Aphasie: Behandlungsmöglichkeiten

Therapiemöglichkeiten einer zentral bedingten Sprachstörung

Bei einer Aphasie, die medizinisch als zentrale Sprachstörung durch Hirnverletzung definiert ist und insbesondere infolge eines Schlaganfalls auftritt, sollte zum frühestmöglichen Zeitpunkt eine professionelle und individuell ausgerichtete sprachtherapeutische Behandlung eingeleitet werden. Diese umfasst neben bedarfsgerechten Sprachübungen auch eine umfassende Aufklärung für Betroffene und Angehörige zum Umgang mit der Kommunikationsstörung. Häufig verbessern sich die Symptome in den ersten Wochen in einem gewissen Rahmen auch durch Selbstheilungskräfte des Körpers. Diese können durch Naturheilverfahren und alternative Methoden zusätzlich angeregt werden.


Ein kurzer Überblick

Zur Aphasietherapie gehört neben den eigentlichen Behandlungsmaßnahmen auch immer eine genaue Diagnosestellung, um individuell erforderliche Therapiemethoden festzulegen. Folgend sind die wichtigsten Fakten zur Diagnose und Therapie einer Aphasie kurz zusammengefasst. Der weitere Artikel liefert diesbezüglich ausführliche Informationen.

  • Diagnostik: Die genaue Beurteilung einer vorliegenden Aphasie und deren individueller Ausprägung (siehe dazu: Aphasie: Formen und Symptome) kann meistens über eine behutsame und persönliche Vorgehensweise während einer professionellen Sprachtherapie besser erfolgen als mittels der verfügbaren standardisierten Testverfahren. Bestehende Schwierigkeiten bei der Begutachtung müssen in jeder Situation berücksichtigt werden, um fehlerhafte Rückschlüsse zu vermeiden. Die Diagnose sollte während der Therapiedauer laufend überprüft und angepasst werden, um beste Ergebnisse erzielen zu können.
  • Behandlung mittels Sprachtherapie: Die zentrale Therapieform ist eine professionelle Sprachtherapie, die zeitnah zum Ereignis beginnen sollte. Schrittweise wird zunächst die Sprachfähigkeit langsam wieder angeregt und später über intensive Übungseinheiten so gut es geht wieder hergestellt. Die Kommunikation mit Angehörigen und der Umwelt nimmt parallel dazu einen großen Stellenwert ein und kann gute Verbesserungen erzielen. Die Therapiedauer ist sehr unterschiedlich und kann sich auf einige Wochen beschränken oder über Jahre erstrecken.
  • Alternative Therapieformen: Um die eigenen Heilungskräfte des Körpers zu unterstützen und eine möglichst entspannte Situation für das Leben der Betroffenen und das Lernen zu schaffen, können verschiedene alternative Behandlungen eingesetzt werden. Neben anderen Methoden können dabei beispielsweise Akupunktur oder verschiedene Entspannungsmethoden Anwendung finden.
Die professionelle und individuelle Sprachtherapie ist der zentrale Baustein für eine Behandlung bei Aphasie. (Bild: photowahn/fotolia.com)

Diagnostik: Vorbereitung und Begleitung der Therapie

Liegt eine Aphasie als zentrale Sprachstörung und Kommunikationsstörung vor, ist eine genaue Diagnosestellung wichtig, um die erforderliche Therapie individuell zu planen und im weiteren Verlauf anzupassen. Etablierte Standardverfahren, wie beispielsweise der Aachener Aphasie-Test (AAT), können eine Stichprobe und Momentaufnahme über die mögliche Ausprägung der sprachlichen Defizite liefern. Solche Tests können aber keine allgemeine Gültigkeit beanspruchen und sind nur mit großer Behutsamkeit durchzuführen und zu deuten.

