Südafrika: Viele Patienten ohne Heilung entlassen

Alfred Domke

Tuberkulose: In Südafrika werden viele Kranke entlassen

19.01.2014

In Südafrika werden Patienten mit einer gegen Antibiotika resistenten Tuberkulose regelmäßig schwer krank aus den Kliniken entlassen, da nicht genügend Betten zur Verfügung stehen. Für die Menschen in ihrem Umfeld stelle dies eine große Gefahr dar.

Tödliche Gefahr für Umfeld der Kranken
Obwohl sie nicht geheilt sind, werden in Südafrika regelmäßig Patienten mit einer gegen Antibiotika höchst resistenten Tuberkulose aus der Klinik entlassen. Für die Menschen im Umfeld der Kranken stelle dies eine tödliche Gefahr dar, wie es in einer im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichten Studie heißt. Studienleiter Keertan Dheda von der Universität Kapstadt erklärte: „Es kommt landesweit systematisch zu erfolglosen Behandlungen und einer Entlassung der Patienten“ aus dem Krankenhaus. Über mehrere Jahre verfolgten der Professor für Lungenheilkunde und sein Team das Schicksal von 107 Patienten aus drei südafrikanischen Provinzen, die wegen einer sogenannten XDR-Tuberkulose behandelt wurden.

Drei viertel der Patienten nach vier Jahren verstorben
XDR steht für Extensively Drug-Resistant und bedeutet, dass die Erreger gegen alle Erstlinien-Tuberkulostatika und gegen mindestens zwei Zweitlinien-Tuberkulostatika resistent sind. Von den beobachteten Patienten waren zudem 44 mit HIV infiziert. Vier Jahre nach Beginn der Untersuchung waren bereits 79 Patienten verstorben, das entspricht 74 Prozent. 45 Patienten waren während des Untersuchungszeitraums aus der Klinik entlassen worden. Bei rund 50 Prozent von ihnen hatte die Behandlung nicht angeschlagen, somit verließen sie die Klinik also schwer krank. Im Schnitt starben sie 20 Monate nach ihrer Entlassung und während dieser Zeit stellten sie für ihr Umfeld eine enorme Gefährdung dar.

Dringend mehr Unterkünfte benötigt
Anhand einer DNA-Analyse eines Tuberkulose-Erregers konnten die Forscher nachweisen, dass einer der Patienten seinen Bruder ansteckte, der dann später an der Lungenkrankheit starb. „Viele Patienten, bei denen die Behandlung nicht anschlug, werden einfach entlassen, weil es in Tuberkulose-Krankenhäusern nur wenige Betten gibt und es an alternativen Langzeit-Unterkünften oder Sterbehäusern fehlt“, so Dheda. Um das Problem anzugehen, müssten dringend mehr Unterkünfte geschaffen sowie die Behandlungsmöglichkeiten zu Hause verbessert werden.

Höchste Infektionsraten im südlichen Afrika
Die südafrikanische Studie macht auf die Gefahren, die von multiresistenten Krankheitserregern ausgehen, aufmerksam. Unter anderem könnten diese wegen der falschen Verwendung von Antibiotika entstehen. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist Tuberkulose zwar weltweit auf dem Rückzug, doch sie führt noch immer die weltweite Statistik der tödlichen Infektionskrankheiten an. Ihren Angaben nach starben im Jahr 2012 über 1,4 Millionen Menschen daran. Im vergangenen Jahr warnte die WHO, dass es bei der Kontrolle von resistenten Tuberkulose-Erregern zu wenig Fortschritte gebe. Die höchsten Infektionsraten weltweit weisen die beiden Länder Südafrika und Swasiland auf. Die Verbreitung werde dort insbesondere durch unzureichende Hygienische Bedingungen und sehr dich bevölkerte Gebiete begünstigt. Südafrika sei zudem auch von den resistenten Erregern besonders betroffen.

Geringes Problem in Deutschland
Bis heute ist Tuberkulose vor allem in Asien, Afrika und den osteuropäischen Staaten relativ weit verbreitet. In Deutschland sei das Problem zwar relativ gering, aber laut dem Robert-Koch-Institut steigen auch bei Kindern hierzulande die Infektionszahlen. Meist trete die auch als Schwindsucht oder „die Motten“ bekannte Krankheit als Infektion der Lunge auf, wobei anhaltender Husten, chronische Müdigkeit, Gewichtsverlust, Fieber mit nächtlichen Schweißattacken und ein Stechen in der Brust Anzeichen einer Tuberkulose-Erkrankung sein können. Wer derartige Symptome bei sich feststellt, sollte dringend einen Arzt aufsuchen, da eine unbehandelte Tuberkulose in rund 50 Prozent der Fälle den Tod der Betroffenen zur Folge hat. (ad)

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