Sluder-Neuralgie

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Definition, Ursachen und Behandlung der Sluder-Neuralgie

Die Sluder-Neuralgie (auch Sluder-Syndrom) ist ein umstrittener Erklärungsversuch von bestimmten Gesichtsschmerzen. Ursprünglich benannt wurde das Modell nach dem US-amerikanischen Hals-Nasen-Ohren-Arzt Greenfield Sluder aus St. Louis (1865-1908). Weitere Synonyme wie zum Beispiel Pterygopalatinumsyndrom oder Sphenopalatinumsyndrom weisen auf den möglichen Ursprung des Schmerzes hin, der sich zumeist im Bereich der Nase und Augen äußert. Klare Diagnosekriterien liegen bislang nicht vor, hingegen wird die Erkrankung meist als eine besondere Form von Clusterkopfschmerz definiert. Unter diesem Krankheitsbild fasst man periodische Kopfschmerzen zusammen, die keinen erkennbaren Zusammenhang mit einer vorliegenden Erkrankung haben. Das macht Diagnose und Behandlung äußerst schwierig.


Definition

Um das Krankheitsbild zu beschreiben ist es hilfreich sich ein genaueres Bild der betroffenen Körperregion und Nervenbahnen zu machen, die vermutlich ursächlich sind für die Schmerzattacken.

Anatomie und Physiologie der Sluder-Neuralgie

Im Mundraum befindet sich vor dem Kiefergelenk, in der sogenannten Flügelgaumengrube (Fossa pterygopalatina), ein Nervenknoten (Ganglion). Wegen seiner Nähe zum Keilbein (Os pterygoideum) und zum Gaumen (Palatinum) wird es Ganglion pterygopalatinum genannt. Die frühere Bezeichnung „Ganglion sphenopalatinum“ leitete sich von der Nähe zu einer Knochenöffnung ab, die Formane sphenopalatinum genannt wird. Das Ganglion ist eine Umschaltstelle für parasympathische Nerven. Dieser Teil des vegetativen (autonomen) Nervensystems ist unter anderem für nach innen gerichtete Verdauungs- und Regenerationsprozesse zuständig. Im Ganglion pterygopalatinum werden die Nervenfasern für die Nasen-, Gaumen-, Rachen- und Tränendrüsen und für die Gefäße von Gesicht und Gehirn verschaltet.

Die Sluder-Neuralgie ist eine mögliche Erklärung für wiederkehrende, relativ kurze Schmerzattacken im Bereich der Nase und Augen. (Bild: puhhha/fotolia.com)

Das Erklärungsmodell

Sluder vertrat die Ansicht, dass es bei bestimmten Gesichtsneuralgien zu einer reflektorischen Reizung von Fasern des Trigeminusnervs (fünfter Hirnnerv, Nervus trigeminus) kommt. Er behandelte dies, indem er Alkohol in das Ganglion spritzte. Zwar ziehen sich vom zweiten Hauptast des Trigeminusnervs (Nervus maxillaris) sensible Fasern durch das Ganglion pterygopalatinum, aber nach bisherigen anatomischen Kenntnissen findet kein Austausch statt. Fasern des vegetativen Nervensystems aus dem Ganglion nutzen aber den Nervus trigeminus und seine Verzweigungen, um die entsprechenden Reize und Impulse zu ihren Zielorganen zu leiten.

Symptome

Die Symptome während einer Schmerzepisode dauern meist nicht länger als 20 Minuten und können mit Niesanfällen einhergehen. Die betroffen Körperregionen sind überwiegend im Gesicht, aber es kann auch zu Ausstrahlungen des Schmerzes in Hals, Nacken und Schulter kommen. Am häufigsten leiden die Betroffenen unter Schmerzen in den Bereichen des inneren Lidwinkels, mit Augapfel und Nase beziehungsweise Nasenwurzel, sowie des Oberkiefers und Gaumens. Es kann außerdem eine Empfindungsverminderung (Hypästhesie) im Bereich des Mund- und Rachenraums auftreten oder sogar zu einer halbseitigen Lähmung des Gaumensegels kommen.

Ursachen und Diagnose

Der Erklärungsversuch von Sluder als Ursache für eine bestimmte Form der Gesichtsneuralgie ist bis heute nicht ausreichend validiert. Es gibt unterschiedliche Meinungen ob das Sluder-Syndrom neben dem Clusterkopfschmerz als eine eigene Krankheit zu definieren ist. Daher findet man derzeit keine eigenen Diagnosekriterien.