In Expertenkreisen wird empfohlen, dass so ein Test erst durchgeführt wird, wenn zu den Betroffenen bereits ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wurde und diese anscheinende Prüfsituation keine unzumutbare Belastung darstellt. Eine schlecht vorbereitete Testsituation kann beispielsweise aufgrund von Aufregung, schlechter Tagesverfassung oder ungünstiger Abfragekonstellationen dazu führen, dass die tatsächliche Sprachfähigkeit nicht erfasst wird. Daraus folgende Fehlinterpretationen können sich negativ auf Entscheidungen bezüglich der Notwendigkeit und Form einer Therapie auswirken. Außerdem können schlechte Ergebnisse auch die Motivation der Betroffenen und den damit verbundenen Therapieerfolg mindern.

Häufig wird der AAT zu verschiedenen Zeitpunkten wiederholt durchgeführt, wobei die Ergebnisse oftmals auch als Verlaufskontrolle genutzt werden. Die genannten Schwierigkeiten, sowie weitere Probleme der Begutachtung von Personen mit zerebralen Sprachstörungen (wie in der Fachzeitschrift MedSach (Ausgabe 112, 04/2016) nachzulesen), sind in jeder Art von Testverfahren oder Beurteilung der Sprach- und Kommunikationsfähigkeit zu berücksichtigen.

Vor allem zu Beginn der Behandlung werden vielfach andere Methoden gewählt, die eine genaue Diagnostik und bedarfsgerechte Therapieplanung ermöglichen und die Betroffenen behutsam und vertrauensvoll unterstützen. Dafür ist es zunächst sehr hilfreich, wenn den Behandelnden alle notwendige Hintergrundinformationen vorliegen, um die persönliche Situation genau einschätzen zu können. Diese umfassen alle vorliegenden medizinischen und neurologischen Untersuchungsergebnisse, die Familiensituation und das soziale Umfeld sowie den aktuellen Stand zur Kommunikationsfähigkeit mit der Umwelt. In den ersten Therapiesitzungen wird dann versucht, über gezielte Gespräche und andere Kommunikationsmittel herauszufinden, wie viel Betroffene verstehen und mitteilen können und inwieweit sie schreiben und lesen können.

Da die Störungsmuster stark variieren, verschiedenen individuellen Faktoren unterliegen und sich mit der Zeit verändern können, wird auch eine sogenannte Theragnostik vorgeschlagen. Dies ist ein diagnostisches System, welches zeitgleich die Therapie integriert. Eine anfängliche Diagnose zur Sprachfähigkeit sollte laufend ergänzt und angepasst werden.

Ein gutes Vertrauensverhältnis zur therapierenden Person ist äußert wichtig für den Behandlungserfolg. (Bild: seventyfour/fotolia.com)

Professionelle Sprachtherapie als zentrale Therapieform

Aus der Diagnostik, die mit sprachtherapeutischer Expertise durchgeführt wird, leitet sich eine professionelle Sprachtherapie als zentrales und unverzichtbares Therapieelement bereits ab. Eine Aphasietherapie sollte so früh wie möglich beginnen, aber auch zu einem späteren Zeitpunkt – sogar noch nach Jahren – macht diese durchaus Sinn und kann unter bestimmten Voraussetzungen beachtliche Fortschritte erzielen.

Das Therapieziel sollte immer individuell bestimmt werden, um die richtigen Kommunikationsformen zu finden und zu entwickeln. Dennoch steht in erster Linie stets im Vordergrund, so schnell und behutsam wie möglich die bestmögliche Kommunikationsfähigkeit zu erreichen. Dadurch sollen die Betroffenen aus ihrer anfänglichen Isolation herausgeholt werden. Der Weg ist dabei in aller Regel weniger entscheidend, als eine gute und vertrauensvolle Beziehung zwischen den Erkrankten und den therapierenden Personen.

