Schnelles Atmen bei Babys

Dr. Utz Anhalt
Wenn Babys schnell atmen: Ursachen, Symptome und Therapie
Eltern fragen sich: Ist es gefährlich, wenn mein Baby schnell atmet. Zuerst einmal ist es vollkommen normal, dass Säuglinge schneller atmen als Erwachsene. In der Biologie gilt die Grundregel: Je kleiner ein Säugetier ist, umso schneller atmet es, um so häufiger schlägt sein Herz.

Ein Neugeborenes atmet 30-50 mal pro Minute, ein Baby bis zum ersten Lebensjahr 20-30 mal, und das bleibt auch beim Kleinkind so. Ein Jugendlicher über 13 atmet nur noch durchschnittlich 12-20 mal.

Schneller Atem bei Babys, der über diesen Durchschnitt hinaus geht, kann aber auf ernsthafte Erkrankungen hindeuten und Anzeichen sein für Fieber, Bronchiolitis und Lungenentzündung.

Ursache: Bronchiolitis

Bronchiolen bezeichnet die Verästelungen der Bronchien. Sind diese entzündet und schwellen an, fällt das Atmen schwer. Es handelt sich um eine weit verbreitete Virusinfektion, mit der jedes dritte Baby im ersten Lebensjahr zu kämpfen hat. Der Auslöser sind meist RS-Viren, Rhinoviren oder Adenoviren. Solche Viren verursachen auch Entzündungen des Mittelohrs, Pseudo-Krupp und Lungenentzündung. Babys ziehen sich eine Infektion der Bronchiolen in der Regel in den kalten Monaten zu – also zwischen Oktober und März.

Schnelles Atmen bei Babys zeigt, dass eine Erkrankung vorliegt. Bild: Jasmin Merdan – fotolia

Schnelles Atmen ist bei einer Bronchiolitis ein Alarmsignal. Meist entsprechen die Symptome nämlich einem grippalen Infekt mit leichtem Fieber und gehen nach einer Woche vorbei. Schreitet die Entzündung aber fort, kann sie das Leben des Babys gefährden.

Die Kleinen bekommen zu wenig Sauerstoff und atmen sehr schnell, sie ziehen den Atem ein, und trotzdem ist an der Lunge kein Atemgeräusch zu hören: Es besteht die akute Gefahr, dass die Kleinen an Sauerstoffmangel sterben.

Symptome

Die Symptome sind eine laufende Nase, ein trockener Husten, eine Temperatur um 39 Grad, fehlender Appetit. Werden die Symptome schlimmer, dann verstärkt sich der Husten, die Kinder atmen schnell, flach und mit großen Mühen, und der Herzschlag erhöht sich.

Für Laien ist es schwer, eine Bronchiolitis von einer Erkältung zu unterscheiden. Wenn Sie Zweifel haben, gehen Sie zu ihrem Kinderarzt oder ihrer Kinderärztin. Die messen den Sauerstoff im Blut und entscheiden, ob das Baby ins Krankenhaus muss. Meist ist das nicht der Fall. Nur sehr selten wird eine Bronchiolitis gefährlich.

Schwerer Verlauf?

Ob eine schwere Bronchiolitis vorliegt, erkennen Sie selbst an folgenden Kennzeichen: Das Baby trinkt in 24 Stunden nur die Hälfte der normalen Menge an Milch; es dehydriert, die Windeln bleiben trocken, und Mund wie Lippen trocken aus. Das Baby wirkt permanent schläfrig und apathisch. Das Fieber steigt weit über 38 Grad. Das Baby atmet sehr schnell.

Atemprobleme sind das gefährlichste Symptom einer schweren Bronchiolitis, und sie sollten sofort den Notarzt rufen, wenn das Baby beim Atmen keucht, das Atmen sich wie ein Pfeifen oder Kratzen anhört, die Haut sich zwischen den Rippen, am Schlüsselbein oder Rippenbogen nach „innen zieht“, das Baby stöhnt und seine Bauchmuskeln zusammen zieht, die Lippen und / oder Fingernägel eine blaue Farbe annehmen.

