Eisenwerte: Zu hoch, zu niedrig – Was sind die Folgen?

Wie sind die optimalen Eisenwerte

Menschen haben Eisen vermehrt in den roten Blutkörperchen, wobei dieser Wert um bis zu 20 Prozent schwanken kann. Ein Mangel an diesem wichtigen Spurenelement führt, ebenso wie ein Überschuss, zu Krankheitserscheinungen.


Die wichtigsten Fakten

  • Wird benötigt um Sauerstoff im Blut zu transportieren.
  • Da der Stoff mit der Nahrung aufgenommen wird, kann es leicht zu einem Mangel kommen.
  • Die Werte schwanken im Laufe des Tages und von Mahlzeit zu Mahlzeit.
  • Der Eisengehalt im Körper ist in der Regel eher zu niedrig, als zu hoch. Beide haben jedoch gemeinsam, dass Sie zu schweren Erkrankungssymptomen führen.
Eisen ist ein unerlässliches und wichtiges Spurenelement, welches unter anderem beim Sauerstofftransport im Blut eine wesentliche Rolle spielt. (Bild: Станислав Чуб/fotolia.com)

Wofür brauchen wir Eisen und wie nehmen wir es auf ?

Das Spurenelement transportiert den Sauerstoff im Blut und ist wichtig für die Oxidation, für die Energiebildung in den Zellen und für die Zellatmung. Auf diese Weise wird Sauerstoff im roten Muskelfarbstoff gespeichert. Der Transport des Sauerstoffs in die Zellen erfolgt gemeinsam mit dem Hämoglobin.

Wir führen uns den Stoff durch die Nahrung zu, jedoch gelangen nur circa zehn Prozent ins Blut, was um die fünf Milligramm entspricht. Da der Organismus Eisen nur in kleinen Portionen speichern kann, besteht ein fortlaufender Bedarf. Dies ist einer der Gründe, warum der Mangel am weitesten unter den Spurenelementen verbreitet ist, wobei insbesondere Frauen davon betroffen sind.

Worin ist Eisen enthalten?

Man findet es vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch, wobei Leber eine sehr hohe Konzentration enthält. Auch Hülsenfrüchte, Schwarzwurzeln, Möhren, Spinat und Nüsse enthalten veritable Mengen des Spurenelements. Zu beachten ist, dass der Körper tierische Quellen besser aufnehmen kann, als pflanzliche. Während Vitamin C die Verwertung verbessert, wirken Tee, Kaffee, Calcium und Phosphor eher hinderlich.

Wie lassen sich die Werte berechnen?

Der Eisenwert im Blut schwankt im Lauf des Tages, wobei er am Nachmittag den Hochpunkt erreicht und der Wert nachts am niedrigsten ist. Änderungen treten nach dem Essen auf. Im Blut bindet sich das Eisen an ein Eiweiß namens Transferrin, welches den Transport innerhalb des Körpers vornimmt. Kommt es zur Speicherung von Eisen, bindet es sich an das Eiweiß Ferritin. Heutzutage stellen Ärzte einen Eisenmangel oder einen -überschuss nicht mehr über die Messung des Eisenspiegels fest, sondern über eine Messung der Transferrin-Sättigung. Betroffene können die Messung auch selbst durchführen, indem Sie einen solchen Test in einer Apotheke erwerben.

Anhand des Eisen-, Transferrin- und Ferritinlevels kann die Medizin die Ursache eines gestörten Eisenhaushaltes feststellen. Liegt eine Entzündung vor, sind der Gehalt an Eisen und Ferritin vermindert. Bei Schwangeren erhöht sich hingegen der Eisengehalt im Blut. Der Ferritinlevel sinkt, was impliziert, dass das Eisen sich schlecht an das Eiweiß bindet und nicht gespeichert werden kann.

Niedrige Eisenwerte

Auslöser kann zum Beispiel eine Ernährung mit zu wenig Eisen sein, jedoch besteht auch die Möglichkeit, dass Faktoren vorliegen, welche die Eisenaufnahme erschweren. Hierzu gehört insbesondere der Alkoholismus. Ebenso kann Sport zu einer Unterversorgung mit Eisen führen, da wir bei großen Anstrengungen Mineralstoffe und Spurenelemente über den Schweiß und die Nieren verlieren. Weitere mögliche Auslöser sind Darmerkrankungen, Tumore, Verdauungsprobleme, Nierenleiden und innere Blutungen.

Eine wesentliche Ursache für einen Eisenmangel ist bei Frauen eine starke Monatsblutung, welche mit Endometriose (Verdickungen in der Gebärmutterwand) verbunden ist. Da Schwangere und Stillende regelmäßig an Eisenmangel leiden, sollten Sie zusätzlich Eisen aufnehmen.

Unterschiede in Industrie- und Entwicklungsländern

In den Industrieländern sind Blutverluste durch Menstruation, Unfälle, Tumore oder chronische Entzündungen die Hauptursachen für das Auftreten eines Eisenmangels. In Entwicklungsländern hingegen sind die wichtigsten Ursachen bakterielle Erkrankungen wie Tuberkulose und durch Parasiten ausgelöste Krankheiten wie Malaria oder eine Mangelernährung.

Brüchige Nägel, eingerissene Mundwinkel sowie trockene Haut sind nur einige Symptome, die auf einen Eisenmangel hindeuten. (Bild: fotoduets/fotolia.com)

Wie zeigt sich ein Eisenmangel?

Zu Beginn kann der Körper eine Unterversorgung noch kompensieren, wobei sich die ersten Frühsymptome bemerkbar machen. Typische Symptome sind trockene Haut, splissige Haare, brüchige Nägel, eingerissene Mundwinkel, veränderte Schleimhäute im Mund und ein brennendes Gefühl auf der Zunge.

