Einschlafen der Hände – Ursachen und Gegenmaßnahmen

Fabian Peters
Nahezu jeder Mensch kennt das Gefühl, wenn Gliedmaßen einschlafen. Einschlafen der Hände ist dabei oft ein Ausdruck eingeklemmter Nervenbahnen beziehungsweise einer Unterversorgung der Nerven aufgrund einer Abklemmung der Gefäße. Im Folgenden beschreiben wir mögliche Ursachen. Eher selten verbirgt sich eine Krankheit hinter eingeschlafenen Händen.

Symptome und Beschwerden

Die Nerven passieren auf dem Weg zwischen Hand und Gehirn zahlreiche Engstellen, an denen die Nervenbahnen unter Umständen abgeklemmt werden könne. Die Nervenfasern leiten daraufhin ein Signal an das Gehirn, welches wir als Kribbeln wahrnehmen. Dies soll uns darauf aufmerksam machen, dass die Signalübertragung des Nervs beeinträchtigt und die Abklemmung – beispielsweise durch Änderung der Körperhaltung – schnellstmöglich zu beheben ist.

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Das Einschlafen der Hände beziehunsgweise das Taubheitsgefühl kann im Zusammenhang mit Beeinträchtigungen der versorgenden Nervenbahnen stehen. (Bild: Dron/fotolia.com)

Einschlafen der Hände wird auch als Kribbeln oder Taubheitsgefühl der Finger beschrieben, das vorzugsweise bei bestimmten Körperhaltungen auftritt. So äußern sich die Gefühlsstörungen der Hände zum Beispiel häufig als sogenannte Schlafdrucklähmung während der Nachtruhe. Die ungünstige Haltung der Arme beim Liegen klemmt die Nervenbahnen ab und verursacht so das unangenehme Kribbeln.

Diese Form eingeschlafener Hände ist in der medizinischen Fachwelt auch als Parkbanklähmung (Neurapraxie) bekannt. Sie gilt als harmlose Form der Nervenverletzung, kann jedoch im Alltag durchaus eine erhebliche Belastung darstellen. Zumal die Betroffenen durch das Kribbeln in den Händen häufig nachts aus dem Schlaf gerissen werden und daher vermehrt an an Schlafmangel und chronischer Müdigkeit leiden.

Warum schlafen Hände ein?

Das Einschlafen der Hände ist jedoch keineswegs nur im Liegen zu beobachten. Ungünstige Körperhaltungen und sich ständig wiederholende monotone Bewegungen im Alltag, wie beispielsweise beim Arbeiten am Computer, können ebenfalls das Auftreten der Beschwerden bedingen.

Sich ständig wiederholende, monotone Bewegungen, wie das tägliche Arbeiten am PC, können dazu führen, dass die Hände oft einschlafen. (Bild: Wrangler/fotolia.com)

Nicht ohne Grund ist heute das sogenannte Repetitive Strain Injury-Syndrom (RSI-Syndrom) auch als Mausarm bekannt. Die Fehlbelastungen führen zu Verengungen der Nervenbahnen, die sich anschließend in wiederholtem Einschlafen der Hände äußern. Werden die Abklemmungen der Nerven nicht behoben, treten die Beschwerden immer häufiger auch in alltäglichen Situationen wie beispielsweise beim Autofahren oder Telefonieren auf.

Taubheitsgefühle durch Ulnarisrinnensyndrom

Beim Ulnarisrinnensyndrom erfährt der Nervus ulnaris eine Druckschädigung am Ellbogen, was ebenfalls zu einem Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Händen beziehungsweise Fingern führen kann. Ein häufig gebeugter Ellenbogen und regelmäßiges Aufstützen des Ellenbogens werden hier als typische Risikofaktoren genannt.

Loge-de-Guyon-Syndrom

Zu ähnlichen Beschwerden führt die Schädigung des Nervus ulnaris im Zuges eines sogenannten Loge-de-Guyon-Syndrom. Dabei wird der Nerv in der Loge de Guyon-Engstelle an der Handwurzel zum Beispiel durch ein Überbein oder längeres Abknicken der Handgelenke beim Radfahren eingeklemmt.

Karpaltunnelsyndrom

Als Auslöser der einschlafenden Hände kommt das Karpaltunnelsyndrom in Betracht. Dies wird ebenfalls durch eine Verengung der Nervenbahnen bedingt. Der Nervus medianus wird im Karpaltunnel eingeklemmt, was unter anderem zum Einschlafen der Hände führt. Im Verlauf der Erkrankung werden die Nervenfasern zunehmend geschädigt, die von dem Nerv versorgte Muskulatur beginnt zu schwinden und das kraftvolle Zugreifen fällt zunehmend schwer. Durch die Schädigung der Nervenfasern können die Schmerzen im Verlauf des Karpaltunnelsyndroms durchaus nachlassen.

Bei einem Karpaltunnelsyndrom schlafen die Hände zu Beginn oft nachts ein. (Bild: santiago silver/fotolia.com)

Weitere Ursachen für eingeschlafene Hände

Erkrankungen des Nervensystems, die nicht von Verengungen oder Abklemmungen der Nerven ausgehen, wie beispielsweise die Polyneuropathie, können ebenfalls ein Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Händen bedingen. Allerdings sind derartige Nervenkrankheiten relativ selten. Begünstigt werden sie durch chronische Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Mellitus, aber auch durch Alkoholmissbrauch.

