Diese Baby-Haltung beim Tragen fördert eine gesunde Hüftentwicklung des Kindes

Gesunde Entwicklung der Babyhüfte durch Anhock-Spreizstellung fördern

Wenn Babys zur Welt kommen, ist ihre Hüfte noch nicht richtig ausgebildet und vor allem in den ersten Lebensmonaten noch empfindlich und sehr formbar. Die sogenannte Anhock-Spreizstellung beim Tragen trägt zu einer gesunden Entwicklung der Babyhüfte bei. Darauf weisen Gesundheitsexperten hin.


Babys werden oft am Körper getragen

Säuglinge werden von ihren Eltern gerne am Körper getragen. Die Nähe zur Mutter oder zum Vater soll ihnen ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln. Allerdings können dabei auch Fehler gemacht werden, die mitunter sogar Hüftschäden verursachen. Richtig getragen, wird jedoch auch die gesunde Ausbildung der Babyhüfte gefördert. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) hin.

Babys werden oft am Körper getragen, um ihnen ein Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln. Die Anhock-Spreizstellung trägt zu einer gesunden Entwicklung der Babyhüfte bei. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Hüfte von Neugeborenen ist noch nicht fertig

Nach der Geburt ist die Kinderhüfte noch nicht fertig, sondern großenteils nur knorpelig vorgebildet. Sie ist deshalb in den ersten sechs Lebensmonaten sehr empfindlich, schreibt die DGOU in einer Mitteilung.

Laut den Experten ist sie bis zum Laufbeginn mit 18 Monaten noch sehr formbar. Bildet sich die Hüfte nicht richtig aus, dann liegt eine sogenannte Hüftdysplasie vor: Hüftkopf und -pfanne passen nicht optimal zusammen.

Der Hüftkopf wird dabei nur zum Teil von der Pfanne überdacht – und nicht wie normalerweise in seiner gesamten Breite.

In seltenen Fällen ist die Pfanne so schlecht entwickelt, dass sie den Hüftkopf nicht halten kann. Es kommt zur sogenannten Hüftluxation: Die Hüfte renkt aus.

Ordentliche Ausreifung der empfindlichen Babyhüfte unterstützen

Das Tragen der Kinder in der sogenannten Anhock-Spreizstellung unterstützt die ordentliche Ausreifung der empfindlichen Babyhüfte.

Dabei werden die Beine des Säuglings auseinandergespreizt und die Knie befinden sich angewinkelt auf Nabelhöhe. Diese Stellung der Hüften entspricht auch der natürlichen Stellung im Mutterleib.

Die Oberschenkelknochen wirken in dieser Haltung mit ihren Hüftköpfen optimal auf die Hüftpfannen ein. Richtig gebundene Tragetücher und ausgewählte Tragehilfen unterstützen diese hüftfreundliche Haltung.

„Eine gesunde Hüfte im Kindesalter ist die Grundlage für ein schmerzfreies Leben im Alter“, sagt Prof. Dr. Dr. Werner Siebert, Präsident der DGOU und Ärztlicher Direktor der Vitos Orthopädische Klinik Kassel.

Falsches Tragen verzögert die Hüftentwicklung

Umgekehrt kann das Tragen in Streckstellung mit zusammengedrückten Beinen die Hüftentwicklung verzögern und schaden.

„Bei gestreckten Oberschenkeln wird die Pfanne an ihrer empfindlichsten und schwächsten Stelle belastet. Der knorpelige Anteil der unreifen Pfanne gibt nach. Sie wird verformt und dysplastisch“, so Professor Robert Rödl, 1. Vorsitzender der DGOU-Sektion „Vereinigung für Kinderorthopädie“ und Chefarzt der Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie am Universitätsklinikum Münster.

Die Entwicklung der Hüfte muss deshalb unbedingt beobachtet werden. Entscheidend sind die rechtzeitigen U-Untersuchungen des „Gelben Heftes“.

Dabei werden die Hüften von Kindern mit Risikofaktoren bereits bei der U2 innerhalb des dritten bis zehnten Lebenstages schonend mit Ultraschall untersucht. Alle anderen Kinder erhalten den Hüft-Ultraschall bei der U3 in der vierten bis fünften Lebenswoche.

„Das Hüftultraschall-Screening ist ein wahrer Segen. Früher waren viel mehr Operationen nötig, weil man die entscheidende Phase verpasst hat“, sagt Rödl.

Allerdings wies die DGOU in der Vergangenheit darauf hin, dass die Hüft-Sonografie bei Säuglingen oft nicht genutzt wird.

Frühe Erkennung und sofortige schonende Therapie

Die Hüftsonographie zeigt an, ob eine Therapie nötig ist, bevor unwiederbringliche Schäden entstanden sind. „Je früher wir Schäden erkennen, umso kürzer und schonender ist die Therapie“, betont Rödl.

Bei einer rechtzeitig erkannten Hüftdysplasie erfolgt die Therapie konservativ, also nicht-operativ: Die Stellung der Oberschenkel in Anhock-Spreizstellung wird dabei für die gute Pfannenausbildung der Hüfte genutzt.

Das Tragetuch reicht dann aber nicht mehr aus – es kommen Schienen und Gipshosen zur Anwendung, die 24 Stunden am Tag wirken.

Dysplastische Hüften, die erst nach dem zweiten Lebensjahr erkannt werden, können nur noch durch eine Beckenoperation korrigiert werden.

Selbst bei älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen kann noch am Becken korrigiert werden, aber die Operation ist dann aufwändiger.

Wird die Hüftdysplasie nicht korrigiert, führt dies zu vorzeitigem Verschleiß. Dann kann auch schon in jungen Jahren der Ersatz durch ein neues Hüftgelenk nötig werden.

Dies wird durch eine frühe Erkennung und sofortige schonende Therapie – am besten direkt nach der Geburt – spätestens im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen U2 beziehungsweise U3 verhindert.

Hintergrundinformationen

Den Experten zufolge kommen etwa zwei bis vier von hundert Kindern mit behandlungsbedürftigen Reifungsstörungen an der Hüfte auf die Welt.

Mittels Ultraschall erkennen Orthopäden und Unfallchirurgen die Hüftdysplasie unmittelbar nach der Geburt und können sie frühzeitig ambulant behandeln. Seit 1996 ist das Diagnoseverfahren fester Bestandteil der U2- und U3-Untersuchung.

Dass Hüftreifungsstörungen heutzutage früh entdeckt und behandelt werden, wird in Zukunft zu einer deutlichen Reduzierung von Hüftendoprothesen bei Patienten unter 50 Jahren führen. Denn derzeit werden mindestens 15 Prozent infolge unbehandelter Hüftdysplasien eingesetzt.

Die Einführung der Ultraschalluntersuchung der Säuglingshüfte trägt demnach wesentlich zur Verbesserung der kinderorthopädischen Gesundheitsvorsorge bei. (ad)