Schmetterlingskrankheit – Epidermolysis bullosa

Die sogenannte Schmetterlingskrankheit (Epidermolysis bullosa) hat ihren Namen nicht etwa, weil die Betroffenen schön sind wie ein Schmetterling – vielmehr ist ihre Haut so empfindlich „wie die Flügel eines Falters“. Bei Epidermolysis bullosa (EB) reißen geringste Belastungen Wunden in die Haut. EB ist eine seltene Gruppe von Krankheiten. Global leiden darunter 500.000 Menschen, also einer unter 17.000. Ursache sind Mutationen in rund 18 Genen. Es handelt sich um Gene, die die Strukturproteine der Haut festlegen. Diese Strukturproteine sorgen dafür, dass die oberste Hautschicht an der darunterliegenden haftet. Bei der Schmetterlingskrankheit können die Hautschichten nicht aneinanderhaften – darum entstehen schmerzhafte Blasen selbst bei leichten Berührungen. Die Betroffenen leiden permanent an Wunden in der Haut, die täglich versorgt werden müssen.

Schmetterlingskrankheit – Kurzübersicht

  • Definition: „Schmetterlingskrankheit“, medizinisch Epidermolysis bullosa (EB), bezeichnet eine Gruppe von genetisch bedingten Erkrankungen.
  • Ursache: Betroffen sind circa 18 Gene, welche die Strukturproteine der Haut bestimmen und dafür sorgen, dass die oberste Hautschicht (Epidermis) und die darunterliegende aneinanderhaften.
  • Folgen: Da diese Gene mutieren, können die Hautschichten nicht so aneinanderhaften, wie sie es müssten, und dadurch bilden sich mit Flüssigkeit gefüllte Blasen.
  • Symptomatik: Je nachdem, welche der Gene wie mutiert sind, entwickeln sich verschiedene Formen der Krankheit, die sich in der Schwere der Symptome unterscheiden. Bei schwächeren Ausprägungen heilen die Blasen ohne Narben ab, schlimme Varianten zerstören großflächig die Haut, die Schleimhäute in Rachen und Speiseröhre.
  • Behandlung: Da es sich um eine erblich bedingte Erkrankung handelt, bedeutet Behandlung vorrangig, die Symptome zu lindern und den Betroffenen Lebensqualität zu ermöglichen.
  • Heilungschancen: Erfolgreiche Transplantationen genetisch intakter Eigenhaut führte bei drei Betroffenen dazu, dass diese wieder ein weitgehend normales Leben führen konnten und rettete zumindest einen Jungen vor dem sicheren Tod.
  • Forschungsstand: So vielversprechend dieser Durchbruch in der Heilung von EB auch ist, steht die Gentherapie mit Hauttransplantation noch ganz am Anfang.
Starke Rötungen, Blasen und eitrige Wunden auf dem Rücken einer Person.
Kennzeichnend für die Schmetterlingskrankheit ist, dass die Haut schon bei der kleinsten Erschütterung schmerzhafte Blasen bildet. (Bild: tibanna79/stock.adobe.com)

Ursache der Epidermolysis bullosa

Die Ursache für die Formen dieser Krankheit sind Gendefekte. Jedes einzelne Gen kann unterschiedliche Mutationen zeigen, die wiederum zu verschiedenen Krankheitsbildern führen. All diese Mutationen schaden jedoch den Ankerproteinen in der Haut, welche die Hautschichten zusammenhalten. Bei schwächeren Formen ist dieser „Klebstoff“ nicht so stark wie gewöhnlich, bei anderen fehlen ihm notwendige Substanzen völlig. Weil jetzt Flüssigkeit in den Zwischenraum eindringt, bilden sich Blasen – so wie bei gesunden Menschen zum Beispiel durch Druckstellen in Schuhen.

Hinzu kommen bei den Betroffenen große Schmerzen selbst bei leichten Berührungen der Haut. Wissenschaftler vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin fanden zusammen mit dem EB-Netz, der Universität Köln und dem Zentrum für Seltene Erkrankungen in Köln durch eine Studie folgendes heraus: Der Gendefekt führt dazu, dass die Betroffenen das Protein Laminin-332 nicht bilden können. Dieses bremst das Weiterleiten von Berührungsreizen. Die Kranken fühlen deshalb Berührungen viel stärker und schmerzhafter als Gesunde.

