Eisenspeicherkrankheit – Symptome, Entstehung und Therapie

Ältere Frau liegt müde im Bett

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ICD-Codes für diese Krankheit: E83.1 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Hämochromatose: Eine schädliche Eisenüberladung im Körper

Die Hämochromatose, auch Eisenspeicherkrankheit genannt, ist eine chronische Krankheit, bei der das Spurenelement Eisen aus der Nahrung vermehrt aufgenommen wird und sich in zentralen Organen ablagert. Langfristig kann diese übermäßige Eisenbelastung zu erheblichen Schäden etwa an Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse und Gelenken führen. Die Erkrankung in der primären Form ist genetisch bedingt und daher nicht heilbar. Um die Gesundheit trotz Hämochromatose zu erhalten, gilt der Aderlass als erste Wahl bei der Therapie. Dies ist ein sehr altes Ausleitverfahren der ganzheitlichen Medizin.


Definition und Ursachen

Bei der Hämochromatose handelt es sich um eine in erster Linie erbliche Eisenspeicherkrankheit, bei der zu viel Eisen (Ferrum) resorbiert wird und sich im Gewebe verschiedener Organe ablagert beziehungsweise anreichert. Als Spätfolgen können infolge der toxischen Wirkung Organschäden auftreten.

Die häufigste Form ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die auch als primäre oder hereditäre (angeborene) Hämochromatose bezeichnet wird. Abhängig davon welche Genmutation vorliegt, werden vier verschiedene Typen unterschieden.

Ältere Frau liegt müde im Bett
Die ersten Anzeichen einer Eisenüberlastung sind eher unspezifisch, wie beispielsweise eine chronische Müdigkeit, die viele Ursachen haben kann. (Bild: Prostock-studio/fotolia.com)

Typ eins ist die in Europa und auch in Deutschland am häufigsten auftretende Form und auch eine der häufigsten autosomal-reszessiv vererbten Stoffwechselstörungen. Europaweit wird die Häufigkeit der in Erscheinung tretenden Krankheiten mit etwa eins zu eintausend Personen angegeben, wobei Männer deutlich häufiger betroffen sind. Auch sind Frauen meist erst in einem höheren Lebensalter betroffen (nach den Wechseljahren), wahrscheinlich aufgrund des vermehrten Eisenbedarfs im gebärfähigen Alter.

Die Typ eins-Erkrankung wird auch als klassische (adulte) Hämochromatose bezeichnet, bei der eine Mutation des sogenannten HFE-Gens auf Chromosom 6 vorliegt. Wurde das mutierte Gen von beiden Elternteilen weitergegeben, manifestiert sich die Erkrankung (mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu fünfundzwanzig Prozent) typischerweise im Alter von dreißig bis fünfzig Jahren. Die Folge ist eine Störung des Eisenstoffwechsels mit einer erhöhten Eisenaufnahme über den Darm. Die juvenile Form (Typ zwei), die sich vor dem dreißigsten Lebensjahr äußert, ist hingegen sehr selten.

Abzugrenzen ist die sekundäre Hämochromatose, die auf andere Grunderkrankung zurückzuführen ist. Häufig ist hierbei eine angeborene oder erworbene Fehlfunktion in der Blutbildung mit Blutarmut der Auslöser. Denn dieser Zustand steigert nicht nur die Eisenaufnahme im Darm, sondern erfordert zusätzliche Bluttransfusionen. Dadurch wird der Körper mit Eisen überfrachtet. Beispiele für eine genetische Erkrankung in diesem Zusammenhang sind die Thalassämie oder die Sichelzellanämie. Das Myelodysplastische Syndrom oder die Myelofibrose sind hingegen Beispiele für erworbene Krankheiten, die das Knochenmark und die dortige Blutbildung stören. Außerdem können Alkoholismus und chronische Lebererkrankungen zu einer sekundären Eisenspeicherkrankheit führen.

Der Begriff Hämosiderose (oder Siderose) wird manchmal synonym für Hämochromatose gebraucht. Dieser Begriff leitet sich vom Hämosiderin ab, einem eisenhaltigen Proteinkomplex, der in bestimmten Immunzellen Eisen speichern kann. Dies kann generell auch sehr lokal stattfinden und ohne Gewebeschäden verlaufen.

