Altes Hausmittel Haferflocken als heilende Medizin wieder entdeckt

Sebastian Bertram

Uni Würzburg: Haferflocken als Allheilmittel bei Diabetes Typ 2?

Wer an Diabetes leidet, muss seinen Alltag gut organisieren. Wissenschaftlern der Universität Würzburg jetzt ein neues Konzept zur Bewältigung der Erkrankung entwickelt. Dabei soll Hafer eine entscheidende Rolle spielen.


Hafer ist ein Superfood

Gesundheitsexperten wissen: Hafer ist ein regelrechtes Superfood. Die unscheinbaren Haferflocken, die am Morgen oft gegessen werden, haben es in sich. Können Pflanzen auch Beschwerden lindern oder gar heilen, bezeichnet man sie auch als Arzneipflanze. Der Saathafer (Avena sativa) liefert mehrere, ganz unterschiedliche Wirkstoffe. Sein Einsatzspektrum reicht von der Behandlung der Haut über Magen-Darm-Erkrankungen bis hin zur Vorbeugung etwa von Arteriosklerose und Diabetes mellitus Typ 2, erläutert Johannes Gottfried Mayer vom Studienkreis.

Quark mit Beeren und Haferflocken versorgt den Körper mit vielen wichtigen Nährstoffen. (Bild: julijadmi/fotolia.com)

„Beim Hafer kommt es ganz besonders auf eine spezielle Art von Ballaststoffen an, die Beta-Glucane“, so Mayer, der Leiter der Forschergruppe Klostermedizin des Instituts für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg ist. „Beta-Glucane verhindern einen starken Anstieg des Blutzuckerspiegels. Das ist besonders interessant für Menschen, die an Diabetes Typ II leiden“, erläutert der Experte weiter.

Haferflocken können Diabetes lindern

Studien deuten darauf hin, dass insulinpflichtige Diabetiker mit zwei Hafer-Tagen pro Monat ihren Insulinbedarf um ein Drittel senken könnten. Laut der Forschungsarbeiten hält dieser Effekt etwa zwei bis drei Wochen an. „Geschmacklich finde ich Hafer am besten, wenn man sich eine Flockenmaschine besorgt und sich die Flocken jedes Mal frisch zubereitet. Dann hat er ein ganz anderes Aroma“, betont Mayer. Die genannten Körner kann man in gut sortierten Bio-Läden erwerben.

Der Saathafer gehört – wie Weizen, Roggen oder Gerste – zu den Süßgräsern. Im Gegensatz zu den genannten Verwandten bildet er seine Körner jedoch nicht in Ähren, sondern in vielfach verzweigten Rispen aus. Daher liefert eine Haferpflanze weniger Ertrag und ist schwerer zu ernten. Zudem umschließen Spelzen die Körner und müssen bei der Verarbeitung durch besondere Mahlgänge entfernt werden.

Die Arzneimittelpflanze hat aber auch Vorteile: Sie gedeiht auf kargen Böden und in Regionen mit hohen Niederschlägen. Beim Nährwert und nicht zuletzt beim Geschmack ist der Hafer laut Mayer den übrigen Getreidearten überlegen.

Der Hafer liefert drei verschiedene Heilmittel: Neben dem Haferstroh gewinnen laut Studienkreis in jüngerer Zeit Kraut und Korn an Bedeutung. Das Haferstroh wird für Bäder verwendet, die bei Hautverletzungen und Juckreiz helfen sollen.

Für die Nutzung des Krautes wird der Hafer vor seiner Blüte geerntet. Das Kraut ist reich an entzündungshemmenden Flavonoiden und immunmodulierenden Saponinen und besitzt einen hohen Anteil an Mineralien wie Kalium, Kalzium oder Magnesium. Extrakte des Haferkrauts werden bei Neurodermitis eingesetzt. In den Industrieländern leiden dem Studienkreis zufolge bis zu 20 Prozent der Kinder und drei Prozent der Erwachsenen an dieser Krankheit. In den 1990er Jahren wurde in Frankreich eine besonders geeignete weiße Hafersorte gewonnen, die frei von Proteinen, auch von Gluten, ist. Entsprechende Hautpflegemittel wie Cremes, Körpermilch und Badezusätze sind so für Allergiker besonders gut verträglich.

Haferflocken verändern die Blutfettwerte positiv. Bild: Timmary – fotolia

Die Frucht, das Haferkorn, wird als vollreifes Korn genutzt. Neben einem hohen Gehalt an den Vitaminen B1 und B6 liefert sie auch viele Ballaststoffe. Von besonderem Interesse sind dabei die Beta-Glucane, die etwa die Hälfte des gesamten Ballaststoffgehalts im Hafer ausmachen. Hafer-Beta-Glucane haben Wirkungen auf den Verdauungstrakt und den Stoffwechsel, im Vordergrund stehen positive Effekte auf den Cholesterin- und den Blutzuckerspiegel. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit habe 2011 bestätigt, dass der Verzehr von Beta-Glucan aus Hafer zur Senkung des Cholesterolspiegels beitragen kann, so die Wissenschaftler.

„4,5 Gramm Beta-Glucan auf 100 Gramm Hafer bewahren beispielsweise die Schleimhaut des Verdauungstraktes“, sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. „Zudem bindet Beta-Glucan vermutlich Gallensäuren und fördert deren Ausscheidung, so dass der Körper auf Cholesterin zurückgreifen muss, um neue Gallensäuren zu bilden.“ Deshalb könne beobachtet werden, dass der Cholesterinspiegel mit dem Verzehr von Hafer herunter geht.

Wissenschaftliche Studien bestätigen Heilkraft

Das zeigte auch eine Metastudie in Kanada. Die Wissenschaftler verglichen 58 klinische Studien mit fast 4.000 Studienteilnehmern. Sie stellten fest, dass Hafer Einfluss auf zwei weitere Cholesterin-Werte hat: HDL-Cholesterin und Apolipoprotein B (apoB). Hafer enthalte den Ballaststoff Beta-Glucan, der vermutlich für die positiven Effekte verantwortlich sei. Bei einer Ernährung, die mit etwa 3,5 Gramm Beta-Glucan aus Hafer pro Tag angereichert wurde, konnten die Wissenschaftler eine leichte Verbesserung der drei Cholesterin-Werte beobachten. Für die Metanalyse wurden 58 klinische Studien mit fast 4.000 Studienteilnehmern analysiert.

Sahra Weidner, die bekannte Köchin aus Hannover, schwört auf die Haferflocken. Sie gibt den Tipp, die Flocken mit Milch oder Orangensaft sowie frischen Früchten am Morgen zu verzehren. Das mache satt, glücklich und gesund. (sb)