Medizin der Maya

Chili als Heilmittel. Bild: photocrew - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Die Hochkultur der Maya erstreckte sich von Mexiko bis Honduras, sie umfasste Teile von Guatemala, Belize und El Salvador. In ihren Stadtstaaten lebten mehrere Millionen Menschen. Heute gelten ungefähr 7 Millionen Menschen als Nachfahren dieser indigenen Zivilisation.

Die Vorfahren der Maya siedelten gegen 2600 v. Chr. in Yucátan, und ihre Kultur erreichte gegen 250 n. Chr ihre Blüte. Gegen 900 n. Chr ging die Hochkultur danieder, im Norden floss die Mayazivilisation in die der Tolteken ein, im Süden verließen die Überlebenden die Städte und kehrten zu einer einfacheren Lebensweise zurück.

Die Medizin der Mayas. Bild: M.V. Photography - fotolia
Die Medizin der Mayas. Bild: M.V. Photography – fotolia

Der Geografie-Professor Jared Diamond fasste die Gründe für den Niedergang zusammen: Erstens bauten zu viele Bauern in einem zu großen Teil der Landschaft zu viele Nutzpflanzen an; zweitens zerstörten die Menschen den Wald, die Berghänge erodierten und die Ackerbaufläche schrumpfte; drittens kämpften die zerstrittenen Mayas um die schrumpfenden Ressourcen; viertens führte ein Klimawandel zu lang anhaltenden Dürren und fünftens gingen die Herrscher diese Probleme nicht an, sondern forderten Lebensmittel von den Bauern ein, ließen sich Denkmäler errichten und bereicherten sich kurzfristig.

Als die Spanier im 16. Jahrhundert Mittelamerika eroberten, waren die großen Mayastädte vom Regenwald überwuchert. Sie vertrieben die Indigenen und töteten alle, die Widerstand leisteten. Europäische Krankheiten forderten enorme Opfer unter den Einheimischen, die keine Immunabwehr dagegen entwickelt hatten und außerdem durch Hunger und Ausbeutung geschwächt waren.

Die Spanier zerstörten zudem die Chroniken, in denen die Indigenen ihre Geschichte, Religion, Kultur und Wissen niederschrieben. Nur vier Codices blieben vom Feuer verschont, in dem Diego de Landa die Bücher verbrennen ließ.

Überliefertes Wissen der Mayas

Viele Überlieferungen der Mayas gingen verloren, doch in den erhaltenen Codices ist Heilwissen der Ureinwohner überliefert. So nutzten sie die Rinde des Gumbo-Lombo gegen Sonnenbrand, eine Begonienart gegen Schlangengift.

Heute kennt die Wissenschaft zumindest 900 Pflanzen, die die Maya als Heilkräuter nutzten, zum Beispiel Aloe und Agave, Papaya und Passionsblume. Ein Allround-Heilmittel war Turnera diffusa, eine Safranmalve, die nach Zitrone riecht.

Die Damiana-Pflanze setzten sie gegen Müdigkeit und Erschöpfung ein, aber ebenso gegen Schlaflosigkeit. Damiana nutzten die Indigenen Mexikos gegen Asthma. Es wirkt harntreibend und löst Krämpfe. Es fördert zudem die Durchblutung im Unterleib und diente als Potenzmittel; die Maya brauten einen Tee mit den Blättern.

Das Medizinsystem

In Mexiko erhielt sich bis heute eine traditionelle Heilkunde, die ihre Wurzeln in der Zeit vor der spanischen Eroberung hat. Da die schriftlichen Quellen der Maya-Hochkultur aber zum Großteil verloren sind, bleibt unklar, ob die Vorfahren der heutigen Indigenen die gleichen Vorstellungen hatten.

Die spanischen Eroberer zerstörten zwar die Quellen, schrieben aber selbst den Einheimischen bekannte Krankheiten samt Symptomatik, Behandlungen, Heilpflanzen und magischen Ritualen auf, zum Beispiel im Ritual de los Bacabes und im Libros de los Chilam Balam.