Schmetterlingskrankheit – Symptome

Abhängig von den jeweiligen Gendefekten bildet sich die Krankheit unterschiedlich aus. Bei manchen Formen der EB haben die Betroffenen eine normale Lebenserwartung, bei anderen sterben sie bereits kurz nach der Geburt. Bei mittelschweren Formen überschreiten nur wenige das 40. Lebensjahr.

Bei schwächeren Varianten heilen die Blasen ohne Narben ab, in stärker bzw. stark ausgeprägten Fällen bleiben Narben und es entstehen Folgeprobleme. So können Zehen und Finger zusammenwachsen und Händeschütteln wird eine Qual. Gleiches gilt für Zähneputzen, wenn die Mundschleimhäute geschädigt sind. Folgen dieser Schleimhautschäden sind zum Beispiel Karies und Zahnausfall.

Gemeinsam ist diesen Formen der Erkrankung, dass sich Blasen auf der Haut bilden, die jucken und Schmerzen bereiten. Je nach Schwere der Erkrankung führen diese Blasen zu mehr oder weniger großen Wunden und Narben, die äußerlich denen von Verbrennungen ähneln. Während sich bei einer Verbrennung die Epidermis durch die Hitze löst, passiert dies bei Epidermolysis bullosa durch den fehlenden Kitt.

Wie gefährlich ist Epidermolysis bullosa?

Das Leben mit den Blasen, Wunden und Schmerzen ist eine Tortur. Schwerere Formen der Erkrankung können sogar tödlich enden. Warum? Zum einen kann bei einem Befall der Schleimhäute eine Blutvergiftung entstehen, ebenso durch infizierte Wunden auf der Haut. Eine solche Sepsis führt in wenigen Tagen zum Tod, wenn sie nicht schleunigst behandelt wird.

Zum anderen ist unser größtes Organ, die Haut, die wichtigste Schutzmauer des Körpers gegen Infektionen, und sie speichert zusätzlich Feuchtigkeit. Schwere Formen von EB haben ähnliche Auswirkungen wie großflächige Verbrennungen. Es bilden sich mehr oder weniger viele Infektionsherde, je nachdem, wie stark die Haut zerstört ist, zudem verlieren die Betroffenen massiv an Feuchtigkeit.

Formen der Schmetterlingskrankheit

Bei der Epidermolysis bullosa (EB) werden zwei Gruppen unterschieden:

  • Nichtdystrophische Epidermolysen
  • und dystrophische Epidermolysen.
Ein kleiner Junge klapptmit der Hand sein Ohr etwas nach vorne, um besser hören zu können.
Innenohrschwerhörigkeit zählt zu den typischen Symptomen der Epidermolysis progressiva. (Bild: photophonie/stock.adobe.com)

Nichtdystrophische Epidermolysen

Die nichtdystrophischen Epidermolysen werden wiederum in drei Subgruppen aufgeteilt, je nachdem, ob sie

  • autosomal-dominant,
  • autosomal-rezessiv
  • oder X-chromosomal rezessiv

vererbt wurden.

Autosomal-dominante Epidermolysen
Diese Gruppe von EB-Erkrankungen wird autosomal-dominant vererbt:

  • Bei Morbus Köbner leiden die Betroffenen an der Blasenbildung von Geburt an – sobald sie Hände, Ellenbogen, Knie, Fersen oder Füße belasten.
  • Bei Morbus Weber-Cockayne hingegen bilden sich die Hautblasen meist im Sommer, und zwar ab der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter. Leidtragende sind meist Jungen. Die Blasen heilen ab, ohne Narben zu hinterlassen.
  • Morbus Geddedahl ist von den Jahreszeiten unabhängig, besteht ein Leben lang, und betroffen sind die Hände und Füße.
  • Schließlich gehört auch der Morbus Dowling-Meara zu dieser Gruppe von Schmetterlingskrankheiten.

Autosomal-rezessive Epidermolysen
Hierzu gehört die Junktionale Epidermolysis bullosa (JEB), welche wiederum in zwei Formen, den Typ Herlitz (JEB-H) und den Typ non-Herlitz (JEB-nH), unterteilt wird. Sie besteht seit der Geburt. Hier bilden sich bluthaltige Blasen an der Haut, aber auch im Mund und den Bronchien.

