Alzheimer verhindern durch eine verbesserte Mundhygiene?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Schützt ein neuer Wirkstoff zur Mundhygiene vor Alzheimer?

Wird es bereits in naher Zukunft möglich sein, Alzheimer durch ein Kaugummi oder Lutschpastillen zu behandeln? Forschende haben einen Wirkstoff entwickelt, der oral eingenommen wird und gefährliche Toxine blockiert. Letztere wurden bereits zuvor mit Proteinen in Verbindung gebracht, welche Demenz verursachen.


Bei einer aktuellen Untersuchung der University of Louisville Dental School konnte festgestellt werden, dass mit der Hilfe eines speziellen Kaugummis Toxine blockiert werden können, welche anscheinend mit Demenzerkrankungen in Verbindung stehen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Science Advances“ publiziert.

Bei einer professionellen Zahnreinigung werden die Beläge von den Zähnen beseitigt, was die Mundhygiene stark verbessert. (Bild: K.-U. Häßler/fotolia.com)

COR388 verhindert Ausbreitung von Gingipains

Für die Studie wurde das Hirngewebe von Menschen untersucht, welche bei ihrem Tod an Demenz litten. Dort konnten höhere Werte des Bakteriums Porphyromonas gingivalis festgestellt werden, dies konnte anhand der DNA des Bakteriums und an Toxinen erkannt werden, welche als sogenannte Gingipain bekannt sind. Versuche an Mäusen ergaben, dass Gingipains vom Mund in das Gehirn gelangen können. Das Medikament COR388 kann ihre Ausbreitung unterbinden. Sogenannte Gingipains scheinen die Produktion von Proteinen zu fördern, die als Beta-Amyloid und Tau bekannt sind. Diese Proteine schädigen Gehirnzellen und beeinträchtigen das Gedächtnis.

Mundhygiene ist sehr wichtig

Die Forschenden stellten außerdem fest, dass P. gingivalis eine Rolle bei rheumatoider Arthritis sowie bei Aspirationspneumonien spielt. Diese Erkrankung wird durch das Einatmen von Nahrung oder Speichel verursacht. Mundhygiene ist ein Leben lang sehr wichtig, nicht nur für ein schönes Lächeln, sondern auch für die Verringerung des Risikos vieler schwerer Krankheiten. Menschen mit genetischen Risikofaktoren, welche sie für rheumatoide Arthritis oder Alzheimer anfällig machen, sollten unbedingt auf die Prävention von Zahnfleischerkrankungen achten, erklären die Autoren in einer Pressemitteilung.

Weitere Forschung ist bereits in Planung

COR388 wurde von der US-amerikanischen Firma Cortexyme, Inc. entwickelt, die auf Arzneimittel für neurologische Erkrankungen spezialisiert ist. Eine Studie mit 570 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Erkrankung wird in den nächsten Wochen beginnen. Die Ergebnisse werden dann für das Jahr 2021 erwartet. Es wird zusätzlich an anderen Verbindungen gearbeitet, die ebenfalls P. gingivalis bekämpfen. Die Haupttoxine von gingivalis, die Enzyme, welche das Bakterium benötigt, um dem Körper zu schaden, stellen gute Ziele für potenzielle neue medizinische Interventionen dar, um einer Vielzahl von Krankheiten entgegenzuwirken. Etwa eine von fünf Personen unter 30 Jahren hat einen niedrigen Gehalt an P. gingivalis im Zahnfleisch. Wenn diese Bakterien sich ausbreiten, reagiert das Immunsystem und es können Rötungen, Schwellungen, Blutungen und Verlust des Zahnfleischgewebes auftreten.

Putzen Sie sich regelmäßig die Zähne und nutzen Sie Zahnseide

Der beste Weg, um zu verhindern, dass P. gingivalis außer Kontrolle gerät, ist regelmäßiges Zahnputzen, die Nutzung von Zahnseide und mindestens einmal im Jahr ein Besuch bei einem Dentalhygieniker, berichten die Forschenden. Ältere Menschen und Raucher haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, es werde aber auch angenommen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, so das Forschungsteam weiter. Nun seien weitere Unetrsuchungen erforderlich, um ein besseres Verständnis für die Auswirkungen von P. gingivalis und mögliche Gegenmaßnahmen zu entwickeln. (as)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.