Zu berücksichtigen ist, dass die Sprachtherapie zwar einen wesentlichen Beitrag zur Rückgewinnung der kommunikativen Fähigkeiten leistet, aber nur durch die Unterstützung anderer Kontaktpersonen im Alltag ein Zurückfinden in die eigene Sprache und zur selbstständigen Kommunikation erreicht werden kann. Dazu zählen andere Behandelnde, aber vor allem auch nahestehende Angehörige, befreundete Personen, Bekannte und das weitere soziale Umfeld. Durch einen stetigen und intensiven Austausch mit der aphasischen Person haben die engsten Kontaktpersonen große Einflussmöglichkeiten bei der Sprachförderung.

Die Methodik hängt nicht nur von der jeweiligen Situation und Persönlichkeit der Betroffenen ab, sondern auch vom individuellen Vorgehen der therapierenden Person. Neben den notwendigen Einzeltherapien können auch sprachtherapeutische Gruppen oder aber andere Gruppensitzungen (zum Beispiel Selbsthilfegruppen, psychotherapeutische Gruppen) Unterstützung leisten.

In der Einzeltherapie soll den Betroffenen geholfen werden, die der Sprache zugrundeliegenden Prozesse wieder zu erlernen, um selbstständig zu kommunizieren. Das heißt, es werden nicht Wörter, Sätze und Grammatik geübt, wie man es beispielsweise vom Erlernen einer Fremdsprache her kennt, sondern die dahinführenden Regelwerke werden behandelt.

Bei allen zur Verfügung stehenden Methoden und Programmen sollte darauf geachtet werden, dass die vorhandenen Fähigkeiten des Betroffenen stimuliert und aktiviert sowie „gesperrte Bahnen“ deblockiert werden. Das gesamte Sprachverhalten soll dabei gezielt und ganzheitlich angeregt werden. Ein wichtiger Aspekt für den Therapiererfolg ist eine entspannte und lockere Lernatmosphäre.

Aus einem großen Repertoire an verschiedensten Übungen können Lernelemente für Aphasien mit unterschiedlichem Schweregrad und verschiedenen Defiziten ausgewählt und individuell eingesetzt werden. Das kann beispielsweise das Vervollständigen von Zahlenreihen, das Ansehen und Beschreiben von Bildern, das Zusammensetzen von einzelnen Wörtern zu einem Satz, selbstständiges Schreiben und lautes Lesen oder aber auch das Verknüpfen von Lauten und Bewegungen sein. Jede Therapieeinheit sollte neben gezielten Übungen aber auch freie Gespräche und Entspannungszeiten beinhalten.

Aus einer großen Auswahl an Übungsformen und Materialien werden individuelle Übungen zusammengestellt, die die Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten der Betroffenen verbessern sollen. (Bild: photowahn/fotolia.com)

Der anerkannten Therapeutin und Aphasie-Spezialistin Dr. Luise Lutz zufolge gibt es eine Reihe von Prinzipien, die entscheidende Grundbausteine für eine erfolgreiche Therapie liefern:

  • Vorgehen eines schrittweisen Übens und Lernens,
  • Einsatz verschiedener Übungsformen und Materialien,
  • Ansprache und Verknüpfung aller Sprachmodalitäten (Sprechen, Schreiben, Lesen, Verstehen),
  • Kommunikationserfolg steht vor einer einwandfreien Sprachform,
  • Förderung von aktiver Beteiligung, selbstständiger Handlungen und Entscheidungen,
  • Üben mit Inhalt und Sinn,
  • Schaffung einer entspannten und lernfördernden Konzentration.

Des Weiteren wird zwischen drei Therapiephasen unterschieden, die die Betroffenen vom ersten Tag an über einen sehr langen Zeitraum begleiten und unterstützen können:

  • Aktivierungsphase: In den ersten Wochen nach Beginn der Aphasie werden die Betroffenen positiv in ihrer Kommunikationsfähigkeit bestärkt und zum Sprechen angeregt, dabei aber nur leicht gefordert.
  • Störungsspezifische Übungsphase: Nach einigen Wochen und beim Übergang der Reha-Klinik zur ambulanten Therapie sind die allermeisten Betroffenen belastbarer als zu Beginn und die Therapiestunden werden langsam intensiver und komplexer. Wie lange diese Phase dauert hängt von der Eigenmotivation und anderen äußeren Umständen ab. Prinzipiell können über Jahre hinweg Fortschritte erreicht werden.
  • Konsolidierungsphase: Findet nach einer bestimmten Zeit keine Sprachtherapie mehr statt, fördert jede Kommunikation und Beschäftigung mit Sprache im Alltag weiter die persönlichen Fähigkeiten.

