Chirurgische Eingriffe lassen das Gehirn altern

2 Personen im OP

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Wie wirken sich Operationen auf das Alter unseres Gehirns aus?

Operationen erhöhen das Alter des Gehirns und das Risiko für einen erheblichen Abbau des Gehirns, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.


Bei der Untersuchung der University of Wisconsin wurde festgestellt, dass Operationen einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit unseres Gehirns haben. Die Ergebnisse wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „British Medical Journal“ (BMJ) publiziert.

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Operationen verbessern das Leben und die Gesundheit von vielen Menschen. Allerdings scheinen Operationen den Nachteil zu haben, dass sie einen Abbau der Leistung des Gehirns fördern. (Bild: alfa27/fotolia.com)

Krankenhausaufenthalte können kognitiven Verfall begünstigen

Für die Studie wurden die Daten von 7.532 Menschen ausgewertet. Diese waren im Alter zwischen 35 und 55 Jahren. Das Team untersuchte insbesondere den kognitiven Verfall, also den natürlichen Verlust der Gehirnfunktion, der normalerweise auftritt, wenn Menschen älter werden. Einige Krankheiten wie ein Schlaganfall und Alzheimer können den kognitiven Verfall beschleunigen, aber auch Krankenhausaufenthalte können zu einer solchen Alterung beitragen, berichten die Forschenden. Ein größerer chirurgischer Eingriff, welcher einen stationären Aufenthalt von zwei Tagen oder mehr erfordert, führe langfristig zu einer Alterung des Gehirns um fünf Monate. Zum Vergleich erhöhte eine Einweisung in ein Krankenhaus nach einem Schlaganfall das Alter des Gehirns um 13 Jahre.

Langfristige Krankenhausaufenthalte haben starke Auswirkungen

Das Risiko eines erheblichen kognitiven Rückgangs lag bei chirurgischen Patienten bei 5,5 Prozent. Bei Menschen, die noch nie einen größeren Krankenhausaufenthalt nötig hatten, lag das Risiko dagegen bei 2,5 Prozent. Eine langfristige medizinische Aufnahme in einem Krankenhaus erhöhte dieses Risiko auf 12,7 Prozent. Die Daten der Untersuchung deuten darauf hin, dass eine größere Operation mit einer Veränderung der altersbedingten kognitiven Gesundheit des Gehirns verbunden ist. Diese Informationen sollten an die Patienten weitergegeben und mit den potenziellen Vorteilen der Operation für die Gesundheit und die Lebensqualität abgewogen werden, erklärt die Forschungsgruppe.

Viele Menschen fürchten einen kognitiven Abbau durch Operationen

Die Forschenden gaben außerdem an, sie hätten eine Umfrage durchgeführt, bei der festgestellt wurde, dass 65 Prozent der Befragten befürchteten, sie könnten durch eine Operation an Gehirnleistung verlieren. Dies könnte einzelne Personen sogar dazu gebracht haben, Operationen abzulehnen, die ansonsten zu gesundheitlichen Vorteilen geführt hätten.

Operationen können auf generelle schlechte Gesundheit hindeuten

Die Teilnehmenden der Studie wurden für einen maximalen Zeitraum von 19 Jahren medizinisch überwacht. Während dieser Zeit wurden durchschnittlich vier Gehirnuntersuchungen bei ihnen durchgeführt. Da sich die Forschenden nicht mit den verwendeten Anästhetika oder anderen Aspekten der Operationen befassten, konnten sie nicht schlussfolgern, dass die Operationen tatsächlich zu einem Abbau des Gehirns führten, sondern lediglich, dass ein Zusammenhang bestand. Sie gaben an, dass Operationen generell ein Zeichen für eine schlechte Gesundheit sein könnten. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Bryan M Krause, Séverine Sabia, Helen J Manning, Archana Singh-Manoux, Robert D Sanders: Association between major surgical admissions and the cognitive trajectory: 19 year follow-up of Whitehall II cohort study, in British Medical Journal (Abfrage: 08.08.2019), BMJ