Wutanfälle erhöhen die Herzinfarkt-Gefahr

Sebastian

Wutanfall erhöht Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

05.03.2014

Einer US-amerikanischen Studie zufolge erhöht ein Wutanfall das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, enorm. So steige die Infarkt-Gefahr in den zwei Stunden nach einem Zornesausbruch um das Fünffache. Bislang ist jedoch noch nicht geklärt, warum es zu der Steigerung kommt.

Herzinfarkt-Risiko steigt um das Fünffache
Menschen, die oft Zornesausbrüche haben, erhöhen ihr Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall enorm. Dies habe eine Studie mehrerer US-amerikanischer Wissenschaftler ergeben, die am Dienstag in der Fachzeitschrift „European Heart Journal“ veröffentlicht wurde. Demnach errechneten die Wissenschaftler, dass das Risiko für einen Herzinfarkt in den zwei Stunden nach einen Wutanfall um das Fünffache steigt, gemessen an den Zeiten, während dieselbe Person ausgeglichen und ruhig ist. Das Risiko, einen Hirnschlag zu erleiden, erhöhe sich um das Dreifache. Zudem könnten die Wutausbrüche zu Herzrhythmusstörungen führen.

Gefahr bei einem einzigen Wutausbruch relativ niedrig
Für die Studie werteten die Autoren neun frühere Untersuchungen aus die Patienten mit Hang zu Zornesausbrüchen betrafen. Es waren 5.000 Fälle von Herzproblemen und mindestens 800 Hirnschlägen in diesen Untersuchungen dokumentiert. Durch die Auswertung der Statistiken wurde nun der schon lange bestehende Verdacht untermauert, dass starke Emotionen zu einem Infarkt oder Hirnschlag führen können. Die biologischen Ursachen dafür bleiben jedoch weiter unklar. Der Studie zufolge wächst das Risiko, wenn die Betroffenen bereits Herz-Kreislauf-Probleme haben oder wenn sie besonders oft wütend sind. Wie Elizabeth Mostofsky von der angesehenen Harvard School of Public Health im US-Bundesstaat Massachusetts erläuterte, bleibe die Gefahr eines akuten Herz-Kreislauf-Problems bei einem einzigen Zornesausbruch relativ niedrig. „Doch bei Menschen, die häufig zornig sind, kann das Risiko steigen“, so die Wissenschaftlerin.

Unklar ist warum Wutausbrüche die Gefahr erhöhen
Vor allem gelte das laut der Studie für Menschen mit weiteren Risikofaktoren und solche, die bereits einen Infarkt oder Schlaganfall hatten sowie für die, die an Diabetes leiden. Laut der Statistik erleiden von 10.000 Personen, die fünf Wutanfälle pro Tag haben, 158 einen Infarkt. Die Autoren errechneten, dass von 10.000 Menschen mit bestimmten Risikofaktoren für das Herz-Kreislaufsystem, die zudem noch täglich fünf Mal wütend sind, 657 einen Herzinfarkt bekommen. Der Studie zufolge ist jedoch noch immer nicht geklärt, warum Wutausbrüche die Gefahr eines Infarkts oder Schlaganfalls verstärken. Die Forscher verweisen darauf, dass schon frühere Untersuchungen zeigten, dass psychologischer Stress den Herzschlag beschleunigt und den Blutdruck erhöht. Dies könnte zu Blutgerinnseln oder Entzündungen führen. Daher empfahlen mehrere US-Spezialisten einen globalen Ansatz, um „chronisch mentalen Stress“ zu reduzieren.

Emotional positiven Lebenswandel herbeiführen
Auch italienische Wissenschaftler hatten vor Jahren belegt, dass Wut einen negativen Einfluss auf die Gesundheit hat. So zeigte eine zehnjährige Langzeitstudie von Forschern des Instituts für klinische Physiologie in Pisa, dass sich bei Herzinfarktpatienten negative Gefühle wie Aggressionen, Depressionen, Feindseligkeit und Wut negativ auf das Herz auswirken. Herzpatienten sollten sich demnach keinesfalls allein auf Medikamente verlassen, sondern einen emotional positiven Lebenswandel herbeiführen. Der Studie zufolge hätten die Herzpatienten, die sich auch nach dem Infarkt noch oft ärgerten und gestresst waren, eine deutlich schlechtere Prognose als jene mit einem ausgeglichenen und glücklichen Leben. Wie die Forscher zudem betonten, könnten Positivgefühle die Heilungschancen sogar verbessern. Laut Studie zählen dazu Mitgefühl, Phantasie, Geborgenheit sowie spirituelle Interessen. Manchen Menschen, die zu oft einen Wutanfall haben, können verschiedene Entspannungsverfahren helfen, etwa progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training. (sb)

Bild: Uwe Wagschal / pixelio.de