Steißbeinfistel – Symptome, Ursachen und Behandlung

Eine Steißbeinfistel ist eine äußerst unangenehme Erkrankung, welche sich im Gesäßbereich (Gesäßfalte) abspielt, weswegen niemand gerne darüber spricht. Jedoch sollten Betroffene sich nicht schämen, sondern sich unbedingt einem Proktologen anvertrauen. Weitere Bezeichnungen für diese Krankheit sind Pilonidalsinus, Sinus pilonidalis, Pilonidalzyste oder Pilonidalabszess.


Was ist eine Fistel?

Eine Fistel ist ein unnatürlicher Gang, eine röhrenförmige Verbindung, die der Körper selbst bildet oder die aus medizinischen Gründen, zum Beispiel während einer Operation (zum Beispiel eine Magenfistel zur künstlichen Ernährung), gelegt werden muss.

Bildet der Körper selbst so eine unnatürliche Röhre, passiert das in Verbindung mit Entzündungen, damit Eiter und andere Sekrete abtransportiert werden können.

Oft sind eingewachsene Haare, welche sich entzünden können, wenn Bakterien eindringen, Auslöser für die Krankheit. (Bild: francis bonami/fotolia.com)

Ursachen, Entstehung der Fistel

Auslöser der Krankheit sind meist eingewachsene Haare, an denen Hautkeime und auch verhornten Haut haften. Infolgedessen entstehen kleine Knötchen, die sich aufgrund eingedrungener Bakterien entzünden können. Eventuell ist im Bereich der Gesäßfalte die Haarentwicklung gestört: ein Haar, das neu wächst, wird nicht richtig aus der Haarwurzel herausgeschoben und das Keratin lagert sich an den Haarwurzeln an. Dennoch besteht die Gefahr auf Bildung einer Steißbeinfistel auch bei normaler Haarbildung. Dies geschieht in der Regel dann, wenn die Haare abbrechen und in die Wand des Haarfollikels hinein spießen und sich dieser mit den abgebrochenen Haaren füllt. Darüber hinaus können lose Haare zu den Verursachern zählen, wenn sie durch die Bewegung der Pobacken in die Gesäßfalte gelangen.

Dass unter der Haut entstandene Knötchen, auch Fremdkörpergranulom genannt, kann sich infizieren, woraufhin sich ein Abszess entwickeln kann. Des Weiteren bilden sich Fistelgänge, die in die Tiefe gehen oder sich an der Hautoberfläche ausbreiten können.

Starkes Schwitzen, überwiegend sitzende Tätigkeiten, Übergewicht sowie eine vorliegende „Acne inversa“ begünstigen die Entstehung einer solchen Fistel. Bei Letzterer handelt es sich um eine chronische Hauterkrankung, bei der sich immer wieder schmerzhafte Entzündungen mit Knoten, Abszessen und Fisteln entwickeln. Allgemein tritt die Erkrankung häufiger bei Männern, als bei Frauen auf, welche meist zwischen 20 und 30 Jahren alt sind.

Symptome

Auch wenn noch gar keine Beschwerden vorhanden sind, lässt sich im Bereich der Gesäßfalte eine Porenöffnung, vielleicht ein kleiner schwarzer Punkt, entdecken. In der Regel bleibt dies sehr lange unbemerkt.

Weitere Symptome sind Nässen, Schwellung, Rötung, Druckempfindlichkeit beim Sitzen und Liegen, Eiterbildung, Schmerzen, Juckreiz, Blutung und eventuell sogar Fieber.

Akute Form – chronische Form

Eine Steißbeinfistel kann in akuter oder chronischer Form auftreten. Die akute Form kann sich in massiven Beschwerden äußern, da die Betroffenen unter Schmerzen leiden, wenn sie sitzen oder auf dem Rücken liegen. Eine Schwellung ist tastbar und druckschmerzhaft und der betroffene Bereich ist in der Regel gerötet und überwärmt. Eventuell treten bereits Eiter und/oder Blut aus, wobei Fieber ebenfalls möglich ist. Spätestens jetzt ist der Besuch beim Proktologen unabwendbar.

Die chronische Form unterscheidet sich darin, dass zwar ein Abszess vorhanden ist, jedoch Schmerzen und Schwellungen fehlen. Aus der Fistel tritt ständig oder immer wieder ein eitriges oder blutig-eitriges Sekret aus. Eventuell verspüren die Patienten ab und zu ein Druckgefühl im Bereich des Steißbeins.

Behandlung

Liegen keine Beschwerden vor und tritt noch dazu kein Sekret aus, bedarf es keiner Therapie. Sowohl bei der akuten als auch der chronischen Form wird jedoch in der Regel operiert, wobei unterschiedliche Verfahren angewendet werden.

Pit-Picking und Sinusektomie

Beide Verfahren sind minimal invasiv und werden vor allem bei kleineren Befunden angewendet. Das Ganze findet unter örtlicher Betäubung statt. Nach der Operation wird die Wunde, welche mehrmals täglich ausgeduscht werden müssen, nicht vernäht. Obendrein gehören Sitzbäder und Salbenverbände dazu.

