Beginn des Untersuchungszeitraums und nach Abschluss der Versuchsphase fand eine eingehende gesundheitliche Untersuchung der Probanden statt. Verglichen wurde die Entwicklung der Gesundheit mit den Daten einer 16-köpfigen Kontrollgruppe, die nicht gewandert war. Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmer lag bei 53,6 Jahren.

Mehr als einfach nur Wandern
Das Konzept des Gesundheitswanderns haben der Deutschen Wanderverband und Experten des Fachbereichs Physiotherapie an der Fachhochschule Osnabrück vor rund zwei Jahren gemeinsam entwickelt. Beim Gesundheitswandern werden die Wandernden von einem zertifizierten Gesundheitswanderführer begleitet, der ihnen während der Wanderung nicht nur allgemeine Gesundheitstipps offenbart, sondern mit den Teilnehmern auch verschiedene physiotherapeutische Übungen absolviert. Zweimal werden die rund 90-minütigen Wanderungen für entsprechende Bewegungsübungen unterbrochen, wobei die Teilnehmer zum Beispiel auf einem Bein stehen oder ihre Schultermuskulatur lockern. Auch die Progressive Muskelrelaxation spielt im Rahmen des Gesundheitswanderns eine Rolle, ebenso wie die kurzfristige Erhöhungen der Gehgeschwindigkeit. Während der Wanderung legten die Teilnehmer in der aktuellen Studie abhängig vom Gelände Entfernung zwischen 3,7 und 5,6 Kilometern zurück.

Gesundheitswandern bewirkt zahlreiche positive Effekte
Bei der Untersuchung der gesundheitsbezogenen Parametern, der körperlichen Leistungsfähigkeit und des allgemeinen Wohlbefindens nach sieben Wochen Gesundheitswandern stellten die Forscher fest, dass bei der aktiven Gruppe in sämtlichen Bereichen eine deutliche Verbesserung zu beobachten war. „Ausdauerfähigkeit, Koordination, Blutdruck und köperbezogene Daten wurden positiv durch das Wandern beeinflusst“, berichtet der DWV in seiner aktuellen Pressemitteilung über die Ergebnisse der Studie zum Gesundheitswandern. Demnach ist der BMI (Relation zwischen Körpergewicht und Körpergröße) bei den Gesundheitswanderern deutlich gesunken und „das Körpergewicht nahm signifikant ab.“ Im Schnitt habe das Gesundheitswandern in dem Versuchszeitraum von sieben Wochen bei den Probanden einen Gewichtsrückgang von 1,3 Kilogramm bewirkt (von 91,8 Kilogramm Durchschnittsgewicht auf 90,5 Kilogramm). Besonders auffällig war laut Aussage der Forscher auch die Verringerung des Blutdrucks in der Wandergruppe, die laut Aussage von Professor Hottenrott so deutlich nicht zu erwarten war. „Der systolische Wert fiel durchschnittlich von 151 auf 142, der diastolische Wert von von 92 auf 84. Diese Veränderung hat positive Wirkungen auf die Gesundheit“, erläuterte der Experte.

Anerkennung des Gesundheitswanderns durch die Krankenkassen
Professor Hottenrott zeigte sich angesichts der aktuellen Studienergebnisse von der positiven Wirkung des Gesundheitswanderns überzeugt und betonte, dass „die Wanderungen eine wirklich erfolgreiche Intervention“ seien. Auch belege die Studie, dass Gesundheitswanderkurse dem Kernziel des Präventionsprinzips „Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivität“ des Paragraph 20 SGB V entspricht und daher Berücksichtigung bei allen Krankenkassen finden sollte, ergänzte die Geschäftsführerin des Deutschen Wanderverbandes, Ute Dicks Einige gesetzliche Krankenkassen hatten ihren Versicherten schon in der Vergangenheit einen Bonus gewährt, wenn diese das Deutsche Wanderabzeichen absolvierten. Nun hofft die Geschäftsführerin des Deutschen Wanderverbandes in Gesprächen mit dem Spitzenverband Bund der Gesetzlichen Krankenversicherung eine grundsätzliche der Anerkennung des zertifizierten Gesundheitswanderns als Primärpräventionsleistung gemäß § 20 SGB V zu erreichen. (fp)