Schläfenschmerzen, Schmerzen an den Schläfen

Schmerzen an den Schläfen

Schläfenschmerzen

Kopfschmerzen, die ausschliesslich in der Schläfenregion auftreten, sind eine weit verbreitete Symptomatik. Da hier sehr viele Verbindungen existieren, ist es wichtig, bei Schläfenschmerzen differenziert vorzugehen und Zusammenhänge herzustellen.

Schläfenschmerzen:
Schläfenschmerzen, Schmerzen an den Schläfen
Synonyme
Beschwerden und Symptome bei Schläfenschmerzen
Funktionelle Ursachen von Schläfenschmerzen
Das Konzept der Triggerpunkte
Die osteopathische Sichtweise
Schläfenschmerzen im Fasziendistorsionmodell
Weiterführende Literatur

 

Synonyme

Schläfenkopfschmerzen, Kopfschmerz an den Schläfen, Schläfenbeschwerden, Beschwerden an den Schläfen, Temporale Schmerzen, Temporale Kopfschmerzen, Temporalis- Reizung, headache temple pain, temple pain, temporal pain, temporal headache, Schläfenschmerzen, Schmerzen an den Schläfen.

Beschwerden und Symptome bei Schläfenschmerzen

Betroffene mit funktionellen Beschwerden klagen meist über unregelmässig auftretende Schmerzen oder ein Ziehen an den Schläfen, das teilweise bis in den Kiefer, in die Augen oder den Hinterkopf ausstrahlt. Oftmals ist der Schmerz aber auch sehr punktuell stechend und auslösbar, wenn man auf bestimmte Punkte (Triggerpunkte) des Kaumuskels an der Schläfe drückt, während die Betroffenen die Zähne zusammenbeissen. Der Schmerz kann auch als bohrend in der Tiefe empfunden werden und zwischen den beiden Schläfenseiten wechseln.

Funktionelle Ursachen von Schläfenschmerzen

In der Schläfenregion treffen viele Strukturen zusammen oder laufen hier hindurch und könnten für Schmerzen verantwortlich sein, weswegen wir hier einige Möglichkeiten vorstellen, die häufig in der Praxis anzutreffen sind. Anamnestisch sollten mit bildgebenden Verfahren im Vorfeld strukturelle Ursachen und Erkrankungen der Gefässe, der Knochen und des Gehirns ausgeschlossen werden.

Verbindungen zum Hinterkopf- ein Nerv und die Halsregion
Teilweise kann man durch ein Drücken an einer bestimmten Stelle am Hinterkopf die Schmerzen bis in die Schläfen auslösen. (siehe auch Kopfschmerzen Hinterkopf) Vermutet wird, dass ein Nerv, der vom zweiten Halswirbel kommt und über den Kopf läuft, abgeklemmt, bzw. gereizt wird- der Nervus occipitalis major. Anatomisch betrachtet, versorgt er garnicht die Schläfenregion. Wie kann es aber sein, dass bei einigen Patienten die Beziehung herstellbar ist? Man vermutet, dass es kleine Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Nerven gibt, die dafür sorgen können. Vorstellbar ist aber auch, dass unsere Kopfschwarte (Galea aponeurotica) die Spannungen rein mechnisch vom Nacken bis auf die Schläfe überträgt.
Vermutet wird weiterhin, dass an seinem Ursprung, dem zweiten Halswirbel, es bei sogenannten Blockaden zum Auftreten der Beschwerden und einer Reizung des Nerven kommen kann. Blockaden des zweiten Halswirbels werden in der Osteopathie, einer manuellen Methode, die viele Verbindungen im Körper bei der Behandlung von Beschwerden herstellt, meist als sekundär angesehen.

Eine denkbare Möglichkeit ist, dass durch vieles Sitzen am Computer der Kopf immer weiter nach vorne wandert und der zweite Halswirbel durch seine Festigkeit das gestresste System stabilisieren will. Sollte dies bei manchen Menschen zutreffen, so ist erklärbar, warum eine Manipulation (ein „Einrenken“) dieses Halswirbels nicht sinnvoll ist, weil man dann quasi dem Körper seine Kompensation nehmen und instabil machen würde.