Herausschneiden der Fistel mit anschließend offener Wundbehandlung

Dies ist eine häufig durchgeführte Methode, welche vor allem bei größeren Befunden angewandt wird. Hierbei wird das gesamte Fistelsystem großzügig herausgeschnitten. Selbstverständlich erfolgt der Eingriff unter Vollnarkose und stationär. Die Fistelgänge werden während einer Operation häufig mit einer Farbstofflösung markiert und anschließend komplett entfernt. Die Wunden werden nicht vernäht, sondern mit Tamponaden und Druckverbänden versehen und müssen ebenfalls mehrfach am Tag ausgeduscht werden müssen. Insbesondere zu Beginn bedarf es dafür einer Hilfsperson. Die langwierige Wundbehandlung ist für Betroffene eine Herausforderung, was auch an der unangenehmen Stelle liegt. Der gesamte Heilungsprozess kann bis zu drei Monate in Anspruch nehmen, wobei die Arbeitsfähigkeit ebenfalls mehrere Wochen darunter leidet.

Herausschneiden des Fistelsystems mit Wundverschluss

Angewandte Verfahren sind zum Beispiel das Verfahren nach Karydakis und nach Limberg. Bei der Operation nach Karydakis erfolgt der Hautschnitt seitlich der Gesäßfalte. Wird die Wunde vernäht, zieht der Chirurg die Haut von der gegenüberliegenden Gesäßhälfte aus bis zur Wunde hin, was die Wundheilung verbessern soll. Normalerweise ist die Wunde nach circa einer Woche verheilt. Die Fäden werden, wenn nötig, nach 14 Tagen gezogen. Störungen der Wundheilung sind sehr selten.

Die Operation nach Limberg verläuft wie folgt: der Chirurg schneidet die Steißbeinfistel heraus und legt dabei einen rautenförmigen Unterhautlappen frei, der sich seitlich der Wunde befindet. Mit diesem wird dann die Wunde abgedeckt. Nach dieser Operation gestaltet sich das Sitzen etwas schwierig. Die Fäden werden nach ungefähr 14 Tagen gezogen.

Haare sind oftmals Verursacher von Fisteln. Von daher empfiehlt sich gegebenenfalls die dauerhafte Entfernung der Haare, was beispielsweise mit einer Laserbehandlung erreicht werden kann. (Bild: francis bonami/fotolia.com)

Prävention

Wie zuvor erwähnt, entstehen Steinbeißfisteln in der Gesäßfalte. Diese Körperregion begünstigt die Ansammlung von Bakterien und die Entstehung von Infektionen. Diese Stelle ist unzureichend belüftet und Schweiß sammelt sich dort gerne. Die gegenüberliegenden Hautbereiche können aneinander scheuern, wodurch ein mechanischer Reiz entsteht. Die Nähe der Gesäßfalten zum After begünstigt die Entstehung von Entzündungen, weshalb Hygiene besonders wichtig ist. Regelmäßiges Waschen und gutes Abtrocknen sind selbstverständlich. Sollte es zu kleineren Verletzungen kommen, müssen diese unbedingt desinfiziert und versorgt werden.

Da Haare oftmals Verursacher der Fisteln sind, sollten diese gegebenenfalls entfernt werden. Wird ganz normal rasiert, wachsen diese jedoch eventuell noch leichter ein. Wer zu Fisteln, Abszessen oder Ähnlichem neigt, tut gut daran, sich die Haare dauerhaft, zum Beispiel durch eine Laserbehandlung, entfernen zu lassen. Eine Alternative ist das regelmäßige Anwenden einer Enthaarungscreme.

Wer überwiegend sitzt, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit größer, eine Entzündung im Bereich des Steißbeins zu bekommen. Gerade durch das Sitzen sammelt sich in der Gesäßfalte der Schweiß, welcher für ein feuchtes Klima sorgt. Deshalb empfiehlt es sich, zwischendurch aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen, um anschließend die Sitzposition zu ändern.

Ein weiterer begünstigender Faktor ist Übergewicht. Schuld ist hier der permanente mechanische Druck und der nahe Kontakt der gegenüberliegenden Hautareale mit dem Gesäß. Da Übergewicht generell nicht gesund ist, empfiehlt es sich eine sukzessive Reduktion des Gewichtes.

Blande Fisteln

Bei Blande Fisteln handelt es sich um vorhandene Fisteln, welche jedoch keinerlei Beschwerden verursachen. Man sollte diese beobachten, jedoch müssen sie nicht entfernt werden. Sollte es zu einer Entzündung und/oder Schmerzen kommen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Handelt es sich um eine blande Steißbeinfistel, so sind die oben genannten Präventivmaßnahmen zu empfehlen.

Rezidiv

Von einem Rezidiv ist die Rede, wenn eine Steißbeinfistel, die bereits operiert wurde, erneut entsteht. Dies ist glücklicherweise eher selten der Fall, dennoch kann eine erneute Operation notwendig sein. Um dem vorzubeugen, sind die oben genannten Präventivmaßnahmen ebenfalls durchzuführen. Einen 100-prozentigen Schutz gibt es jedoch leider nicht. (sw)