Zuversicht – Hoffnung finden

Wieder Hoffnung schöpfen

In Zeiten der Coronapandemie hoffen wir, dass diese irgendwann vorbei ist. Was ist das überhaupt, Hoffnung? Hoffnung bedeutet Zuversicht und eine positive Erwartung, auf das, was kommt – ohne zu wissen, dass diese gute Perspektive eintritt. Das Gegenteil ist Verzweiflung, Resignation und Depression – der Punkt, wenn alle Hoffnung endet. In der Psychologe bedeutet es eine kognitive Einstimmung auf ein kommendes Ziel, oder auch eine Emotion, eine Form des gefühlten Optimismus. Wie schöpfen wir aber Hoffnung?
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  • Hoffen kann ebenso ein aktiver wie passiver Zustand sein.
  • Das ehemalige tschechische Staatsoberhaupt, Vaclac Hawel, trennte Hoffnung von Optimismus. Er sagte: „Hoffnung ist nicht Optimismus, sie ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“
    Hawel führt hier einen wesentlichen Aspekt ein, der ein Licht auf die psychische Struktur des Hoffenden verweist. Wer resigniert oder im klinischen Sinn in einer schweren Depression gefangen ist, der ist nicht nur pessimistisch, sondern er sieht auch keinen Sinn in dem, was er tut, in seinem Leben – in der Welt. .

  • Hoffen kann die Selbstheilung des Körpers fördern.
  • Wer aktiv hofft, sucht nach unkonventionellen Wegen, um sein Ziel zu erreichen. Aktiv Hoffen motiviert.
  • Wer passiv hofft, versperrt sich hingegen eigener Aktivität, die eine prekäre Situation verbessern könnte.

Das Messianische Denken

Die Juden glaubten und hofften, dass ein Mensch, der Messias, das kommende Reich Gottes auf Erden ankündigte, eine Zeit, in der die Juden ihr Dasein in sozialer Gerechtigkeit bewältigen und die römischen Besatzer aus dem Land jagen würden. Während Verzweiflung das Gegenstück zur Hoffnung darstellt, begleiten Angst und Sorge unsere Hoffnungen.

Das wortwörtliche Schwarzmalen des Pessimisten im Gegensatz zum Hoffenden, der positiv in die „helle” Zukunft blickt. (Bild: jozsitoeroe/fotolia.com)

Alltägliche Hoffnungen

Selten ist Hoffnung absolut. Im Alltag hoffen wir bescheiden. Kinder hoffen auf Geschenke, Ältere auf einen besseren Job, Jugendliche hoffen auf attraktive Sexualpartner, Kranke hoffen auf Heilung. Solche Hoffnungen, auch das gehört dazu, werden enttäuscht.

Christliche Hoffnung

Sinnhaftigkeit wirft ein Licht auf die Religion, in der die Hoffnung im kosmischen und menschlichen Sinn eine zentrale Stellung einnimmt: Das Christentum. Als es sich endgültig durchsetzte, erlitt Europa und Westasien die Kleine Eiszeit der Spätantike, und die erste große Pestpandemie raffte die Menschen im Römischen Reich dahin. Die Christen setzten hier ihre Hoffnung auf das ewige Leben im Himmelreich an die Stelle einer nüchternen Hilflosigkeit gegenüber den übermächtigen Naturkatastrophen. Und diese religiöse Sinngebung war äußerst erfolgreich.

Hoffnung in der Philosophie

In der Philosophie bezeichnet Hoffnung auch eine innere Haltung zu Herausforderungen. Wer hofft, nimmt das an, was er nicht ändern kann und vertraut zugleich darauf, es zu bewältigen. Diese Hoffnung apelliert an die eigene innere Haltung. Politisch-ethisch kann das auch bedeuten, der eigenen Überzeugung so treu zu bleiben, dass man die Hoffnung nicht verliert, weil man weiß, dass das, wofür man steht, leidet oder stirbt, richtig ist.

Hoffen und vermuten

Hoffnung kann auch ein Synonym für Vermutung sein. Wenn ein Forscher berechtigte Hoffnung hat, ein neues Medikament zu entwickeln, bedeutet das, es gibt Hinweise auf eine entsprechende Wirkung. Sicher ist es aber nicht. Wenn aber jemand eine positive Erwartung hat, die Realität dieser aber entgegen steht, sprechen wir von falschen Hoffnungen.

Hoffnung als Placebo

Hoffnung führt zum Ausschütten von Hormonen und Botenstoffen und ähnelt hier der positiven Selbtsuggestion oder auch dem Einnehmen von Placebos, also Scheinmedikamenten die keine realen Wirkstoffe enthalten, an deren Wirkung die Betroffenen aber glauben.

Was ist Hoffnung heute?

