Schläfenschmerzen, Schmerzen an den Schläfen

Nina Reese

Schmerzen an den Schläfen

Mit dem Begriff „Schläfenschmerzen“ wird eine bestimmte Art von Kopfschmerz (siehe auch Kopfschmerzen Hinterkopf) bezeichnet, welcher ausschließlich in der Schläfenregion, d.h. an den seitlichen Kopfpartien zwischen Stirn und Ohr auftritt. Schmerzen an den Schläfen sind ein häufiges Phänomen und können auf verschiedene Ursachen hindeuten, da in dem Bereich sehr viele Verbindungen bestehen. Dementsprechend ist es bei der Behandlung dieser Beschwerden wichtig, differenziert vorzugehen und auf Zusammenhänge zu achten.

Beschwerden und Symptome bei Schläfenschmerzen

Schläfenschmerzen äußern sich zumeist in Form eines unregelmäßig auftretenden Schmerzes oder Ziehens im Bereich der Schläfen, welches häufig bis in den Kiefer, die Augen oder den Hinterkopf ausstrahlt. In anderen Fällen zeigt sich eher ein bohrender, tiefliegender Schmerz. Die Beschwerden können sowohl einseitig als auch beidseitig empfunden werden oder zwischen den Seiten wechseln.

Schmerzen an den Schläfen können zum Beispiel als stechend oder ziehend wahrgenommen werden und sowohl ein- als auch beidseitig auftreten. (Bild: Artem Furman/fotolia.com)

Möglich ist, dass die Schmerzen an den Schläfen punktuell stechend auftreten, sobald Druck auf sogenannte „Triggerpunkte“ ausgeübt wird. Bei diesen handelt es sich um knötchenförmige Verhärtungen in den Muskelfasern, die druckschmerzhaft sowie mit einer Entzündungsreaktion verbunden sind und in andere Körperregionen ausstrahlen. So kann beispielsweise eine Druckausübung auf den Kaumuskel, während der Patient zeitgleich die Zähne zusammenbeißt, die Beschwerden verursachen.

Ursachen von Schläfenschmerzen

Ein akuter, d.h. plötzlich und heftig auftretender Schmerz an der Schläfe tritt oft im Zusammenhang mit Verletzungen wie z.B. einer Fraktur oder Prellung des Schläfen- oder Jochbeins auf. Lassen sich strukturelle Ursachen durch bildgebende Verfahren ausschließen, kommen eine Reihe weiterer Auslöser in Betracht: So kann es beispielsweise im Rahmen einer Migräne zu Schmerzanfällen kommen, die sich auf eine Kopfseite konzentrieren und in diesem Fall wie Schläfenschmerzen wahrgenommen werden.

Möglich ist, dass die Beschwerden im Zusammenhang mit anderen Arten von Kopfschmerzen wie Hinterkopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen oder den so genannten „Clusterkopfschmerzen“ auftreten.

Ursache Rheumatische Erkrankungen

Eine weitere Ursache – die bisher leider nur wenig bekannt ist und daher oft übersehen wird – sind rheumatische Erkrankungen. Die Beschwerden können durch eine Arteriitis temporalis (auch als Arteriitis cranialis, Riesenzell-Arteriitis oder Morbus Horton bezeichnet), d.h. eine rheumatische Entzündung der Schläfenarterie hervorgerufen werden. Diese tritt überwiegend bei Frauen in höherem Alter auf und geht meist mit weiteren Symptomen wie einem Taubheitsgefühl oder Sehstörungen einher.

Kann eine solche Erkrankung als Auslöser für die Schmerzen an den Schläfen diagnostiziert werden, ist eine sofortige Behandlung dringend notwendig. Denn eine Arteriitis temporalis kann unbehandelt in kürzester Zeit zu einer Erblindung oder zu einem Schlaganfall führen.

Ein möglicher Grund für die Beschwerden können Funktionsstörungen des Kiefergelenks (z.B. durch Zähneknirschen oder Bißanomalie) sein. (Bild: Nobilior/fotolia.com)

Fehlfunktion des Kiefergelenks

Die Beschwerden können durch das so genannte „Costen-Syndrom“ ausgelöst werden. Bei diesem liegt eine Fehlfunktion des Kiefergelenks vor, welche wiederum z.B. durch eine Bißanomalie, schlecht sitzende Prothesen, eine Arthrose oder Arthritis des Kiefergelenks oder psychisch bedingtes Zähneknirschen hervorgerufen wird. Da Schläfenschmerzen, sowohl einseitig als auch beidseitig, generell sehr häufig aus einer verspannten Kiefermuskulatur resultieren, tritt diese Form der Kopfschmerzen oft auch nach langwierigen Zahnbehandlungen auf. In den meisten Fällen sind dabei vor allem die Temporalis-Muskeln betroffen, welche sich direkt an der Schläfe befinden.