Diese Therapiephasen entsprechen zeitlich in etwa dem Verlauf einer Aphasie. Die akute Phase hält über vier bis sechs Wochen an, woran sich dann die postakute Phase anschließt, die bis zu ein Jahr dauert. Nach etwa einem Jahr spricht man dann von der chronischen Phase.

Gemäß der Leitlinie zur Rehabilitation aphasischer Störungen nach Schlaganfall der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) soll die Sprachtherapie möglichst täglich stattfinden mit einer Intensität von nicht weniger als fünf bis zehn Stunden wöchentlich. Intensive Intervallbehandlungen können unter Umständen auch noch nach über einem Jahr erfolgsversprechend sein. In diesem Zusammenhang wurde erst kürzlich in der Fachzeitschrift The Lancet eine Studie zur Wirksamkeit intensiver Sprachtherapie bei Aphasie nach einem Schlaganfall, der bereits ein halbes Jahr oder länger zurücklag, veröffentlicht. Die Ergebnisse, der von der Universität Münster geleiteten Untersuchungen, zeigen deutliche Kommunikationsverbesserungen nach einer mindestens dreiwöchigen Behandlung von zehn Stunden pro Woche bei chronischer Aphasie.

Die alltägliche Kommunikation mit Angehörigen und anderen Kontaktpersonen hilft aphasischen Personen sich stetig zu verbessern. Ein großes Maß an Geduld, Verständnis und Mitdenken für die Betroffenen ist dabei äußert wichtig. (Bild: Mangostar/fotolia.com)

Aufklärung und Beratung für Betroffene und Angehörige

Sprachtherapeutische Berufsgruppen, die Aphasietherapien durchführen, umfassen Logopädie, Atem-, Sprech- und Stimmlehre, klinische Linguistik und Sprachheilpädagogik. Sind neben der sprachlichen Fachexpertise auch weitere Kenntnisse aus dem Bereich der Sozial- und Sonderpädagogik sowie der Psychologie vorhanden, kann sich dies sehr positiv auf eine Behandlung auswirken.

Es kann wichtig sein, die Betroffenen aufzufangen und Ihnen Hilfestellung zu leisten, um mit der großen Umstellung im Leben und psychischen Belastung umzugehen. Da die gesamte kommunikative Kompetenz mehr oder weniger stark eingeschränkt ist, kommt es im alltäglichen Miteinander vielfach beidseitig zu Missverständnissen und Frustrationserlebnissen. Dies kann mittels kompetenter Aufklärung, Beratung und Unterstützung verbessert werden und zu weniger Problemen im Alltag führen.

Für Angehörige ist es beispielsweise wichtig zu wissen, dass eine Störung des Sprachverständnisses keineswegs mit einer Schwerhörigkeit gleichzusetzen ist und daher eine lautstarke Kommunikation auch keine Abhilfe schafft. Das stille Abwarten bei langen Gesprächspausen oder das geduldige Zuhören bei einer beschleunigten Sprache einer aphasischen Person ist unabdingbar, um nicht noch mehr Stress und Zeitdruck zu erzeugen. Für die Kontaktpersonen bedeutet das häufig, in einem längeren Prozess zu erlernen, die Betroffenen nicht zu unterbrechen. Denn mit dieser meist gut gemeinten Hilfe erzeugt man in aller Regel nur mehr Verwirrung und Blockaden. Um Menschen mit einer Sprachstörung zu unterstützen und zu helfen, bedarf es ein großes Maß an Verständnis und Mitdenken.