Neben den Missempfindungen, die durch eingeklemmte oder erkrankte Nerven bedingt werden, ist auch ein Einschlafen der Hände aufgrund von Durchblutungsstörungen möglich. Die zu geringe Durchblutung in den Händen geht dabei häufig auf Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, wie beispielsweise eine Arterienverkalkung zurück.

Diagnose

Wie bei jeder Diagnose sollte zu Beginn eine gründliche Anamnese erfolgen, bei der die Patienten zu den Symptomen, deren Auftreten und bestehenden Vorerkrankungen befragt werden. Anhand der beschriebenen Symptomatik ergeben sich für die behandelnden Ärzte meist bereits erste Hinweise auf die Ursache der Beschwerden.

Das Abtasten von Schulter, Arm und Hand bietet weitere Anhaltspunkte zur Diagnose. Auch kann eine Blutuntersuchung einen wesentlichen Beitrag im Rahmen der Diagnosestellung leisten. Bei Verdacht auf eine Erkrankung beziehungsweise Abklemmung der Nerven dient eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurographie) und unter Umständen die Entnahme einer Gewebeprobe zur Sicherung der Diagnose. Bei dem Karpaltunnelsyndrom reicht allerdings eine Ultraschalluntersuchung oftmals bereits zur Diagnosesicherung aus.

Erfahrene Therapeuten können anhand der Symptombeschreibung, einer Inaugenscheinnahme und des Abtastens der Patienten oftmals bereits relativ zuverlässig feststellen, ob ein Karpaltunnelsyndrom, ein Ulnarisrinnensyndrom, eine Neurapraxie, ein Mausarm, ein abgeklemmter Nerv oder sonstige Nervenerkrankungen Auslöser der Beschwerden sind.

Liegen dem Einschlafen der Hände Herz-Kreislauf-Erkrankungen zugrunde, lässt sich dies indes oftmals nur mittels bildgebender Verfahren, wie der Magnetresonanztomografie (MRT) oder der Computertomographie eindeutig feststellen.

Therapie

Während einige Auslöser eingeschlafener Hände, wie beispielsweise die Neurapraxie, in der Regel auch ohne therapeutische Maßnahmen abheilen, drohen andere in ein chronisches Stadium überzugehen und bedürfen schlimmstenfalls eines operativen Eingriffs.

Bei Erkrankungen wie dem Karpaltunnel- oder Ulnarisrinnensyndrom ist oftmals zunächst eine Ruhigstellung mittels Schiene vorgesehen. Begleitend werden in der Schulmedizin häufig entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Nehmen die Beschwerden weiter zu, bleibt unter Umständen ein chirurgischer Eingriff die letzte Option.

Naturheilkunde bei Einschlafen der Hände

Im Zuge der Behandlung der unterschiedlichen Grunderkrankungen können Naturheilverfahren wie Akupunktur, Massagen oder Krankengymnastik zum Einsatz kommen. Gleiches gilt für die Osteopathie, welche durch das Lösen bestehender Blockierungen eine Linderung der Beschwerden bewirken soll.

Ein Osteopath kann Funktionsstörungen im Körper aufspüren und behandeln. Auf diese Weise können die Beschwerden nachhaltig gelindert werden. (Bild: karelnoppe/fotolia.com)

Gemäß dem ganzheitlichen Ansatz der Naturheilkunde werden andere Leiden, wie beispielsweise Brustschmerzen, Nackenverspannungen, Oberarmschmerzen und Rückenschmerzen, in Verbindung mit den einschlafenden Händen gesetzt und ihre Behandlung entsprechend in die Therapie eingebunden.

Behandlung und Vorbeugung von Beschwerden durch Fehlbelastungen

Ob Tippen, Maus-Klicken oder das Drücken von Klaviertasten: Es gibt viele Bereiche und Berufe, in denen Menschen jeden Tag die gleichen, monotonen Bewegungen durchführen. Durch die einseitige Belastung kommt es hier schnell zu Fehlbelastungen und in der Folge zu typischen Mausarm-Symptomen wie zum Beispiel Kribbeln, Einschlafen der Hände, Fingerschmerzen und Kraftlosigkeit.

Der häufigste Auslöser für das so genannte RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury Syndrom, englisch für: „Verletzung durch wiederholte Belastung“) ist ein ungünstig ausgestatteter Arbeitsplatz sowie die Nutzung einen falschen Tastatur und Maus. Um Beschwerden durch Fehlbelastungen zu behandeln bzw. vorzubeugen, ist es dementsprechend unabdingbar, für einen ergonomischen Arbeitsplatz zu sorgen. Dies betrifft neben einem entsprechenden Stuhl (bzw. Sitzball oder Kniestuhl) und Schreibtisch (bzw. Stehpult) auch die Arbeitsgeräte wie Mäuse, Stifte, Maus-Pads etc.

Wichtig ist es außerdem, für das richtige Raumklima und ausreichend frische Luft am Arbeitsplatz zu sorgen und Zugluft zu vermeiden. Wer oft z.B. gleichzeitig tippen und telefonieren muss, sollte auf jeden Fall ein Headset verwenden, um den Kopf zu entlasten und keine permanente Fehlhaltung einzunehmen. (fp, nr; zuletzt aktualisiert am 7.3.2017)