Ursachen für Schläfenschmerzen aus osteopathischer Sicht

Die Osteopathie bzw. kraniosakrale Osteopathie geht davon aus, dass die unter dem Schläfenmuskel liegenden zwei zentralen Knochen des Schädels – das Keilbein und das Schläfenbein – eine Verbindung zueinander und zu anderen Knochen haben. Dementsprechend können Störungen wie z.B. ungewohnter Druck oder minimale Verschiebungen an diesen Verbindungen zu Schläfenschmerzen führen.

Ebenso besteht die Annahme, dass solche Störungen auch die umgebenden Strukturen beeinträchtigen können. Denkbar ist zum Beispiel eine in diesem Bereich verlaufende Arterie (A. Meningea media), welche bei einer abnormen Spannung Migräne auslösen könnte.

Weiterhin wird in der Osteopathie und anderen manuellen Behandlungsformen (z.B. der manuellen Massage oder Physiotherapie) im Rahmen des Konzepts der „Triggerpunkte“ davon ausgegangen, dass Schmerzen an der Schläfe auch durch knötchenförmige Verhärtungen in den Muskelfasern (Triggerpunkte) anderer Körperregionen ausgelöst werden können.

Nach dem von Dr. Janet G. Travell (1901- 1997) und ihrem Kollegen Prof. David G. Simons (1922- 2010) begründeten Konzept kann eine druckempfindliche und häufig mit einer Entzündungsreaktion verbundenen Verhärtung im Schulterheber-Muskel (M. Trapezius) entstehen, welche wiederum Schmerzen im Schläfenbereich auslösen kann. Gründe für die Verhärtung können zum Beispiel eine Überlastung (durch falsche Körperhaltung, hohe Belastung durch Rucksack, Mantel, BH, Spazierstock) oder ein Beckenschiefstand (Schrägstand der Schultern) sein.

Behandlungsoptionen bei Schmerzen im Schläfenbereich

Bei Frakturen bzw. Brüchen wie z.B. einem Jochbeinbruch mit einer Verschiebung von Knochenteilen, ist eine Operation unumgänglich. Hierbei wird der Knochen mittels spezieller Metallplatten zusammengefügt und anschließend an der richtigen Position fixiert. Jochbeinbrüche, die nicht verschoben sind, müssen hingegen meist nicht operativ behandelt werden, stattdessen ist konsequente körperliche Schonung notwendig.

Bei Prellungen ist es ratsam, die betroffene Stelle sofort zu kühlen und nach Bedarf schmerzlindernde Salbe aufzutragen. Oft hilft hier eine Massage vom Physiotherapeuten. Bei hartnäckigen Prellungen können die Schmerzen bei Bedarf durch den Arzt mittels Injektion von Betäubungsmitteln und pflanzlichen sowie entzündungshemmenden Wirkstoffen gelindert werden.

Bei starker bzw. chronischer Migräne spielen Maßnahmen zur Vorbeugung eine besonders wichtige Rolle. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Liegt die Ursache in einer Migräne, kann die medikamentöse Behandlung während eines Anfalls (Akuttherapie) oder prophylaktisch in den Phasen zwischen den Migräneanfällen erfolgen, wobei sich insbesondere Medikamente gegen Entzündungen, Schmerzen und Übelkeit eignen. Bei starken Symptomen werden häufig so genannte „Triptane“ eingesetzt, die in den Stoffwechsel des Botenstoffs Serotonin eingreifen und am besten helfen, wenn sie frühzeitig eingenommen werden. Achtung: Bei koronarer Herzkrankheit sowie anderen Gefäßkrankheiten dürfen Triptane auf keinen Fall eingesetzt werden.

Bei immer wiederkehrenden sowie schweren Anfällen empfiehlt sich eine Migräneprophylaxe mit einem durch den Arzt individuell abgestimmten Wirkstoff in Kombination mit nichtmedikamentösen Therapien, um die Häufigkeit von Migräneanfällen zu verringern (siehe auch unter Naturheilkunde).

Liegt eine rheumatische Entzündung der Schläfenarterie (Arteriitis temporalis) vor, ist eine sofortige Verabreichung hochdosierter Cortisonpräparate notwendig. Diese werden benötigt, um die Entzündung einzudämmen sowie eine Abschwellung der Gefäßwand zu bewirken und dadurch das Risiko für eine Erblindung bzw. einen Schlaganfall zu minimieren. Da bei einem hinreichenden Verdacht auf diese rheumatische Erkrankung keinesfalls Zeit verloren werden darf, wird seitens entsprechender Experten davon abgeraten, zunächst eine feingewebliche Untersuchung aus der Schläfe abzuwarten. Denn in der Zwischenzeit könnte es für eine erfolgreiche Behandlung bereits zu spät und eine Langzeitschädigung schon eingetreten sein.