Diese Form ist lebensgefährlich, da sie früher oder später zu einer bakteriell ausgelösten Blutvergiftung führt. Der non-Herlitz Typ wirkt sich hingegen nicht auf die Schleimhäute aus, hier entstehen Missbildungen an der Haut und den Nägeln.

Bei der Epidermolysis progressiva bilden sich die Blasen in der Kindheit. Zu den Symptomen gehören verformte Nägel, aufgerissene Haut und Schwerhörigkeit im Innenohr.

X-chromosal rezessive Epidermolysen
Zu dieser Subgruppe gehört die Dystrophia bullosa hereditaria – Typus maculatus seu Amsterdam. Hier kommt es zu

  • Pigmentverlusten,
  • Missbildungen an den Nägeln,
  • Mikrozephalie (zu klein gebildeter Kopf),
  • Fehlbildungen der Hornhaut
  • und einer Blaufärbung der Körperanhänge.

Weiterhin ist die Haut feucht-kalt und bisweilen wie ein Teig angeschwollen. Auch ein gestörtes Haarwachstum ist typisch, mit der Folge einer geringen Zahl von Haaren und kahlen Stellen auf dem Kopf.

Dystrophische Epidermolysen

Ach bei den dystrophischen Epidermolysen wird zwischen autosomal-dominant und
autosomal-rezessiv vererbten Formen der Erkrankung unterschieden.

Autosomal-dominante Epidermolysen
Hier ist erst einmal die Epidermolysis bullosa hereditaria dystrophica Pasini zu nennen. Im Bereich von Lendenwirbel und Kreuzbein und in der Falte, die das Gesäß in die Gesäßhälften teilt, bilden sich in der frühen Kindheit weiße Papeln, die langsam wachsen.

Bei der Epidermolysis bullosa hereditaria dominans bilden sich bei der Geburt Blasen an Akren und Po. Im Unterschied zu Morbus Weber-Cockayne zum Beispiel bleiben nach dem Abheilen Narben zurück. Schleimhäute erodieren und Nägel wachsen verformt.

Eine Frau hält sich beide Hände an den schmerzenden Hals.
Bei einigen Betroffenen sind auch die Mundschleimhaut und Speiseröhre von Blasen und Wunden betroffen, was massive Schluckbeschwerden zur Folge hat. (Bild: Racle Fotodesign/stock.adobe.com)

Autosomal rezessive Epidermolysen
Diese letzte Gruppe der Schmetterlingserkrankungen zeichnet sich generell dadurch aus, dass sich die Blasen ebenso spontan wie unterschiedlich zeigen. Typischerweise bildet sich eine sogenannte Klauenhand, ein Schaden an den peripheren Nerven, der die Verbindung zu den kurzen Fingermuskeln stört. Die Betroffenen empfinden Taubheit im Kleinfinger, am Kleinfingerballen und an der nach außen zeigenden Seite des Ringfingers.

Probleme im Alltag

Ein normaler Alltag ist für die Betroffenen mit Problemen verbunden. Sie müssen nicht nur permanent ihre Haut vor jedem Druck schützen, sondern auch kalorienreich essen und sich Vitamine und Mineralstoffe zuführen. Denn der Körper braucht eine Menge zusätzliche Energie, da er ständig damit beschäftigt ist, Wunden zu heilen. Die Blasen führen überdies zu einem Mangel an Eiweißen, Flüssigkeit und Eisen.

Als wäre das nicht genug, führen manche Formen von EB dazu, dass die Kranken vieles nicht essen können, weil ihre Schleimhäute in Speiseröhre und Darm beschädigt sind. Sie leiden unter chronischer Verstopfung und haben Beschwerden beim Schlucken.

Behandlung der Schmetterlingskrankheit

Epidermolysis bullosa hat genetische Ursachen. Deswegen ließen sich bisher nur die Symptome behandeln. Neuerdings versprechen genetisch veränderte Stammzellen der Betroffenen jedoch Hoffnung, indessen sind mögliche Komplikationen dieser neuen Therapie noch nicht erforscht.

Naturheilkunde und ganzheitliche Medizin

Methoden der Naturheilkunde wie das Aktivieren der Selbstheilungskräfte des Körpers durch abgestimmte Bewegungen, Sportarten, Hydrotherapie (Bäder, Waschungen), Wärme (Sauna, Heizkissen etc.), Kältereize, Heilpflanzen (Phytotherapie) können – wie auch andere Methoden der evidenzbasierten Medizin – nur bestimmte Symptome dieser genetisch bedingten Krankheit lindern.

