Chronifizierung vermeiden: Was gegen Kopfschmerzen wirklich hilft

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Wie lassen sich Kopfschmerzen am besten lindern?

Kopfschmerzen sind ein extrem verbreitetes Beschwerdebild, das äußerst unterschiedliche Ursachen haben kann. Oft entwickelt sich dabei aus zunächst kurzfristig auftretenden Schmerzen ein chronisches Beschwerdebild, wobei nicht zuletzt die Verwendung von Kopfschmerztabletten eine Rolle spielen kann. Zur Linderung der Schmerzen sollten daher Maßnahmen genutzt werden, die kein Risiko der Chronifizierung der Kopfschmerzen mit sich bringen.


„Was viele nicht wissen: Der zu häufige Gebrauch von Schmerzmitteln kann eigenständige Kopfschmerzen auslösen, die chronisch werden können“, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung e. V. (DGKN) in einer aktuellen Mitteilung. Auch sei eine unzureichende Schmerzlinderung als Risikofaktor für chronische Kopfschmerzen zu bewerten. Das richtige Vorgehen gegen die Kopfschmerzen ist daher gefragt.

Kopfschmerzen können bei übermäßiger Einnahme von Kopfschmerztabletten leicht einen chronischen Verlauf annehmen. (Bild: Prostock-studioL/fotolia.com)

2,5 Millionen Deutsche haben chronische Kopfschmerzen

Laut Angaben der DGKN leiden knapp 2,5 Millionen Deutsche an chronischen Kopfschmerzen. Dies bedeute, dass sie Beschwerden an durchschnittlich jedem zweiten Tag haben. Es handelt sich um „Kopfschmerzen, die an mindestens 15 Tagen im Monat über mindestens drei Monate auftreten“, so der Privatdozent Dr. med. Charly Gaul von der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein im Taunus in der Pressemitteilung der DGKN. Der Leidensdruck für Betroffene – etwa durch Arbeitsunfähigkeit und verminderte soziale Teilhabe am Leben – sei erheblich.

Frei verkäufliche Arzneien sind die erste Wahl

Oft greifen Betroffene bei Kopfschmerzen auf frei verkäufliche Medikamenten zurück, die sie ohne ärztliche Rücksprache einnehmen. Dabei werde das Risiko unerfreulicher Nebenwirkungen jedoch häufig unterschätzt. Vielen sei nicht bewusst, dass der regelmäßige Gebrauch von Schmerzmitteln eigenständige Kopfschmerzen auslösen kann, die chronisch werden können, berichtet die DGKN.

Wirksamkeit muss überprüft werden

Auch muss laut Angaben der Fachgesellschaft im Zweifel immer die Wirksamkeit der eingenommenen Medikamente ärztlich überprüft werden, da eine nicht ausreichende Schmerzlinderung ebenfalls ein Risikofaktor für chronische Kopfschmerzen bilde. „Häufig wird auch nicht ausreichend geprüft, ob die verordnete oder empfohlene Akutmedikation überhaupt wirksam ist“, so Dr. Gaul. Betroffene, die ihre Akutmedikation als gut wirksam einschätzen, seien einem geringeren Chronifizierungsrisiko ausgesetzt als solche, die ihre Akutmedikation als unzureichend wirksam beurteilten.

Mögliche Risikofaktoren für chronische Kopfschmerzen

„Werden an 15 oder mehr Tagen einfache Schmerzmittel oder sogenannte nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicysäure (Aspirin), Ibuprofen oder Diclofenac ein-genommen, oder an mehr als zehn Tagen Opioide, Triptane, Ergotamine oder Schmerzmittelmischpräparate, steigt das Risiko zur Kopfschmerzchronifizierung erheblich an“, erläutert Dr. Gaul. Besonders häufig von einer Chronifizierung betroffen seien zudem Personen mit psychischen Begleiterkrankungen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Des Weiteren bilde die Einnahme von anderen Medikamenten wie Beruhigungsmitteln und das Vorliegen weiterer chronischer Schmerzerkrankungen (z.B. chronische Rückenschmerzen) ebenfalls einen Risikofaktor. Nicht zuletzt leiden Frauen häufiger an chronischen Kopfschmerzen als Männer.

Vorbeugende Maßnahmen sind angebracht

Bei Kopfschmerzen, die nicht nur gelegentlich, sondern regelmäßig oder gar häufig auftreten, rät Dr. Gaul zu vorbeugenden Maßnahmen. Nachweislich wirksame Maßnahmen seien kognitive Verhaltenstherapien, regelmäßiger Ausdauersport sowie Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga und Meditation. Auch seien etliche Medikamente zur vorbeugenden Einnahme zugelassen.

Medikamentöse Präventionsmöglichkeiten

Laut Dr. Gaul gilt dies zum Beispiel für Betablocker, trizyklische Antidepressiva und Antikonvulsiva (Valproat, Flunarizin und Topiramat) bei der Migräne-Vorbeugung. Auch werde Botulinumtoxin zur Therapie der chronischen Migräne genutzt und der sogenannte Off-Label-Gebrauch (ohne spezifische Zulassung) von Candesartan zur Migräneprophylaxe bilde ebenfalls eine Option. Des Weiteren stehe seit November 2018 der Antikörper Erenumab zur Prophylaxe der Migräne bei Erwachsenen mit vier oder mehr Migränetagen pro Monat zu Verfügung.

Die beste Wirkung bei der Behandlung von Kopfschmerzen zeige eine Kombination aus Verhaltensänderung, klassischen Entspannungsmaßnahmen und der vorbeugenden Einnahme von Medikamenten, so Dr. Gaul. Welche konkreten Möglichkeiten zur Therapie und Prävention von chronischen Kopfschmerzen und Migräneattacken bestehen wird auch Thema auf einer Pressekonferenz der DGKN am Donnerstag, den 28. März in Freiburg. (fp)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.