Um dies zu vermeiden, wird der Fokus auf die Cortisontherapie gerichtet. Verläuft diese gut, lassen die Schmerzen allmählich nach und die Dosis kann nach einigen Wochen sukzessive verringert werden. Schlägt die Behandlung mit Cortison nicht an – was in etwa 10 Prozent der Fälle eintritt – werden weitere Medikamente wie z.B. Methotrexat eingesetzt.

Bei einem „Costen-Syndrom“, bestehen die Therapiemaßnahmen normalerweise zunächst in einer kieferorthopädischen Behandlung bzw. der eventuellen Anpassung einer so genannten „Aufbißschiene“, einer medikamentösen Schmerztherapie und Akupunktur. Weiterführende Methoden aus dem Bereich der speziellen Schmerztherapie, die in so genannten „Schmerzkliniken“ angewandt werden, sind unter anderem die therapeutische Lokalanästhesie, bei welcher örtliche Betäubungsmittel an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht werden. Hinzu kommen EMG-Biofeedback-Anwendungen (Registrierung und Rückmeldung der bioelektrischen Muskelaktivität) und Krankengymnastik bzw. Entspannungsverfahren.

Naturheilkunde bei Schmerzen an den Schläfen

Alternativ zu den „klassischen“ Therapieansätzen finden sich in der Naturheilkunde vielfältige Behandlungsansätze, um gegen schmerzende Schläfen anzugehen. In der Osteopathie werden beispielsweise im Anschluss an eine ausführlichen Anamnese durch die schichtweise Ertastung des Gewebes Blockaden bzw. Bewegungseinschränkungen aufgespürt und gelöst. Diagnose und Therapie finden hier ausschließlich mit den Händen statt.

Osteopathen können allein mit den Händen Blockaden und Verspannungen im Körper aufspüren und therapieren. (Bild: bmf-foto.de/fotolia.com)

Hilfe bietet in vielen Fällen auch eine Triggerpunktbehandlung, welche das Ziel hat, die sogenannten „myofaszialen Triggerpunkte“ zu beseitigen. Im Falle von Schläfenschmerzen wird bei diesem Konzept davon ausgegangenen, dass ein myofaszialer Triggerpunkt im Schulterheber-Muskel (M. Trapezius) die Schmerzen auslöst bzw. triggert.

Bei der Behandlung wird sich zum einen auf die Prophylaxe dauerhaft verkürzter oder fehlbeanspruchter Muskeln (z.B. durch ungünstige Körperhaltung, falsches Training) und zum anderen auf die Deaktivierung der permanent kontrahierten Muskelfasern konzentriert. Zum Einsatz kommen verschiedene Verfahren wie zum Beispiel die Triggerpunktakupunktur (Dry Needeling). Eine Behandlung mit speziellen elastischen Tape-Verbänden („Kinesio-Tape“) kann dazu führen, dass sich ein Triggerpunkt löst. Häufig werden manuelle physiotherapeutische Behandlungstechniken, Akupressur oder die Trigger-Stoßwellen-Therapie eingesetzt.

Gerade bei chronischen Beschwerden sind Entspannungskurse ratsam, in denen durch gezielte mentale Übungen und Phantasiereisen gelernt werden kann, die Schmerzen anzunehmen und loszulassen und dadurch eine Auflösung bzw. Linderung zu erzielen. Alternativ bieten sich Techniken zum Stressabbau wie progressive Muskelentspannung, Akupunktur und Schmerzhypnose bzw. Hypnotherapie an.

Bei einer Neigung zu Migräne ist Ausdauersport sehr empfehlenswert. Ein bewährtes Hausmittel gegen Migräne ist ein Silberweidentee, welcher in der Naturheilkunde aufgrund seiner schmerzstillenden und entzündungshemmenden Wirkung als „natürliches Aspirin“ bekannt ist.

Anti-Kopfschmerz-Tee mit Silberweide

  1. Geben Sie einen TL Silberweiden-Rinde (aus der Apotheke) in einen Topf
  2. Gießen Sie einen Viertelliter kaltes Wasser dazu
  3. Kochen Sie die Mischung auf
  4. Nehmen Sie den Topf von der Kochstelle
  5. Nach fünf Minuten Ziehzeit wird der Aufguss abgeseiht
  6. Trinken Sie täglich zwei bis vier Tassen von dem Tee

Weitere wirksame Hausmittel gegen Kopfschmerzen und Migräne sind zum Beispiel Wechselduschen oder kalte Auflagen aus dem Bereich der Hydrotherapie. Ebenso können Heilerde, Ingwer oder Vanilleextrakt helfen, die Beschwerden zu lindern. (nr; zuletzt aktualisiert am 20.12.2016)