Leber gesund und krank
Chronische Lebererkrankungen können zu sekundären Hämochromatosen führen, sowie auch Organschäden an der Leber eine schwerwiegende Spätfolge der Eisenspeicherkrankheit sind. (Bild: eranicle/fotolia.com)

Symptome

Die ersten Symptome der Erkrankung sind eher unspezifisch, wie chronische Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Bauchschmerzen beziehungsweise Oberbauchschmerzen. Auch können Hormonstörungen zu einer nachlassenden Libido führen und bei Frauen eine Veränderung der Menstruation sowie bei Männern eine Impotenz hervorrufen.

Spätere Folgebeschwerden, die heutzutage aufgrund früherer Diagnosen seltener auftreten, sind typischerweise Diabetes und eine dunkle Hautpigmentierung (auch Bronzediabetes genannt) sowie Leberschäden.

Die langfristige Überlastung mit Eisen verursacht in der Leber Zellschäden, die zu einer Leberzirrhose führen können und somit zu einer Organfunktionsstörung. Aber auch andere Organe und Strukturen können angegriffen werden. So treten beispielsweise Vergrößerungen der Milz (Splenomegalie), Herzbeschwerden durch Schädigung der Herzmuskulatur (Kardiomyopathien) oder Gelenkerkrankungen auf.

Weitere schwere Folgen stellen Krebserkrankungen dar, wie etwa Leberkrebs oder Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Krankheitsentstehung

Bei der klassischen vererbten Hämochromatose, unter Beteiligung des HFE-Gens, kommt es durch die spezifische Genmutation zu einer Störung des Regulierungsmechanismus für die Eisenaufnahme über die Dünndarmschleimhaut. Die Eisenresportion wird entsprechend des Bedarfs hauptsächlich von dem – in der Leber synthetisierten – Protein Hepcidin und dem HFE-Protein gesteuert. Hepcidin hemmt die Aufnahme von Eisen aus dem Darm indem es an den zellulären Eisenexporter (Ferroportin) bindet. Das HEF-Protein registriert den Eisengehalt und wirkt entsprechend auf die Hepcidinproduktion. Liegt auf dem HFE-Gen eine entsprechende Mutation vor, wird dieser Mechanismus mittels Hepcidin gestört und es kommt zu einer dauerhaften übermäßigen Resorption von Eisen.

Diagnose

Aufgrund der anfänglich eher uncharakteristischen Symptome lässt sich oftmals nur schwer eine Diagnose stellen. Neben der Anamnese und klinischen Untersuchungen geben in erster Linie bestimmte Blutwerte (Eisenwerte) die entscheidenden Hinweise auf eine Eisenspeicherkrankheit, aber auch andere Untersuchungsmethoden werden herangezogen.

Blutprobe für Eisenwert
Die Bestimmung von verschiedenen Eisenwerten im Blut liefert zentrale Ergebnisse für die Diagnose einer Eisenüberbelastung. (Bild: jarun011/fotolia.com)

Blutuntersuchungen

Eisen wird nach der Aufnahme über die Nahrung zu einem Großteil auch wieder ausgeschieden. Der im Körper verbleibende Anteil wird etwa zu zwei Drittel im Blut an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden, um die Sauerstoffversorgung des Körpers zu gewährleisten. Da freies Eisen schädlich für den Organismus ist, wird der restliche Anteil an Proteine gekoppelt und in Zellen gespeichert (überwiegend in Leber, Milz, Darm und Knochenmark). Ein wichtiges Eiweißmolekül ist in diesem Zusammenhang das Transferrin, welches das gebundene Eisen in die entsprechenden Organe und Gewebe weitertransportiert, wo es dann zusammen mit dem Eiweiß Ferritin abgelagert wird.

Um einen Eisenüberschuss festzustellen, ist daher die Bestimmung von Eisen, Ferritin und Transferrin im Blut wichtig. Dafür werden in der Regel drei Laborwerte ermittelt: der Ferritin-Wert (Serum- oder Plasma-Ferritin), die Transferritin-Sättigung und die Serumeisenkonzentration.