Je nach Bedarf und Möglichkeit können auch passende Kommunikationshilfen beispielsweise in Form von bestimmten Gesprächstechniken, Buchstabentafeln, Bildermappen oder aber speziellen Computern eingesetzt werden, um den Ausdruck und das Verstehen von Bedürfnissen zu erleichtern.

Unterstützende alternative Behandlungsmöglichkeiten

Einer Aphasie liegt zumeist eine Läsion des Gehirns als Teil des zentralen Nervensystems (ZNS) zugrunde, oft verursacht durch einen Hirninfarkt oder eine Schädel-Hirnverletzung. Alternative Behandlungsmethoden können den natürlichen Heilungsprozess dieser Art von Verletzungen (besonders im Anfangsstadium) fördern. Auch im Umgang mit der neuen Lebenssituation, die oft zu Stress und einer psychischen Belastung führt und in Folge gegebenenfalls Ängste, Depressionen oder andere psychische Störungen hervorruft, können alternative Heilmethoden für die Betroffenen hilfreich sein.

Naturheilkunde

Die häufigsten angewandten Naturheilverfahren stellen vorranging entgiftende, milieuregulierende und aufbauende Maßnahmen. Dies kann zum Beispiel mittels einer Phytotherapie, einem klassischen Ausleitungsverfahren oder einer regulierenden Milieutherapie erreicht werden. Einer Entgiftung des Körpers, unter anderem durch eine Ausleitungstherapie und Aktivierung von Entgiftungsorganen (Leber und Nieren), sind durch die Dauermedikation mit blutverdünnenden und blutdruckregulierenden Arzneimitteln Grenzen gesetzt. Diese Medikamente sind bei vielen Betroffenen wegen eines erhöhten Schlaganfallrisikos unverzichtbar.

Homöopathie

Homöopathische Konstitutionsmittel werden in der klassischen oder prozessorientierten Homöopathie individuell nach den jeweiligen körperlichen und psychischen Symptomen ermittelt und lassen sich eindeutig bestimmten Erkrankungen zuordnen. Darauf verweist auch Dr. med. Karl-Heinz Friese, Autor des Buches „Homöopathie in der HNO-Heilkunde“.

Laut Dr. Friese, der in seiner ärztlichen Praxis Schulmedizin und Komplementärmedizin verbindet, kann im Allgemeinen jedoch eine Behandlung mit Arnika bei einer Aphasie nach einem Schlaganfall positiven Einfluss haben. Echte Arnika (Arnica montana), auch bekannt als Bergwohlverleih, ist ein bewährtes Wundheilmittel, das bei körperlichen Verletzungen und Quetschungen genauso eingesetzt wird wie bei Verletzungsschocks und psychischen Traumata. Letztere können beispielsweise seelische Belastungszustände sein, die auch durch einen plötzlichen Verlust (hier: Sprachverlust) entstehen können.

Empfohlen wird die Therapie mit Arnika D12 zu beginnen und später mit einer Hochpotenz fortzusetzen. Von der Selbstmedikation mit Hochpotenzen wird allerdings dringend abgeraten, es sollte bei dieser Therapieform immer eine fachkundige ärztliche oder homöopathische Beratung und Begleitung stattfinden.

Akupunktur

Der Einsatz von Akupunktur, eine alte Therapieform aus dem Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), zielt auf eine Harmonisierung des Energieflusses ab. Durch die Aktivierung von Nervenfasern, die wiederum auch Rückenmark, Mittelhirn und Großhirnareale beeinflussen, kommt es zur Freisetzung von Neurohormonen mit stimulierenden Auswirkungen.