Demnach kannten die Ureinwohner keinen Unterschied zwischen organischen und psychischen Krankheiten, sie trennten aber zwischen der vermuteten natürlichen oder metaphysischen Ursache von Erkrankungen. Falls praktische Methoden, Beschwerden zu heilen, scheiterten, nahmen die Indigenen schnell eine übernatürliche Ursache an.

Generell hatten Krankheiten ihren Ursprung in einer gestörten Harmonie. Körper, Seele, Gesellschaft und kosmische Energie bezogen sich aufeinander. Wer die Regeln dieser Ganzheit brach, der oder die wurde krank. Die Heiler setzten sowohl auf religiöse Rituale wie auf Heilpflanzen, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.

„Schlechte Winde“ sollten Krankheiten verursachen, indem sie in den Körper der Menschen eindrangen. „Winde“ bezeichneten dabei sowohl die Luft als auch Geister. Diesen „schlechten Winden“ ausgesetzt, waren Menschen, die den Bereich des Dorfes / der Stadt verließen, die von der Arbeit erschöpft oder sexuell erregt waren.

Was die Psychologie heute als Trauma bezeichnet, förderte ebenfalls Krankheiten. Insbesondere Kinder, die Schreckliches erlebt hatten, litten an Alpträumen, Schweißausbrüchen, Durchfall und Lethargie. Auch Kummer konnte diese Symptome auslösen.

Der „böse Blick“ führte zu Missgunst. Die konnte zum Tod des Beneideten führen, wenn der Missgünstige einen Zauberer aufsuchte, der das Opfer schikanierte. Über all dem stand eine Vorstellung des Kosmos, die die Welt in vier Himmelsrichtungen einteilte, und denen die Farben weiß, gelb, schwarz und rot zuordnete.

Ähnlich wie die chinesische Medizin unterschieden auch die Maya zwischen heiß und kalt und hielten einen Ausgleich zwischen den Extremen für den Weg zur Gesundheit. Wer überhitzt war und in eiskaltes Wasser sprang, der konnte leicht erkranken, zum Beispiel an Kopfschmerzen. Wie in China bedeutete „heiß“ oder „kalt“ bei Lebensmitteln nicht notwendig die messbare Temperatur, sondern die vermutete Wirkung der Kräuter.

Ärzte und Schamanen

Die Chroniken der frühen Kolonialzeit nennen verschiedene Heilberufe. Darunter fiel der „Heiler, geschickt in Fällen jedweder Kunst und Beschäftigung“, der ah men. Dieser ensprach einem Schamanen.

Dann gab es den ah ts’ak, einen allgemeinen Arzt und Chirugen und den ah pul, einen Hexer, der Krankheiten mittels Zauber auslöste. Auch diese Hexer konzentrierten sich auf bestimmte Leiden. Der ah pul unenel zum Beispiel schädigte seine Opfer mit Müdigkeit. Der ah tok war ein Bader und Aderlasser, der ah ohel tu kinam xiuoob ein Kräutersammler.

Schamanische Heilkunst. Bild: fotogerstl - fotolia
Schamanische Heilkunst. Bild: fotogerstl – fotolia

Diese Medizinspezialisten der Maya waren ambivalent: Sie konnten Krankheiten behandeln und auslösen, heilen und töten.

Traditionell denkende Nachfahren der Maya glauben heute noch, dass Heiler / Hexer böse Winde aussenden können. Heiler arbeiten ungern im Revier eines anderen Heilers, denn sie fürchten, dass dieser sie verhext.Noch heute besteht eine Hauptaufgabe der Heiler / Hexer darin, Schadenszauber anderer Spezialisten mit Zauberritualen aufzuheben.

Heutige Nachfahren der Mayas kennen ebenfalls viele verschiedene Heilkundige. Die Parteras sind Frauen, die als Hebammen arbeiten, die Hueseros behandeln Knochenbrüche, Verstauchungen, Zerrungen und Verrenkungen. Die Curanderos therapieren Betroffene, bei denen die Hausmittel versagen. Die Zahorines sind Traumdeuter und Wahrsager, die Schamanen nutzen sowohl Heilpflanzen als auch geistige Reisen.

Schamanen rufen katholische Heilige ebenso an wie Maya-Götter. Sie suchen heilige Orte wie Höhlen auf und zitieren den dreifaltigen Gott, die Jungfrau Maria, die Winde und Wassergeister.