Der Ferritin-Anteil im Blutplasma oder Serum verhält sich in aller Regel proportional zur Menge des gespeicherten Eisens im Körper. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass die Normalwerte aufgrund von Alter, Geschlecht und auch je nach Eisenbedarf variieren. Zudem können die Referenzwerte bei verschiedenen Messungen unterschiedlich sein können. Erhöhte Werte bei Erwachsenen liegen etwa bei mehr als zweihundert Mikrogramm pro Liter (Frauen) beziehungsweise bei dreihundert Mikrogramm pro Liter (Männer) vor. Bei einer primären Hämochromatose sind die Werte allerdings oft deutlich erhöht mit mehr als tausend Mikrogramm pro Liter. Für sich alleine gesehen stellt dieser Wert aber keine sichere Diagnose.

Die Transferritin-Sättigung gilt als der aussagekräftigste Wert. Liegt die Sättigung bei Frauen über fünfundvierzig Prozent und bei Männern über fünfzig Prozent, liegt mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit eine Eisenspeicherkrankheit vor. Andersherum schließt eine normale Sättigung diese Erkrankung auch weitestgehend aus.

Bei der Serumeisenkonzentration besteht keine direkte Korrelation mit dem Eisenspeicher. Meistens zeigen sich bei Betroffenen aber auch hierfür erhöhte Werte, die über hundertsiebzig Mikrogramm pro Milliliter liegen.

In vielen Fällen wird die Eisenspeicherkrankheit mittels dieser Parameter zufällig bei Blutuntersuchungen entdeckt.

Gendiagnostik

Um einem Krankheitsverdacht weiter nachzugehen, kann heutzutage mit Hilfe von Gentests ein Nachweis oder Ausschluss entsprechender Genmutationen des HFE-Gens erbracht werden. Dabei gilt das Hauptaugenmerk der Mutation „C282Y“, denn bei bis zu neunzig Prozent aller Betroffenen mit einer klassischen Hämochromatose liegt hierfür eine Homozygotie vor. Das bedeutet, dass das väterliche sowie das mütterliche HFE-Gen die Mutation aufweisen. Wird dies bestätigt, gilt unter Berücksichtigung der anderen Untersuchungsergebnisse die Diagnose als gesichert.

Es wird empfohlen bei einer nachgewiesenen Mutation auch ein systematisches Screening von Familienmitgliedern durchzuführen.

Leberuntersuchungen

Lassen die vorausgegangenen Ergebnisse noch keine sichere Diagnose zu, kann in Einzelfällen eine nähere Untersuchung der Leber erforderlich werden. Davor gilt es allerdings eine Reihe von Faktoren und Risiken zu berücksichtigen. Kommt es zu einer Gewebeentnahme (Biopsie) aus der Leber, ist neben der histologischen Untersuchung vor allem eine biochemische Bestimmung der Eisenkonzentration in der Leber aussagekräftig (Berliner-Blau-Färbung).

Auf weitere Untersuchungsmethoden mittels MRT und Biomagnetometrie wird im Allgemeinen verzichtet.

Liegen bereits Organschäden oder Folgebeschwerden vor, werden zur Ermittlung des jeweiligen Zustands weitere Untersuchungsmethoden eingesetzt.

Blutabnahme Armbeuge
Die erste Therapiewahl bei einer Eisenspeicherkrankheit ist in den meisten Fällen der Aderlass, eine altbewährte Heilmethode der ganzheitlichen Medizin. (Bild: Klaus Eppele/fotolia.com)

Behandlung

Eine Therapie zielt im Allgemeinen darauf ab, die Eisenbelastung zu verringern. Die möglichen Maßnahmen sind relativ einfach und wenn sie rechtzeitig begonnen und regelmäßig vorgenommen werden auch sehr effektiv. Neben einer eisenarmen Ernährung werden die Aderlass-Therapie und die medikamentöse Therapie mittels Eisenchelatoren (Chelattherapie) empfohlen.