Derzeitige Definitionen von Hoffnung sind sich in den wesentlichen Punkten darin einig, dass

  • Hoffnung in die Zukunft gerichtet ist
  • dort positives erkennen will
  • der Hoffende seine Hoffnungen nicht als vollkommen unrealistisch ansieht, wobei ihm große Schwierigkeiten durchaus bewusst sein können
  • Hoffnung bedeutet innere Stärke, wenn sie sich mit einer inneren Haltung verbindet, die das eigene Psyche mit Sinn erfüllt
  • religiöse Vorstellungen assoziieren Hoffnung hingegen mit Erdulden von Leid und einer Belohnung, die von außen kommt,
  • im religiösen Kontext kann Hoffnung auch bedeuten, an übernatürliche Kräfte zu glauben und zu hoffen, von diesen unterstützt zu werden: Hoffnung geht hier mit Heilsvorstellung einher.
Hoffnung wird von manchen in Zusammenhang mit Schicksal und göttlichem Einfluss verstanden. (Bild: artitcom/fotolia.com)

Hoffnung motiviert

In der Psychologie gilt Hoffnung als wichtiger Motor der Motivation. Hoffnungslosigkeit lässt das Engagement erlahmen, sich für eine Sache einzusetzen, denn dieses Engagement erscheint sinnlos – hoffnungslos. Hoffnung stärkt hingegen die Motivation und kann so auch dazu führen, aktiv zu werden und so Projekte zum Erfolg zu bringen.

Wunsch trifft Überzeugung trifft Handlung

Weiterhin ist, psychologisch gesehen, Hoffnung eine Erwartung, wobei die psychologischen Schulen uneins sind, ob dabei die bewusst-kognitive Erwartung oder die Erwartungsemotion im Vordergrund stehen. Wichtig ist das Imaginieren: Menschen entwerfen sich von ihren Träumen, Plänen und Vorstellungen Designs im Gehirn. Bei “guter Hoffnung” fallen diese positiv aus, und das ermöglicht, bewusst oder unbewusst darauf hinzuarbeiten. Der Wunsch verbindet sich mit der Überzeugung und diese mit der Handlung.

Indessen gibt es auch Hoffnungen, wenn der Hoffende das Geschehen gerade nicht beeinflussen kann. für ein Hoffnungsgefühl ist zudem, dass der Wünschende keinen oder nur wenig Einfluss auf dieses Geschehen hat. Das gilt zum Beispiel für einen Arzt, der über einen krebskranken Patienten sagt, „es besteht Hoffnung“ und damit zugleich glaubt, dass der Krebs ausheilt und sich diese Heilung wünscht, allerdings weiß, dass seine eigenen Möglichkeiten, dazu beizutragen, beschränkt sind.

In manchen Fällen haben Hoffende – als Außenstehende – wenig Einfluss auf das Geschehen. Selbstheilungskräfte können wohl nur vom Betroffenen selbst gefördert werden. (Bild: sebra/fotolia.com)

Hoffen heißt frei sein

Aktives Hoffen ist Freiheit. Wer resigniert, denkt, er wüsste, dass die Zukunft schwarz ist. Er ist weder offen noch wartet er. Der Hoffende ist geduldig und aufmerksam. Dabei ist Hoffnung immer auch sozial: Ohne Gemeinschaft gibt es keine Hoffnung – kein “Wir schaffen das”.

Wie kann sich Hoffen positiv auswirken?

Aktiv hoffen wirkt sich, Studien zufolge, positiv auf den beruflichen Erfolg aus und fördert das Erreichen von hoch gesetzten Zielen, an der Uni wie im Sport. Hoffen fördert das Wohlbefinden auch in prekären Situationen. Es mobilisiert die Selbstheilung des Körpers ähnlich wie ein Placebo.

Studien belegen, dass sich Hoffnung und positives Denken durchaus förderlich auf das Erreichen von Zielen auswirken. (Bild: Aaron Amat/fotolia.com)

Ist Hoffnung naiv?

Jemand, der sich “falsche Hoffnungen macht” gilt als naiv. Hoffen muss aber nicht naiv sein. Zuversicht bedeutet auch, die Realität zu kennen und dennoch die Zukunft als offen anzusehen. Dabei weiß der Hoffende, dass er in Gefahr ist – im Unterschied zum reinen Optimisten blendet er Bedrohungen nicht aus.

Wenn ich also die Hoffnung habe, dass ein anderer Zustand in der Zukunft möglich ist, tropfen langsam aber sicher die Ideen und Gedanken, was ich tun kann, um diesen Zustand zu erreichen.

In einer Lebenskrise zeigt sich durch Hoffnung eine Perspektive, ein Licht am Horizont, das uns hilft, aus unserem Tief zu entkommen. (Bild: ferkelraggae/fotolia.com)

Wie können wir Zuversicht gewinnen?

Eine innere Haltung, verbunden mit humaner Ethik, ist eine gute Voraussetzung, um zu hoffen. In Projekten arbeiten, die helfen, dass es Menschen besser geht, stärkt die Hoffnung. Hoffen heißt auch, einen Sinn im Leben zu finden(Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autoren:
Dr. phil. Utz Anhalt, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Bloch, Ernst: Werkausgabe; Band 5, Teilband 2: Das Prinzip Hoffnung in fünf Teilen, Band 2: Kapitel 33-42, Suhrkamp, 1985
  • Snyder,Charles R.: Handbook of Positive Psychology, Oxford University Press, 2001

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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