Der Nocebo-Effekt – Wenn googlen krank macht

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Placebo-Effekt bedeutet, dass eine positive Erwartung die Heilung beschleunigt. Das Gegenteil ist der Nocebo-Effekt, in dem eine negative Erwartung eine Heilung bremst oder sogar eine Erkrankung fördert. Wenn sich medizinische Laien auf Internetforen selbst eine Diagnose über ihre Beschwerden stellen, kann das zu einem Nocebo-Effekt führen.


Nocebo-Effekt – Wenn Medienberichte krank machen

Im Internet finden sich übermäßig oft Suchergebnisse, die auf schwerste Krankheiten wie Krebs hinweisen. Können Menschen entsprechende Symptome bei sich selbst feststellen, fühlen sie sich mitunter durch den Nocebo-Effekt krank.

Wer Angst hat, an einer ernsten Krankheit zu leiden und im Internet nach seinen Symptomen sucht, kann seine negative Erwartung so verstärken, dass Symptome sich verschlimmern. (Bild: Rawpixel.com/fotolia.com)

Das Internet ersetzt keine ärztliche Diagnose

Auch auf seriösen Seiten im Netz sind Diagnosen oft allgemein gehalten. Seriöse Seiten verweisen zwar darauf, dass und wie Ärzte und Ärztinnen aus welchen Symptomen Verdacht schöpfen, um erst dann eine konkrete Diagnose zu stellen. Wer sich als Laie im Internet informiert, deutet beschriebene Symptome jedoch oft falsch oder sieht die eigenen Symptome als schlimmer an als sie sind, allzumal viele Symptome unspezifisch sind und auf verschiedene Krankheiten hindeuten.

Angst kann sich verschlimmern

Viele Menschen googeln deswegen nach der Ursache von Symptomen, weil sie sich sorgen, ob ihren Beschwerden eine ernste Erkrankung zugrunde liegt. Ohne eine handfeste ärztliche Diagnose stoßen sie jetzt auf mögliche lebensbedrohliche Erkrankungen ohne die Möglichkeit zu haben, diese auszuschließen. Die Angst und oft auch die Symptome werden so schlimmer als zuvor.

Nicht selbst die Diagnose stellen

Diagnosen sind immer individuell und müssen von Arzt oder Ärztin kommen. Auch seriöse Beiträge im Internet geben nicht die Möglichkeit zur Diagnose, weil die individuelle Krankheitsgeschichte erst im Patientengespräch deutlich wird.

Popularität versus Seriosität

Bei Google stoßen Sie zuerst auf die Seiten, die am häufigsten angeklickt werden. Medizinische Fachmagazine folgen dabei weit abgeschlagen. Viele Klicks bekommen Aufsehen erregende Meldungen, keine, die den Normalzustand beschreiben. Die Schlagzeile „Bauchschmerzen – Anzeichen für Krebs“ verspricht viel mehr Aufmerksamkeit als „Bauchschmerzen meist harmlos“. Deshalb landen Sie, wenn Sie Bauchschmerzen googeln, vermutlich als erstes bei einem Beitrag darüber, dass diese ein Anzeichen für Krebs sein könnten, und nicht bei einem darüber, dass sie es höchstwahrscheinlich nicht sind.

Ein Paradies der Unsachlichkeit

Das Internet hat den Journalismus demokratisiert. Die Schattenseite dessen ist: Jeder kann einen Blog machen und sich zum Experten aufschwingen, ohne dafür den fachlichen Hintergrund zu haben. Das gilt für Archäologie wie für Politik, ganz besonders aber für Medizin. Das Internet ist voll mit wissenschaftlich längst widerlegten Vorstellungen über Krankheiten bis hin zu gefährlicher Panikmache, die zum Beispiel Impfgegner verbreiten.

Worauf sollten Sie achten?

Erst einmal sollten Sie keine Selbstdiagnose stellen, sondern dafür einen Arzt aufsuchen. Wenn Sie sich im Internet über medizinische Themen informieren, achten Sie auf Kriterien dafür, ob ein Beitrag seriös erscheint.

Kennzeichen seriöser Beiträge

Ist der Beitrag aktuell? Die Informationen sollten nicht älter als zwei Jahre sein. Wer ist der Urheber? Hat er einen fachlichen Hintergrund oder wurde der Beitrag von einer medizinischen Fachperson geprüft? Ist die Quelle glaubwürdig? Verbreitet der Text Werbung für Produkte, ohne diese zu kennzeichnen? Dramatisiert der Beitrag? Stellt der Text eine einzige Heilmethode als das Nonplusultra heraus, ohne dies fundiert zu begründen? Wer ist die Quelle für Informationen? Seriöse Seiten führen Studien an, zitieren Fachärzte und/oder andere Wissenschaftler.

Prüfen Sie sich selbst

Vermeiden Sie die selbst erfüllende Prophezeiung. Gerade wenn Sie Angst haben, unter einer schweren Krankheit zu leiden, ist es besser, sich ärztlichen Rat zu suchen, als im Internet zu suchen. Warum? Es besteht die Gefahr der selbst erfüllenden Prophezeiung. Wenn Sie zum Beispiel Angst haben, an Krebs zu leiden, werden Sie dazu neigen, Seiten aufzusuchen, die Sie darin bestätigen. Hier ist die Gefahr besonders groß, auf sogenannte Schwurbler-Foren zu geraten, deren Mitglieder sich gegenseitig mit Fehlinformationen in Alarm versetzen.

Was können Sie noch tun?

Vergleichen Sie mehrere Quellen, die Sie als seriös einstufen und filtern so, welche Informationen sich auf verschiedenen Seiten finden und/oder welche fragwürdig sind. (Dr. Utz Anhalt)