Ein besonderes Risiko für eine bedrohliche Form der Bronchiolitis besteht bei Babys, die als Frühgeburt zur Welt kamen, jünger als drei Monate sind, seit der Geburt Problem mit Herz und Lunge haben, deren Immunsystem schwächelt, und die bereits zuvor künstlich Sauerstoff erhielten.

Hausmittel gegen Bronchiolitis

Es handelt sich um eine Virusinfektion, und deshalb können Sie dem Kampf des Immunsystems gegen die Infektion vor allem zusehen, bis Sie meist von allein abklingt.

Sie können vor allem die Symptome lindern, damit das Baby weniger leidet: Geben Sie dem Kind so oft wie möglich die Brust oder Wasser zu seiner Nahrung. Dabei sollte es in vielen kleinen Schlucken trinken, weil es Beschwerden beim Atmen hat.

Reichen Sie dem Baby Ibuprofen oder Paracetamol, aber nur, wenn es älter ist als drei Monate. Beide senken das Fieber und lindern die Halsschmerzen, wodurch dem Kind das Essen und Trinken einfacher fällt.

1. Halten Sie das Baby beim Essen aufrecht, dann bereitet die verstopfte Nase weniger Probleme.

2. Heben Sie den Kopf des Babys an, denn dann bekommt es besser Luft.

3. Baden Sie das Baby in warmem Wasserdampf.

Ursache: Lungenentzündung

Schneller Atem des Babys, also 50mal oder mehr pro Minute kann eine Lungenentzündung anzeigen. Sie beginnt in der Regel mit Fieber, verstopfter Nase und Husten. Hinzu kommen Bauch- und Brustschmerzen, Erbrechen und in schlimmen Fällen blaue Finger und Lippen.

Sprechen Symptome für eine Lungenentzündung sollten sie schnell einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Der diagnostziert, ob eine bakterielle Infektion oder ein Virus vorliegt. Babys mit schwerer Atemnot müssen ins Krankenhaus.

Atmen im Schlaf

Neugeborene atmen periodisch, und das ist völlig normal. Mal atmen sie schnell und tief, dann langsam und flach. Dieses Atemmuster verändert sich im Lauf der ersten Monate.

Für Probleme spricht, wenn der Puls des Säuglings über 100 liegt, er nach dem Atmen schnauft, die Nasenflügel bläht, einen bellenden Husten hat, und seine Brust wie seinen Nacken stark anspannt, Atemaussetzer mehr als zehn Sekunden dauern.

Eine deutliche Warnung liegt vor, wenn sich Stirn, Nase oder Lippen bläulich-lila färben. Das zeigt, dass das Blut zu wenig Sauerstoff bekommt.

Fieber

Bei Fieber atmen die Babys schneller. Das ist erst einmal nicht dramatisch, im Gegenteil. Fieber heißt nichts anderes, als dass das Immunsystem einen Krankheitserreger bekämpft. Aber schnell atmen kann auch eine Überblähung der Lunge anzeigen.

Fieber sollte bei Kleinkindern grundsätzlich am Po gemessen werden, weil dort die Werte genauer wiedergegeben werden. Bild: ladysuzi – fotolia

Babys haben allerdings in den ersten Monaten sehr selten Fieber. Hingegen steigt die Temperatur, wenn das Baby warm angezogen ist.

Erhöhte Temperatur zeigt, dass der Stoffwechsel arbeitet, und so Bakterien und Viren angreift. Ohne weitere Symptome ist Fieber ein gutes Zeichen. Fiebernde Babys werden jedoch unruhig, schläfrig oder schreien.

Bis 38, 5 Grad ist ein Fieber kein Problem, zumindest, wenn es nicht mit einer Basiserkrankung einher geht. Bleibt die Körpertemperatur aber trotz Medikamenten, die das Fieber senken sollten, gleich hoch oder steigt sogar wieder, sollten Sie mit dem Baby zum Arzt, und das gilt auch, wenn das Fieber mehr als fünf Tage andauert.

Für Säuglinge unter drei Monate aber gilt: Wenn das Kind Fieber hat, gehen Sie zum Arzt. (Dr. Utz Anhalt)