Diabetes: Patienten haben ein stark erhöhtes Risiko für Depressionen

Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Depressionen

Diabetiker müssen ihr Leben lang Medikamente einnehmen oder sich Insulin spritzen, Blutzucker messen und auf ihre Ernährung achten. Die Erkrankung erfordert tägliche Aufmerksamkeit und Planung, einen „Urlaub vom Diabetes“ gibt es nicht. Viele Betroffene empfinden die Erkrankung oft auch als eine ihre Lebensqualität einschränkende Last. Sie sind daher besonders gefährdet, Depressionen zu entwickeln.


Lebenslange Aufmerksamkeit erforderlich

Rund 7,6 Millionen Deutsche sind zuckerkrank. Zwar kann bei einem großen Teil der Diabetes-Patienten die Erkrankung auch ohne Medikamente gut kontrolliert werden, doch viele müssen Arzneimittel einnehmen oder sich Insulin spritzen, Blutzucker messen und auf ihre Ernährung achten. Aufgrund der lebenslangen Aufmerksamkeit, die die chronische Erkrankung von den Betroffenen erfordert, wird sie oft als eine Last empfunden, die die Lebensqualität einschränkt. Daher sind Diabetiker besonders gefährdet, an Depressionen zu erkranken. Betroffenen wird deshalb geraten, sich ärztlichen Rat zu holen.

Bei Diabetikern kommen Depressionen doppelt so häufig vor wie bei Menschen ohne die Zuckerkrankheit. Betroffene sollten sich frühzeitig ärztlichen Rat holen. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Bei Diabetikern kommen Depressionen doppelt so häufig vor

Laut einer Mitteilung der gemeinnützigen Organisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, leiden etwa 14 Prozent aller Menschen mit Diabetes an einer klinischen Depression.

Weitere 18 Prozent sind aufgrund depressiver Stimmungen, beispielsweise Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Traurigkeit, belastet.

„Bei Menschen mit Diabetes kommen Depressionen doppelt so häufig vor wie bei stoffwechselgesunden Menschen“, erklärt Diplom-Psychologe Dr. phil. Berthold Maier vom Diabetes Zentrum Mergentheim in Bad Mergentheim.

„Der täglich notwendige Aufwand, den Diabetespatienten ein Leben lang betreiben müssen, um für eine gute Stoffwechseleinstellung zu sorgen, erfordert große Disziplin und Motivation. Dieser Druck kann auf Dauer sehr belastend sein“, so der Experte.

Auch Stress in anderen Lebensbereichen und das soziale Umfeld beeinflussen, wie sehr die Krankheit als belastend empfunden wird.

Als Folge können sich Depressionen entwickeln.

Ärztlichen Rat einholen

Depressionen äußern sich laut dem Psychologen auf sehr unterschiedliche Art und Weise.

„Neben tiefer Niedergeschlagenheit, Mut- und Hoffnungslosigkeit leiden Betroffene häufig auch unter Angstgefühlen sowie Schlafstörungen oder körperlichen Schmerzen.“

Deswegen sei es wichtig, sowohl eine erhöhte Depressivität als auch eine Depression früh zu erkennen und zu behandeln.

Rechtzeitig festgestellt, seien die psychischen Erkrankungen gut behandelbar, betont Maier: „Dabei kommen Antidepressiva, eine Verhaltenstherapie oder eine Kombination aus beidem zum Einsatz.“

Die Psychotherapie kann Patienten helfen, ihre Erkrankung besser zu akzeptieren und sowohl die Lebensqualität als auch die Prognose der Diabeteserkrankung zu verbessern.

Vielen Betroffenen fällt es aber schwer, offen mit diesem Thema umzugehen. Maier rät Diabetespatienten, Symptome einer Depression nicht zu tabuisieren, sondern mit ihrem Hausarzt oder Diabetologen darüber zu sprechen. (ad)