Heutige Behandlung von Krankheiten

Traditionelle Heiler der Maya erklären Krankheiten natürlich, psychosomatisch oder metaphysisch. Die Grenzen zwischen diesen Aspekten fließen dabei ineinander. Um eine Diagnose zu stellen, untersucht der Heiler zunächst wie ein moderner Arzt die genauen Symptome und den bisherigen Verlauf der Krankheit.

Dann fragt er nach Details über das soziale Umfeld der Betroffenen und Geschehnisse der letzten Zeit. Passierte etwas Ungewöhnliches bei der Feldarbeit oder der Jagd? Gab es ungeklärte Todesfälle? Hat der Kranke Feinde? Gab es einen Streit, gibt es einen wichtigen Konflikt?

Ein wesentliches Element jeder Behandlung von Krankheiten ist die enge Beziehung zwischen Heiler und Patienten. Erfolgreiche Heilungen liegen vermutlich an einer Methode, die wir hier als Gesprächstherapie bezeichnen. Auch in Psychotherapien geht es darum, ein seelisches Ungleichgewicht wieder einzupendeln, wenngleich ihnen Vorstellungen von kosmischen Kräften nicht nur fremd sind, sondern die moderne Psychologie solche Erklärungen strikt ablehnt.

Der Heiler beurteilt, ob eine natürliche Ursache vorliegt, oder Dämonen wie Missgunst anderer. Er begibt sich in einen veränderten Bewusstseinszustand und konzentriert sich auf das sastun, einen kleinen Stein, in dem er angeblich Prophezeiungen sieht.

Liegt, laut dem Heiler, eine natürliche Ursache vor, wendet er, je nach Art der Erkrankung, diverse Mittel an: Tees, Tinkturen, Einläufe oder Rauch. Zum Beispiel trinken Alkoholiker eine Mischung aus Alkohol und Zorillo. Wenn die Betroffenen danach erneut Alkohol trinken, müssen sie sich erbrechen.

Als natürliche Ursache gelten die Awas. Sie suchen vor allem Kinder heim und gelangen zum Beispiel in den Körper, wenn sich die Mutter vor einem bestimmten Geruch ekelt oder gierig nach einem bestimmten Lebensmittel ist. Die Krankheiten der Kinder deuten auf das Lebensmittel, um das es geht. So haben Kinder mit Tomaten-awas rote Flecken am Körper.

Die aigres, die bösen Winde, kommen auf verschiedene Art in den Körper. Die Winde können von (körperlich) dreckigen Menschen ausgehen, dann helfen Kuhmist und kaltes Essen. Neidische Menschen schicken Winde aus, die den Kopf erhitzen und Tumore und Blutarmut auslösen.

Die Farbe des Urins gibt einen Hinweis, ob „warme“ oder „kalte“ Behandlungen angesagt sind. Warme Krankheiten behandelt der Heiler mit kalter Medizin und umgekehrt. Dadurch meint er, eine Reaktion auszulösen, die die Temperatur ins Gleichgewicht bringt.

Übermäßiges Schwitzen und Fieber sind klassische warme Erkrankungen, die mit kalten Mitteln wie Avocado, Papaya, Melone oder Portulak behandelt werden. Kalt sind zum Beispiel Lähmungen oder Impotenz. Dagegen hilft Kaffee, Süßkartoffel, Amarant oder Orange.

Die metaphysischen Ursachen zu bekämpfen ist schwieriger. Der Heiler / Schamane versucht, in einem Zustand der Trance in die drei Ebenen des Kosmos zu reisen, um den „bösen Wind“ zur Rede zu stellen. Er droht dem Wind, ihn zu zerstören, wenn er den Kranken nicht in Ruhe lässt. Zahlen und gute Geister ruft der Schamane im Ritual an, und sie sollen ihn im Kampf gegen den „Wind“ unterstützen. Behandlungen sollen neun Mal erfolgen und sind am Dienstag und Freitag am wirksamsten.

Der spirituelle Überbau ist heute synkretistisch. Zu Resten des Maya-Kosmos gesellen sich christliche Riten, zum Beispiel bekreuzigt sich der Schamane oder ruft christliche Heilige an, die wiederum Aspekte der Maya-Götter in sich tragen.