Prof. Dr. M. Ptok, Leiter der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie in Hannover berichtete in der Zeitschrift „Sprache-Stimme-Gehör” (Ausgabe 31(3)/2007) von Ergebnissen chinesischer Wissenschaftler zu einer positiven Wirkung von Akupunktur, auf die Sprachfähigkeit bei bestehender Aphasie. Bei einem großen Teil von Untersuchten wurden nach Akupunkturbehandlungen Verbesserungen für bestimmte Lautbildungen verzeichnet. Insbesondere bei einer motorischen Aphasie scheint dies demzufolge eine wirksame Zusatzbehandlung darzustellen.

Bei Sprachverständnisstörungen (sensorische Aphasie) hingegen eignen sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen eher Biofeedbackverfahren, wobei den Betroffenen die Rückmeldungen der eigenen physiologischen Vorgänge (etwa zur Hirnaktivität und Herzfrequenz) hilft, die gestörte Eigenwahrnehmung zu verbessern.

Alternativ können verschiedenste Behandlungsformen die Heilung nach einem Schlaganfall unterstützen. Die Akupunktur hat sich beispielsweise bei einer motorischen Aphasie als förderlich erwiesen. (Bild: New Africa/fotolia.com)

Entspannungsverfahren und Hypnose

Für die Sprachtherapie gilt es eine möglichst entspannte Atmosphäre für einen guten Lernerfolg zu schaffen. Dabei bewirken der generelle Entspannungseffekt und die Verminderung von Stressreaktionen bei den Betroffenen, dass sie besser auf die eigene Sprache zugreifen zu können. Dahingehend bieten sich Hausmittel zum Stressabbau als zusätzliche unterstützende Maßnahmen an, unter anderem auch verschiedenste Entspannungsmethoden wie Progressive Muskelrelaxation (PMR), Autogenes Training (AT), Meditation und Atemübungen.

In der Hypnotherapie, bei der ebenso ein Entspannungszustand entsteht, kann darüber hinaus symbolisch und bildhaft der Sprachfluss angeregt werden, etwa mit der Vorstellung eines fließenden Gewässers, das auf Hindernisse stößt und diese „fließend“ bewältigt. Weil in Hypnose mit unbewussten Prozessen gearbeitet wird, können auch Menschen mit schweren intellektuellen Einbußen und verminderter Konzentrations- und Merkfähigkeit von dieser Art von Behandlung profitieren (Revenstorf und Burkhard, 2001).

Weitere alternative Therapieansätze

Eine Reihe weiterer, insbesondere pädagogisch und psychologisch ausgerichteter, Alternativen werden ebenfalls mit Erfolg in der Aphasiebehandlung eingesetzt. Dazu zählen zum Beispiel tiergestütze Therapien und Gartentherapie. Der Entspannungseffekt und die heilende Wirkung der Natur unterstützen dabei auf dem Weg „zurück zur Sprache“.

Auch eine gesunde, vollwertige und möglichst naturbelassene Ernährung mit einer ausreichenden Aufnahme an Wasser fördert den allgemeinen Gesundheitszustand und unterstützt die notwendige Leistungsfähigkeit und Regeneration des Körpers. Bestimmte Vitamine und Mineralstoffe können außerdem als Nahrungsergänzung eingesetzt werden, um den Stoffwechsel zu optimieren. (jvs, cs)

Literatur und weitere Informationen:

  • Friese, K.-H. (2005): Homöopathie in der HNO-Heilkunde: Gezielte Behandlung mit bewährten Indikationen. 4. Auflage. Hippokrates Verlag, Stuttgart.
  • Lutz, L. (2010): Das Schweigen Verstehen – Über Aphasie. 4. Auflage, Springer-Verlag Berlin Heidelberg.
  • Ptok, M. (2007): Relaxationstherapie und Akupunktur bei Kommunikationsstörungen. Sprache-Stimme-Gehör 31 (03), Thieme, Stuttgart, New York.
  • Revenstorf, D. und Burkhard, P. (Hrsg.) (2001): Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Springer-Verlag Berlin Heidelberg.
  • Gesellschaft für Aphasieforschung und -behandlung e.V.
  • Bundesverband Aphasie e.V.