Das Konzept der Triggerpunkte

Desweiteren geht man davon aus, dass der Schläfenmuskel die Schmerzen auslösen oder zumindest
verschlimmern kann. Wenn man die Zähne aufeinander beisst, kann man den Muskel selbst dort spüren oder bei Menschen ohne Haare an der Schläfe, auch sehen. Die Ärztin von John F. Kennedy, Dr. Janet G. Travell (1901- 1997) und ihr Kollege Prof. David G. Simons (1922- 2010) fanden das System der Triggerpunkte. Dies sind verdickte Muskelfasern oder Faszien, die man von aussen spüren kann. Beim Drücken sind sie schmerzhaft. Gerade in der Schläfenregion geben die Betroffenen beim Drücken des Punktes an, dass es eine Ausstrahlung in die gesamte Schläfenregion oder in den Kiefer oder die Stirn gibt. 2005 fand der amerikanische Forscher Jay Shah, dass in diesen Punkten eine lokale Entzündungsreaktion vorliegt. Durch das Behandeln der Punkte, konnte die lokale Übersäuerung und die Entzündungsreaktion vermindert werden. Dieses Prinzip findet auch häufig erfolgreiche Anwendung bei Triggerpunkten in der Schläfe.

Die osteopathische Sichtweise

In der kraniosakralen Osteopathie wird davon ausgegangen, dass Bewegungen am Schädel stattfinden und andere Osteopathen, wie der Hamburger Peter Wührl D.O., ziehen noch Qualitäten wie Elastizität und Volumen dazu heran. Denn hatten die Begründer der kraniosakralen Osteopathie noch sehr energetische Ansätze, so sind neuere Protagonisten der kraniosakralen Osteopathie vielfach sehr anatomisch ausgerichtet.

Darüberhinaus können aber auch Zusammenhänge zum Kiefergelenk hergestellt werden. Ein Seitenunterschied in der Kiefergelenksmuskulatur könnte auch zu Spannungen im Schläfenmuskel führen. Ein Ausgleich in der Funktion und den umgebenden Strukturen des Kiefergelenks, wie es häufig z.B. in einer osteopathischen Behandlung geschieht, erscheint hier sinnvoll.

Unter dem Schläfenmuskel liegen zwei zentrale Knochen des Schädels- das Keilbein (Os sphenoidale) und das Schläfenbein (Os temporale). In der kraniosakralen Osteopathie wird davon ausgegangen, dass Bewegungen am Schädel stattfinden. Hatten die Begründer der kraniosakralen Osteopathie noch sehr energetische Ansätze, so sind neuere Protagonisten der kraniosakralen Osteopathie vielfach sehr anatomisch ausgerichtet.

Das Keilbein und das Schläfenbein haben in der Schläfenregion eine Verbindung (Sutur) zueinander und anderen Knochen. Man geht in der kraniosakralen Osteopathie davon aus, dass es durch Störungen, wie ungewohnten Druck oder minimale Verschiebungen, an diesen Verbindungen zum Auftreten von Schmerzen kommen kann. Und auch die umgebenden Strukturen, die hier sehr zahlreich sind, können beeinträchtigt werden. So soll beispielsweise eine hier verlaufende Arterie (A. Meningea media) bei einer abnormen Spannung Migräne auslösen können.

Schläfenschmerzen im Fasziendistorsionmodell

Das Konzept des Fasziendistorsionmodells (FDM), begründet von dem us- amerikanischen Arzt und Notfallmediziner Dr. Stephen Typaldos (1957- 2006), kennt sechs Verdrehungen (Distorsionen) vom Bindegewebe (Faszien) und wählt die Behandlung der Störungen anhand der Körpersprache der Patienten.

Patienten mit Schläfenschmerzen beschreiben häufig ein großflächiges Areal an der Schläfe. Dabei handelt es sich nach dem FDM um Verdrehungen der oberflächlichen sogenannten Zylinderfaszien. Hier sollen die Verdrehungen durch die Behandlung nach dem FDM wieder „entwirrt“ werden.

Manche Menschen zeigen als brennende oder ziehende Schmerzen eine Linie, die teilweise zum Hinterkopf führt. Dabei handelt es sich nach dem FDM um ein sogenanntes Triggerband. Hier ist das in Bändern angeordnete Fasziengewebe zerknittert, getrennt, zerrissen oder verdreht und muss in der Behandlung manuell wieder korrigiert werden. Beim FDM ist es sinnvoll, im akuten Schmerzintervall den Behandler aufzusuchen, da man dann auch direkt den Behandlungserfolg und die richtige Art der Behandlung nachprüfen kann. (Thorsten Fischer, Heilpraktiker Osteopathie, 21.02.2010)

Weiterführende Literatur


1. Dr. Typaldos, Stephen; „Orthopathische Medizin- Die Verbindung von Orthopädie und Osteopathie durch das Fasziendistorsionsmodell“; 1999, Kötzting.
2. Liem, Torsten; „Kraniosakrale Osteopathie- Ein praktisches Lehrbuch“; 2001, Stuttgart.