Die historischen Maya gaben den Göttern Opfer, um sie zu bewegen, eine Heilung durchzuführen. Zum Beispiel durchstachen sie ihren Penis mit einem Dorn und opferten den Göttern das Blut.

Aus dem Ritual de los Bacabes, einer Überlieferung des historischen Medizinsystems kennen wir zudem über 60 Heilpflanzen.

Heilpflanzen der Maya

600 n. Chr kamen die Maya in Kontakt zum Tabak und nutzten ihn zu rituellen Zwecken, wie Tongefäße mit Tabakspuren belegen.

Sie kauten Tabak gegen Zahnschmerzen und Entzündungen im Rachen, sie nutzten ihn als „Zahnpasta“, sie mischten ihn mit Kalk und Chilli zu einer Paste, die sie kauten, um wach zu bleiben.#

Tabakpflanze als Medizin. Bild: Wolfgang Cibura - fotolia
Tabakpflanze als Medizin. Bild: Wolfgang Cibura – fotolia

Sie rollten die Blätter, zündeten sie an einer Seite an und inhalierten den rauch durch den Mund, um Erkrankungen der Atemwege zu heilen.

Sie stellten Tabaktinkturen her, rieben sich die Haut ein und schützten sich so vor Insektenstichen. Außerdem half diese Tinktur gegen Schmerzen der Muskeln und rheumatischen Beschwerden. Die Maya nutzten dieses Mittel auch gegen Schlangenbisse.

Heute nutzen Indigene in Mexiko die Blätter gegen Kopfschmerzen, legen sie in Alkohol ein und lindern damit Schwellungen, Prellungen und Verstauchungen. Tabakpasten sollen gegen Akne helfen.

Die Maya konsumierten Alkohol in exzessiven Gelagen. Laut dem Missionar Diego de Landa (1524-1579) brauten sie ein Getränk aus Honig, Wasser und einer unbekannten Wurzel.

De Landa schrieb: „Die Indios waren beim Trinken und beim Rausch äußerst hemmungslos; hieraus erwuchsen viele Übel; wie etwa, dass sie sich gegenseitig umbrachten (…) Wein machten sie aus Honig, Wasser und der Wurzel eines gewissen Baumes, den sie hierfür anpflanzten, sodass der Wein sehr stark und übel riechend wurde; sie tanzten, erlustigten sich und saßen jeweils zu zweit und zu viert zusammen, um zu speisen; und nach dem Essen holten die Mundschenke, die sich gewöhnlich nicht betranken, einige große Bottiche zum Trinken hervor, bis es schließlich zum allgemeinen Tumult kam; und die Frauen waren sehr besorgt, wenn ihre Ehemänner betrunken heimkamen.“

Solche Trinkgelage dienten einem höheren Zweck. Die Maya betrachteten Rauschzustände als Weg, um mit Geistern und Göttern in Verbindung zu treten. Darum stellten sie Betrunkene mit Schlangenlinien am Mund dar, die zeigten, dass die Seele aus dem Körper fuhr. Blache brauten sie aus Rinde, Honig und Wasser, Chi aus dem Saft der Agave.

Sie nutzten außerdem Pilze, die Psilocybin enthalten und das Gift von Amphibien, das sich mit LSD vergleichen lässt.

Chilli

Chillischoten, frisch oder getrocknet, gehörten nicht nur zur Küche der Maya, sondern waren ein wesentliches Mittel, Beschwerden zu lindern. Sie nutzten Umschläge mit Chilli gegen Muskelkrämpfe und Nervenschmerzen.

Chilli erweiterte die Blutgefäße und fördert so die Durchblutung. Der Körper kann dann Giftstoffe und Krankheitskeime schneller abtransportieren.

Chilli erhitzt den Körper, es wirkt gegen Arthritis, es reguliert die Temperatur – in heißen Ländern kühlt es und wärmt in kaltem Klime. Sie wirken gegen Allergien und stoppen das Wachstum von Viren und Bakterien. Es löst den Schleim bei Erkältungen, macht den Rachen und Hals frei.