Aderlass-Therapie

Aderlass ist eine sehr alte Heilmethode, die auch zu den Ausleitverfahren in der ganzheitlichen Medizin gehört. Die Behandlung besteht in der Elimination von überschüssigem Eisen zusammen mit dem Blut. Eine entsprechende Verlaufskontrolle bieten die Blutuntersuchungen. Ist ein Ferritin-Wert von unter 50 Mikrogramm pro Liter erreicht, werden die Aderlässe zum Erhalt dieses Zustands regelmäßig aber in größeren Abständen weitergeführt.

Die Hämochromatose Vereinigung Deutschland HVD e. V. empfiehlt zu Beginn eine wöchentliche Entnahme von fünfhundert Milliliter Blut. Damit werden etwa zweihundertfünfzig Milligramm Eisen entfernt. Ausgehend von einem fortgeschrittenen Stadium sind bei dieser Vorgehensweise nach etwa eineinhalb Jahren die Eisenspeicher abgebaut. Danach kann die erforderliche Anzahl der Aderlass-Behandlungen individuell auf vier bis zwölf pro Jahr eingestellt werden.

Zeigt sich während der Therapie ein niedriger Hämoglobin-Wert, weist dies auf eine Blutarmut hin und die Behandlung muss gegebenenfalls unterbrochen werden. Alternativ kann eine Erythrozytapherese erfolgen, bei der nur die roten Blutzellen entnommen werden.

Chelattherapie

Die medikamentöse Therapie soll eine vermehrte Eisen-Ausscheidung über den Urin und Stuhl erreichen. Zum Einsatz kommen dabei sogenannten Chelatbildner, die Eisen binden und dann mit diesem zusammen ausgeschieden werden (insbesondere Deferoxamin oder Deferasirox).

Diese Therapieform kommt insbesondere bei Hämochromatosen mit Blutarmut in Betracht und bei sekundären Formen. Eine Reihe von Indikationsbedingungen (unter anderem das Lebensalter) sowie mögliche Risiken und Nebenwirkungen müssen vor Therapiebeginn geklärt sein. Zumeist wird die Therapie bei besonders hohen Eisenwerten begonnen.

Eisenarme Ernährung

Begleitend zu den anderen Therapiemaßnahmen kann ein Verzicht auf eisenreiche Lebensmittel (wie Fleisch und Innereien) oder eine Verringerung der Eisenaufnahme (beispielsweise durch das Trinken von schwarzem Tee zu den Mahlzeiten) eine weitere Anreicherung von Eisen im Körper eindämmen. Im Gegensatz zu wirksamen Hausmitteln bei Eisenmangel ist bei der Eisenüberladung eine Umstellung der Diät aber bei weitem nicht ausreichend. Eine regelmäßige Ausleitung des Eisens ist bei jeder Ernährungsform notwendig und in der Regel auch ausreichend.

Prognose

Liegt noch keine Leberzirrhose vor, ermöglicht eine erfolgreiche Therapie eine normale Lebenserwartung. Vorhandene Symptome können aber in der Regel nicht vollkommen beseitigt werden. Sind bereits schwere Organschäden eingetreten, werden auch Organtransplantationen notwendig. (jvs, cs)

Autor:
Dr. rer. nat. Corinna Schultheis
Quellen:
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 267., neu bearbeitete Auflage, De Gruyter, 2017
  • Herold, Gerd und Mitarbeiter: Innere Medizin. Selbstverlag Gerd Herold, 2019
  • Deutsche Gesellschaft für Humangenetik und Berufsverband Deutscher Humangenetiker (Hrsg.): Leitlinie zur molekulargenetischen Diagnostik der hereditären Hämochromatose, Stand 2008, gfhev.de
  • Gesellschaft für pädiatrische Onkologie und Hämatologie (Hrsg.): S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der sekundären Eisenüberladung bei angeborenen Anämien, Stand Juni 2015, AWMF-Registernr. 025/029, awmf.org
  • Gattermann, Norbert: Therapie der sekundären Hämochromatose, in: Deutsches Ärzteblatt International, Jahrgang 106, Heft 30, 2009, S. 499-504, aerzteblatt.de