Schläfenschmerzen, Schmerzen an den Schläfen
Schläfenschmerzen, Schmerzen an den Schläfen
Kopfschmerzen, die ausschliesslich in der Schläfenregion auftreten, sind eine weit verbreitete Symptomatik. Da hier sehr viele Verbindungen existieren, ist es wichtig, differenziert vorzugehen und Zusammenhänge herzustellen.
Anamnestisch und mit bildgebenden Verfahren sollten im Vorfeld strukturelle Ursachen und Erkrankungen der Gefässe, der Knochen und im Gehirn ausgeschlossen werden. In der Schläfenregion treffen viele Strukturen zusammen oder laufen hier hindurch und könnten für Schmerzen verantwortlich sein.
Betroffene mit funktionellen Beschwerden klagen meist über unregelmässig auftretende Schmerzen oder ein Ziehen, an den Schläfen, das teilweise bis in den Kiefer, in die Augen oder den Hinterkopf ausstrahlt.
Verbindungen zum Hinterkopf- ein Nerv und die Halswirbelsäule
Teilweise kann man durch ein Drücken an einer bestimmten Stelle am Hinterkopf die Schmerzen bis in die Schläfen auslösen. Vermutet wird, dass ein Nerv, der vom zweiten Halswirbel kommt und über den Kopf läuft, abgeklemmt, bzw. gereizt wird- der Nervus occipitalis major. Anatomisch betrachtet, versorgt er garnicht die Schläfenregion. Wie kann es aber sein, dass bei einigen Patienten die Beziehung herstellbar ist? Man vermutet, dass es kleine Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Nerven gibt, die dafür sorgen können. Vorstellbar ist aber auch, dass unsere Kopfschwarte (Galea aponeurotica) die Spannungen rein mechnisch überträgt.
Vermutet wird weiterhin, dass an seinem Ursprung, dem zweiten Halswirbel, es bei sogenannten Blockaden zum Auftreten der Beschwerden und einer Reizung des Nerven kommen kann. Blockaden des zweiten Halswirbels werden in der Osteopathie meist als sekundär angesehen. Das bedeutet, dass die Blockierung nur eine Reaktion auf ein anderes Geschehen ist.
Eine denkbare Möglichkeit ist, dass durch vieles Sitzen am Computer der Kopf immer weiter nach vorne wandert und der zweite Halswirbel durch seine Festigkeit das gestresste System stabilisieren will. Sollte dies bei manchen Menschen zutreffen, so ist erklärbar, warum eine Manipulation (ein „Einrenken“) dieses Halswirbels nicht sinnvoll ist, weil man dann quasi dem Körper seine Kompensation nehmen und instabil machen würde.
Das Konzept der Triggerpunkte
Desweiteren geht man davon aus, dass der Schläfenmuskel die Schmerzen auslösen oder zumindest verschlimmern kann. Wenn man die Zähne aufeinander beisst, kann man den Muskel selbst dort spüren oder bei Menschen ohne Haare an der Schläfe, auch sehen. Die Ärztin von John F. Kennedy, Jane Travell fand das System der Triggerpunkte. Dies sind verdickte Muskelfasern, die man von aussen spüren kann. Beim Drücken sind sie schmerzhaft. Gerade in der Schläfenregion geben die Betroffenen beim Drücken des Punktes an, dass es eine Ausstrahlung in die gesamte Schläfenregion oder in den Kiefer oder die Stirn gibt. 2005 fand der amerikanische Forscher Jay Shah, dass in diesen Punkten eine Entzündungsreaktion vorliegt. Durch das Behandeln der Punkte, konnte die lokale Übersäuerung und die Entzündungsreaktion vermindert werden. Dieses Prinzip findet auch häufig erfolgreiche Anwendung bei Triggerpunkten in der Schläfe.
Die osteopathische Sichtweise
Darüberhinaus können aber auch Zusammenhänge zum Kiefergelenk hergestellt werden. Ein Seitenunterschied in der Kiefergelenksmuskulatur könnte auch zu Spannungen im Schläfenmuskel führen. Ein Ausgleich in der Funktion und den umgebenden Strukturen des Kiefergelenks, wie es häufig z.B. in einer osteopathischen Behandlung geschieht, erscheint hier sinnvoll.
Unter dem Schläfenmuskel liegen zwei zentrale Knochen des Schädels- das Keilbein (Os sphenoidale) und das Schläfenbein (Os temporale). In der kraniosakralen Osteopathie wird davon ausgegangen, dass Bewegungen am Schädel stattfinden. Hatten die Begründer der kraniosakralen Osteopathie noch sehr energetische Ansätze, so sind neuere Protagonisten der kraniosakralen Osteopathie vielfach sehr anatomisch ausgerichtet.
Das Keilbein und das Schläfenbein haben in der Schläfenregion eine Verbindung (Sutur) zueinander und anderen Knochen. Man geht in der kraniosakralen Osteopathie davon aus, dass es durch Störungen, wie ungewohnten Druck oder minimale Verschiebungen, an diesen Verbindungen zum Auftreten von Schmerzen kommen kann. Und auch die umgebenden Strukturen, die hier sehr zahlreich sind, können beeinträchtigt werden. So soll beispielsweise eine hier verlaufende Arterie (A. Meningea media) bei einer abnormen Spannung Migräne auslösen können.
Schläfenschmerzen im Fasziendistorsionmodell
Das Konzept des FaszienDistorsionsModells (FDM), begründet von dem us- amerikanischen Arzt und Notfallmediziner Dr. Stephen Typaldos (1957- 2006), kennt sechs Verdrehungen (Distorsionen) vom Bindegewebe (Faszien) und wählt die Behandlung der Störungen anhand der Körpersprache der Patienten.
Patienten mit Schläfenschmerzen beschreiben häufig ein großflächiges Areal an der Schläfe. Dabei handelt es sich nach dem FDM um Verdrehungen der oberflächlichen sogenannten Zylinderfaszien. Hier sollen die Verdrehungen durch die Behandlung nach dem FDM wieder „entwirrt“ werden.
Manche Menschen zeigen als brennende oder ziehende Schmerzen eine Linie, die teilweise zum Hinterkopf führt. Dabei handelt es sich nach dem FDM um ein sogenanntes Triggerband. Hier ist das in Bändern angeordnete Fasziengewebe zerknittert, getrennt, zerrissen oder verdreht und muss in der Behandlung manuell wieder korrigiert werden.
Beim FDM ist es sinnvoll, im akuten Schmerzintervall den Behandler aufzusuchen, da man dann auch direkt den Behandlungserfolg und die richtige Art der Behandlung nachprüfen kann. (Thorsten Fischer, Heilpraktiker Osteopathie, 21.02.2010)
Weiterführende Literatur:
Dr. Typaldos, Stephen; „Orthopathische Medizin- Die Verbindung von Orthopädie und Osteopathie durch das Fasziendistorsionsmodell“; 1999, Kötzting
Liem, Torsten; „Kraniosakrale Osteopathie- Ein praktisches Lehrbuch“; 2001, Stuttgart