Über die Entstehung von Clusterkopfschmerzen ist bislang noch wenig bekannt und es werden verschiedenste Ursachen angenommen. Meist bildet die genaue Befragung von Patienten zur Symptomatik des auftretenden Kopfschmerzes beziehungsweises Gesichtsschmerzes die Basis für die relativ schwierige Diagnosestellung. Die Symptome werden nach der „Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen“ (IHS Klassifikation ICHD-II, aktuell ICHD-III) eingeordnet. Folgt daraus die Diagnose Clusterkopfschmerz, werden dieser auch Synonyme wie Sluder-Neuralgie, Neuralgie des Ganglion sphenopalatinum oder auch Vidianusneuralgie, als weitere mögliche Varianten der Sluder-Neuralgie, zugeordnet.

Reizzustände des Trigeminusnervs (fünfter Hirnnerv) führen vermutlich zu bestimmten Gesichts-Neuralgien. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Bei der abzugrenzenden Differenzialdiagnose einer Trigeminusneuralgie (Reizzustand des Nervus trigeminus) kommt es zu einseitigen Kopfschmerzattacken mit Begleitsymptomen wie tränenden Augen. Bei dieser Erkrankung ist häufig der zweite und dritte Ast des Trigeminusnervs betroffen. Diese Diagnose kommt der Beschreibung der Sluder-Neuralgie sehr nahe.

Behandlung

Aufgrund der relativ kurzen Zeitdauer der Schmerzattacken steht die prophylaktische Behandlung im Vordergrund, wobei zunächst eine entsprechende medikamentöse Therapie durchgeführt wird. Zeigen Medikamente keinen Erfolg, kann gegebenenfalls auch ein operativer Eingriff zur Schmerzbeseitigung in Betracht gezogen werden. Der genaue Behandlungsablauf sollte von erfahrenen Experten festgelegt und begleitet werden.
Für einen Behandlungserflog ist prinzipielle eine klare Diagnose grundlegend. Dies ist bei der Sluder-Neuralgie aufgrund fehlender, anerkannter Diagnosekriterien problematisch. Für Clusterkopfschmerzen und ähnliche Diagnosen wurde 2016 von der Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) eine überarbeitete Leitlinie veröffentlicht mit Therapieempfehlungen, die sich auf Kriterien der evidenzbasierten Medizin stützen.

Naturheilkundliche Behandlung

Nach Sluder wurde die Erkrankung früher mittels Injektion von Alkohol in das Ganglion behandelt. Auch heutzutage findet oft eine Therapie Anwendung, bei der ein (meist nicht verschreibungspflichtiges) Lokalanästhetikum injiziert oder auf die Nasenschleimhaut aufgetragen wird. Diese Möglichkeit wird in der Neuraltherapie nach Hunke beschrieben.

Über nervale und muskuläre Zusammenhänge wird in der Osteopathie versucht Schmerzlinderung herbeizuführen. (Bild: karelnoppe/fotolia.com)

Aufgrund der beschriebenen Ursache der Sluder-Neuralgie, einem Ganglion im Bereich des Gaumens vor dem Kiefergelenk, wird ein Zusammenhang mit den umgebenen Muskeln des Kiefergelenks vermutet. Dies betrifft auch die sogenannten Mundschließer-Muskeln der Kaumuskulatur (Musculus pterygoideus). In der Osteopathie, wird bei einer manuellen Behandlung mit lösenden oder ausgleichenden Techniken gearbeitet, so dass das Ganglion durch mechanische Kräfte in seiner Funktion möglicherweise nicht mehr behindert oder irritiert wird.

Die kraniosakrale Osteopathie bezieht Möglichkeiten abnormer Spannungen der Gesichtsknochen und des Keilbeins mit ein. Im Fasziendistorsionsmodell (FDM), bei dem nach der Körpersprache des Patienten in Diagnose und Behandlung vorgegangen wird, findet man häufig ein Streichen entlang einer Linie, die sogenannte Triggerbandtechnik. Allerdings ist es schwierig einen möglichen Behandlungserfolg zu überprüfen, unter anderem weil die Behandlungen nicht im akuten Stadium stattfinden.

Im Gegensatz zu Kopfschmerzen im Allgemeinen sind die Möglichkeiten der Naturheilkunde bei Clusterkopfschmerzen sehr eingeschränkt. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang allerdings die Sauerstoffinhalation, eine der hierbei am häufigsten eingesetzten schulmedizinischen Therapieform, die einen naturheilkundlichen Ansatz hat. (tf, cs; aktualisiert am 18.07.2018)