Blutvergiftung: Schnelle Behandlung rettet Leben

Klemmbrett mit Informationen zu Sepsis und Medikamente

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Eine der häufigsten Todesursachen: Sepsis-Früherkennung rettet Leben

Kaum eine Krankheit wird so unterschätzt wie die Sepsis („Blutvergiftung“). Sie kann innerhalb weniger Stunden tödlich verlaufen und ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Anlässlich des Welt-Sepsis-Tages wollen Gesundheitsexperten das Bewusstsein für Sepsis erhöhen, um die frühzeitige Erkennung dieser schwerwiegenden Erkrankung zu fördern.


Experten zufolge erkrankt in Europa jährlich etwa eine halbe Million Menschen an einer Sepsis, in Österreich gibt es rund 18.000 Fälle pro Jahr, 7.500 sterben daran, berichtet die Medizinische Universität Innsbruck in einer Mitteilung. Die „Blutvergiftung“ ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Der Welt-Sepsis-Tag am 13. September soll helfen, das Bewusstsein für Sepsis zu erhöhen, um die Früherkennung dieser schwerwiegenden Krankheit zu fördern.

Klemmbrett mit Informationen zu Sepsis und Medikamente
Die Sepsis ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Der Welt-Sepsis-Tag soll helfen, das Bewusstsein für Sepsis zu erhöhen, um die frühzeitige Erkennung dieser schwerwiegenden Erkrankung zu fördern. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Besonders gefährdete Personengruppen

Wenn Infektionen im Körper außer Kontrolle geraten, spricht man von einer Sepsis – fälschlicherweise bekannt auch als Blutvergiftung, so die Medizinische Universität Innsbruck. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, aber auch Kinder unter einem Jahr oder Patienten mit chronischen Erkrankungen. Die Krankheit wird durch Bakterien, Viren oder Pilze und deren Gifte ausgelöst und ist eine der aggressivsten Versionen einer Infektion. Ursachen können beispielsweise Wund- und Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen, eine Bauchfellentzündung oder eine Grippe sein.

Wie die Experten erläutern, kommt es im Versuch, die Infektion zu bekämpfen, zu einer übermäßigen Reaktion des Körpers. So ist der Patient weniger durch den Angriff etwa von Bakterien, sondern vielmehr durch die fehlgeleitete Reaktion des eigenen Körpers auf diesen Angriff gefährdet. „Es kommt zu einer immunologischen Dysfunktion des Wirtes“, erklärt der Innsbrucker Intensivmediziner, Michael Joannidis, Leiter der Gemeinsame Einrichtung für Internistische Notfall- und Intensivmedizin an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Zeit ist ein entscheidender Faktor

Wenn die Sepsis einmal da ist, ist Zeit ein entscheidender Faktor: Zur schnellen Erkennung von RisikopatientInnen durch Sepsis außerhalb von Intensivstationen wurde der quickSOFA-Score eingeführt, der aus drei einfachen klinischen Kriterien – eine Atemfrequenz von 22/min oder mehr, Bewusstseinstrübung und ein systolischer Blutdruck von weniger als 100 mm Hg – besteht. Sind mindestens zwei dieser Kriterien erfüllt, ist die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Sepsis erhöht.

Überschießende Entzündungsreaktionen können dann innerhalb kürzester Zeit zu Organversagen und Kreislaufkollaps führen. Rund ein Fünftel der Patienten überlebt die außer Kontrolle geratene Infektion nicht, erklärte das Universitätsklinikum Heidelberg in einer älteren Mitteilung. Dafür gibt es zwei Hauptgründe: „Häufig wird die Sepsis noch zu spät erkannt und die intensivmedizinische Behandlung eingeleitet“, so Professor Dr. Markus A. Weigand, Ärztlicher Direktor der Anästhesiologischen Universitätsklinik Heidelberg. „Darüber hinaus stehen bisher nur wenige Medikamente zur Verfügung, um die Entzündung so lange auszubremsen, bis der Erreger bestimmt und das passende Antibiotikum gefunden ist.“

Rechtzeitige Behandlung mit den richtigen Antibiotika

Laut der Medizinischen Universität Innsbruck ist die rechtzeitige Behandlung mit den richtigen Antibiotika die Basis einer erfolgreichen Sepsis-Therapie. Deshalb schickt der Intensivmediziner beim Verdacht auf eine Sepsis so schnell wie möglich Blut beziehungsweise Harn oder Gewebeproben zur Untersuchung an das mikrobiologische Labor. Neuerdings stehen zur schnelleren Diagnostik auch molekularbiologische Schnelltests zur Verfügung. Bei schweren Fällen beziehungsweise später Diagnose führt eine Sepsis zu Organversagen und eine intensivmedizinische Behandlung ist notwendig. Das am häufigsten betroffene Organ ist dabei die Niere.

Großteil der Betroffenen erleidet eine akute Nierenschädigung

„70 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Sepsis erleiden eine akute Nierenschädigung“, erklärt der Intensivmediziner Michael Joannidis. „Wir nehmen an, dass dabei eine Nierenentzündung und eine Mangelversorgung mit Sauerstoff (Hypoxie) wichtige Rollen spielen.“ Eine neue Therapie sollte auf diese beiden Prozesse abzielen. Die Ergebnisse wurden in einer Studie in der Fachzeitschrift „Journal of the American Medical Association“ veröffentlicht.

Der Innsbrucker Mediziner Michael Joannidis war als Mitglied des Steering Committee und nationaler Studienkoordinator an dieser Publikation maßgeblich beteiligt. Die aktuellen Forschungen auch an der Medizinischen Universität Innsbruck auf diesem Gebiet sollen künftig Intensivpatientinnen und -patienten bessere Behandlungen bringen und weiteren Stress durch eine Nierenersatztherapie ersparen.

Die Studie zeigt, dass das Enzym „Alkalische Phosphatase“ mit seinem dualen Wirkmechanismus ein vielversprechender Kandidat für eine Therapie sein könnte. „Eine intravenöse Verabreichung von rekombinanter Alkalischer Phosphatase über drei Tage konnte zwar nicht, wie erwartet, in den ersten Wochen, aber nach 28 Tagen eine Verbesserung der Nierenfunktion bewirken“, so Joannidis. Darüber hinaus zeigte sich ein unerwartet deutlicher Effekt auf das Überleben der PatientInnen nach einem beziehungsweise drei Monaten.

Die Sterblichkeit bei diesen schwer kranken Intensiv-PatientInnen mit Sepsis und Nierenschädigung ging um über 40 Prozent zurück. Im Herbst 2019 startet die Studie in die Phase III, in der nun in den USA und in Europa überprüft wird, ob sich die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit bestätigen lässt. Den Angaben zufolge liegt das Hauptaugenmerk nun auf dem signifikanten Wirkungsnachweis und den Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.