Gentherapie heilt Epidermolysis bullosa bei Siebenjährigem

Ein sieben Jahre alter Junge, der an einer sehr schweren Form der Krankheit litt, kam 2015 in die Kinderklinik der Universität Bochum. Seine Haut war zu 60 Prozent zerstört. Normalerweise wäre außer Palliativmedizin, um die Leiden bis zum Tod zu lindern, nichts mehr möglich gewesen.

Einen Ausweg bot der italienische Arzt Michele de Luca. Dieser hatte 2017 mit einem Beitrag im Fachblatt „Nature Medicine“ Aufsehen erregt, da er den Nachweis gebracht hatte, dass sich die durch die EB mutierten Zellen der Haut durch eine Gentherapie korrigieren lassen.

Zwei Wissenschaftler arbeiten in einem Labor an Mikroskopen.
Wissenschaftlern gelang es, aus einem nur vier Quadratzentimeter kleinen Stück Haut insgesamt 0,85 Quadratmeter genetisch intakte Epidermis zu züchten. (Bild: rh2010/stock.adobe.com)

Wie aus dem Beitrag hervorgeht, wurden hierfür die betroffenen Hautzellen mit einem Retrovirus versehen, dass die gesunde Form des mutierten Gens enthält. War dieses intakte Gen erst einmal in der Zelle, pflanzte es sich in das Erbgut ein. Die Wissenschaftler züchteten daraufhin größere Hautstücke aus den derart korrigierten Zellen und transplantierten sie Erkrankten. In zwei Fällen war dies den Ärzten gelungen, doch die Haut des Jungen in Bochum war wesentlich großflächiger zerstört.

Aber es klappte. Aus einem Stück Haut von nur vier Zentimeter im Quadrat aus dem Bein des Jungen züchteten die Wissenschaftler genetisch intakte Epidermis – insgesamt 0,85 Quadratmeter. Der kleine Patient lag mit der transplantierten Haut acht Monate auf der Intensivstation, 2016 verließ er dann das Krankenhaus.

Risiken der Gentherapie

Ein Risiko bei einer solchen Gentherapie besteht darin, dass sich das intakte Gen an Stellen setzt, wo es die Regulation der Zelle stört, was Krebs auslösen kann. Die drei Patienten, die bisher mit der Transplantation gesunder Haut gerettet wurden, entwickelten jedoch keine Tumore, und das Gen ordnete sich auch nicht in Erbgut ein, aus dem sich Krebs entwickelt. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Chiang, Li-Yang; Poole, Kate; Oliveira, Beatriz E.; Duarte, Neuza et al.: Laminin-332 coordinates mechanotransduction and growth cone bifurcation in sensory neurons, in: Nature Neuroscience, Volume 14: 993–1000, 2011, Nature Neuroscience
  • Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC): Warum Patienten mit „Schmetterlingskrankheit“ extreme Schmerzen haben – MDC-Forscher entdecken Ursachen, Pressemitteilung Nr. 25, 4. Juli 2011, MDC
  • De Luca, Michele et al.: Regeneration of the entire human epidermis by transgenic stem cells, in: Nature, 551 (7680): 327–332, November 2017, PMC
  • Nyström, Alexander; Bornert, Olivier; Kühl, Tobias et al.: Impaired lymphoid extracellular matrix impedes antibacterial immunity in epidermolysis bullosa, in: PNAS 115 (4) E705-E714, Januar 2018, PNAS
  • Weiß, Hedwig; Prinz, Florian: Occupational Therapy in Epidermolysis bullosa: A holistic Concept for Intervention from Infancy to Adult, Springer, 2013
  • Lin, Andrew N.; Carter, D. Martin (Hrsg.): Epidermolysis Bullosa Basic and Clinical Aspects, Springer Verlag, 1992
  • Fine, Jo-David; Hintner, Helmut (Hrsg.): Life with Epidermolysis Bullosa (EB): Etiology, Diagnosis, Multidisciplinary Care and Therapy, Springer Verlag, 2008

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

ICD-Codes für diese Krankheit: Q81 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

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