Chili als Heilmittel. Bild: photocrew - fotolia
Chili als Heilmittel. Bild: photocrew – fotolia

Das Capsacin in den Schoten regt den Speichel ebenso an wie den Magensaft, es beschleunigt die Bewegung des Darms und fördert so die Verdauung. Da Chilli den Stoffwechsel beschleunigt, hilft es, das Gewicht zu reduzieren. Es hilft der Leber beim Entgiften und treibt den Harnfluss. Chilli wirkt gegen Verstopfung und Blähungen, Magen- und Darmprobleme. Weil Capsacin den Kreislauf ankurbelt, beugt es auch Thrombosen vor.

Zusammenarbeit statt Ausgrenzung

Die Mayas gehören neben Indigenen Nordamerikas, dem Dalai Lama oder „Hexen“ zu den Stars der Esoterik-Szene. Eine Unzahl von Büchern über „das geheime Wissen der Maya“ mixt Unwohlsein in der Moderne mit vermutlich frei erfundenen Lebensweisheiten und einem Schuss Mystik, und dieser Eintopf hat in aller Regel mit den Maya nur den Namen gemein.

Die alte Hochkultur Mittelamerikas bietet sich für solche postmoderne Mystik an: Zum einen ist ihr Wissen tatsächlich bis heute größtenteils geheim, nämlich von den Spaniern verbrannt worden. Zum anderen sind vermeintlich gelüftete Geheimnisse für Wundersucher und Quacksalber das Elixier ihrer Zaubertränke. Außerdem glaubten die Maya selbst an Übernatürliches, was in einer nach religiösen Erklärungen gierenden Szene wie ein Magnet wirkt.

Zuletzt machten die Maya Furore, weil ihr Kalender angeblich für Dezember 2012 den Weltuntergang voraus sagte. Das stimmte zwar nicht, denn in diesem Monat endete lediglich ein Zyklus (wie bei Christen im Jahr 2000 ein Jahrtausend), doch die Apokalypse-Jünger glaubten die nicht existente Prophezeiung nur zu gerne.

Auch für die Wissenschaft liegt vieles an der Maya-Kultur im Dunklen. Noch heute entdecken Forscher immer wieder Tempel, Gräber und ganze Siedlungen im Regenwald von Guatemala. Den Schriftsteller Douglas Preston inspirierten die Geheimnisse der verlorenen Schriften der Maya zum Roman „Der Codex“, in dem ein Kunsträuber das Versteck eines Maya-Codex kennt, der das gesamte Heilwissen der Indigenen erhält; Wissenschaftler und Pharmakonzerne gehen jetzt auf die Jagd nach der mythischen „Weißen Stadt“ an der Moskitoküste von Honduras.

Nicht nur Esoteriker und Romanautoren, auch europäische Mediziner interessieren sich heute für die Heilkunde der Mayas. So reisten Medizinkundige der Maya-Nachfahren durch Kliniken in der Schweiz, um sich mit den dortigen Ärzten wie Ärztinnen über die Behandlung von Krebs auszustauschen. Bis 2015 lief das Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Umweltnatur- und Umweltsozialwissenschaften der ETH Zürich, in dem die Forscher und Wissenschaftlerinnen 65 Interview mit Heilenden aus verschiedenen Maya-Völkern hielten.

Statt um mystische Verklärung oder koloniale Verachtung geht es den westlichen Medizinern um Aufklärung und Partnerschaft. Westliches Wissenssystem und Maya-Konzepte könnten nur im kulturellen Kontext verstanden und bewertet werden. Neben Respekt ginge es deshalb um Offenheit und Interesse. Ziel des Projektes ist eine Zusammenfassung des Maya-Wissens über Krebserkrankungen. Das käme wiederum auch den Nachfahren der Maya zugute, die so wieder ein schriftliches Kompendium über ihre Heilkunde haben. (Dr. Utz Anhalt)

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Literatur:

Sven Gronemeyer: Das indigene Medizinsystem. Krankheit und Heilung. Hausarbeit im Rahmen des Sprachkurses „Sprache und Kultur der yukatekischen Maya“ unter der Leitung von PD Dr. Nikolai Grube. Bonn März 2001