Längerfristig führt Eisenmangel zu einer speziellen Form der Blutarmut. Symptomatisch sind dafür Blässe, chronische Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein, wobei erwähnt sein sollte, dass Betroffene leicht frieren. Obendrein sinkt die Leistungsfähigkeit der Personen, sodass sie sehr leicht erschöpfen. Da Schwindel und Kopfschmerzen ebenfalls zu den Begleiterscheinungen gehören, vermuten Menschen, die nichts von der Ursache wissen, dass Sie sich einen grippalen Infekt zugezogen oder zu viel negativen Stress haben. Jedoch gehören klassische Erkältungssymptome wie Schnupfen und Husten nicht zu einem Eisenmangel, zumal das Fieber ausbleibt. Ganz im Gegenteil – Betroffene können sogar an einer Untertemperatur leiden. Des Weiteren können Gelenkschmerzen auftreten und die Haut kann sich bronzefarben färben. Starke Blutungen, Erkrankungen im Verdauungssystem, Diäten und Schwangerschaften können zu einer Eisenmangelanämie führen.

Eisenmangel als Verteidigung

Jedoch muss ein solcher Mangel und die einhergehende Blutarmut bei Infektionen nicht immer negativ sein, denn Bakterien und Parasiten benötigen ebenfalls Eisen, da sie andernfalls nicht überleben können. Zur Bekämpfung von Infektionen bildet der Körper Zytokine, welche die Körpertemperatur erhöhen, was die Eisenverfügbarkeit im Blut vorübergehend erschwert und das Wachstum der Erreger behindert. Folglich wäre eine erhöhte Eisenzufuhr hier kontraproduktiv.

Wie kommt es zu einem erhöhten Eisenwert?

Wenn Sie einen Mangel an Vitamin B12 haben oder Ihr Körper zu wenig Folsäure enthält, führt dies zu einer Steigerung der Eisenwerte. Jedoch kann dies auch ein Hinweis auf eine Krankheit sein. Bei einer Hämochromatose, einer Eisenspeicherkrankheit, kann der Körper zum Beispiel Eisen nicht mehr hinreichend speichern, was zu einer Erhöhung der Eisenwerte im Blut führt. Diese kann aber auch über virale Infekte der Leber ausgelöst werden kann. Begünstigende Mittel können auch die Antibabypille, Östrogen, Cortison, Eisenpräparate und Erythrozyten-Konzentrate sein.

Die Ursachen sind im Einzelnen:

  • Hämolytische Anämie – eine Form der Blutarmut, welche durch die Zerstörung roter Blutkörperchen entsteht;
  • Aplastische Anämie – eine durch verminderte Zellbildung im Knochenmark ausgelöste Blutarmut;
  • Bluttransfusionen;
  • zu hohe Eisenzufuhr;
  • Blutkrebs (Leukämie);
  • Hepatitis und Alkoholismus.

Wann zum Arzt?

Sollten Sie an Krankheiten wie Hepatitis oder Leukämie leiden oder Blut infolge von Unfällen oder Operationen verloren haben, misst das medizinische Personal in jedem Fall ihre Eisenwerte. Liegt hingegen keine dieser Krankheiten vor, sollten sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, wenn Sie

  • chronisch müde sind,
  • sich dabei kaum konzentrieren können, Ihnen „alles zu viel“ ist,
  • Sie gleichzeitig unter Schwindel und Kopfschmerzen leiden,
  • Sie starke Menstruationsblutungen haben und sich, davor und währenddessen, sehr erschöpft fühlen.

Was tun gegen Eisenüberschuss?

In einem schweren Fall eines Überschusses hilft ein Aderlass. Hierbei wird über eine eingeführte Nadel Blut aus einer Vene abgezapft. An der Krankheit „Polycythaemia vera“ leidende Personen produzieren zum Beispiel zu viele Blutkörperchen, welche durch mehrfache Aderlässe reduziert werden können, was den Eisengehalt senkt.

Sogenannte „Superfoods“ helfen nicht nur präventiv vor einem möglichen Eisenmangel, sie sind auch empfehlenswert, wenn der Eisenmangel bereits eingesetzt hat. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Was tun gegen Eisenmangel?

Sollten Sie einem möglichen Eisenmangel vorbeugen wollen, empfiehlt sich eine eisenreiche Ernährung mit circa 10-20 mg am Tag. Hat der Eisenmangel bereits eingesetzt, können Sie sich mit „Superfoods“ wie Pistazien, Pfifferlingen, Leberwurst, gebratener Leber oder Herz versorgen. Als Vegetarier greifen Sie auf Rote Beete, Erbsen, Bohnen und Linsen zurück.

Verzichten Sie auf Rhabarber und Spinat (Oxalate), Mais und Reis (Phytate), schwarzen Tee und Kaffee (Tannine). Setzen Sie lieber auf förderliche Lebensmittel mit Vitamin C: Orange, Zitrone, Grapefruit, Limone, Paprika oder Brokkoli.

Wie verbreitet ist Eisenmangel?

In Deutschland leiden circa drei Prozent der Männer und um die zehn Prozent der Frauen an Eisenmangel.

Nahrungsergänzungsmittel

Achtung: Bevor Sie sich Eisen als Nahrungsergänzung in Form von Präparaten zuführen, sprechen Sie dies im Vorfeld mit ihrem Arzt ab, damit dieser Ihnen eine Dosierung empfehlen kann. Wenn Sie zu viel Eisenpräparate zu sich nehmen, egal ob als Saft, in Form von Kapseln oder Tabletten, kann dies zu Magenproblemen, dunklem Stuhl, Erbrechen, Durchfall oder sogar zu einem Kreislaufzusammenbruch führen. (Dr. Utz Anhalt)