Dieses Protein fördert die Knochenbildung und senkt Fettgewebeansammlungen

Alfred Domke

Stärkere Knochen und weniger Fett: Neues Stoffwechselprotein identifiziert

In Deutschland leiden rund sechs Millionen Menschen an Osteoporose. Die auch als „Knochenschwund“ bekannte Erkrankung wird häufig von einer Anhäufung von Fettgewebe begleitet. Forscher haben nun ein Protein identifiziert, das die Knochenbildung fördert und gleichzeitig die Fettgewebeansammlung vermindert.


Eine der häufigsten Krankheiten weltweit

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört Osteoporose zu den zehn häufigsten Krankheiten weltweit. Allein in Deutschland leiden rund sechs Millionen Menschen daran. Die Erkrankung betrifft überwiegend ältere Menschen, vor allem Frauen. Männer sind verhältnismäßig weniger vom Knochenschwund betroffen. Häufig wird Osteoporose von einer Anhäufung von Fettgewebe begleitet. Deutsche Forscher haben nun ein Protein identifiziert, das die Knochenbildung fördert und gleichzeitig die Fettgewebeansammlung vermindert.

Bei Osteoporose kann es selbst ohne Unfall leicht zu einem Knochenbruch kommen. Die Erkrankung wird zudem oft von einer Anhäufung von Fettgewebe begleitet. Nun wurde ein Protein identifiziert, das die Knochenbildung fördert und gleichzeitig die Fettgewebeansammlung vermindert. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Verstärkter Knochenabbau und verringerter Knochenaufbau

Wenn Knochen bei gewöhnlichen Belastungen oder geringen Verletzungen brechen, spricht man von Osteoporose oder auch von „Knochenschwund“.

Bei dieser Erkrankung kommt es zu einem verstärkten Knochenabbau und einem gleichzeitig verringerten Knochenaufbau. In der Folge werden die Knochen zunehmend morsch und können dadurch leichter brechen.

Die Bildung von Knochen und Fett hängt sehr stark voneinander ab. Beide Gewebe werden von gemeinsamen Vorläuferzellen gebildet, den sogenannten mesenchymalen Stammzellen. Diese können sich entweder zu knochenaufbauenden Zellen oder zu Fettzellen entwickeln.

Faktoren, die die Fettgewebebildung unterstützen, hemmen gleichzeitig den Knochenaufbau und verringern dadurch die Knochenqualität. Die Identifizierung solcher Faktoren ist wichtig, um neue Methoden für die Behandlung von Osteoporose oder Übergewicht zu entwickeln.

Verbesserung der Knochenqualität

Laut einer Mitteilung haben Wissenschaftler der Leipziger Universitätsmedizin und des Dresdner Universitätsklinikums nun ein neues Protein identifiziert, das genau dieses Zusammenspiel kontrolliert.

Wie die Forschungsergebnisse, die im Fachmagazin „Science Translational Medicine“ veröffentlicht wurden, zeigen, unterstützt das Protein (CD90/Thy-1) die Knochenbildung und hemmt gleichzeitig die Fettgewebsbildung.

Den Angaben zufolge weisen Mäuse, denen dieses Protein fehlt, tatsächlich eine deutlich schlechtere Knochenqualität auf und werden dicker.

Die Forscher konnten zudem zeigen, dass Patienten mit verringerter Knochenqualität, aber auch übergewichtige Patienten einen wesentlich niedrigeren Serumspiegel dieses CD90/Thy-1-Proteins haben als gesunde Menschen.

Weiterführende Untersuchungen sollen nun zeigen, ob dieser Faktor als neue Zielstruktur zur Verbesserung der Knochenqualität bei Übergewicht oder als Marker zur Frühdiagnose des Knochenschwundes genutzt werden kann.

Osteoporose vorbeugen

Gesundheitsexperten zufolge ist grundsätzlich eine Osteoporose-Prävention empfehlenswert, bevor die Knochen schwinden. Der beste Schutz vor der Krankheit ist immer noch eine gesunde Lebensweise, die zumindest die beeinflussbaren Risikofaktoren vermeidet.

Vor allem drei Maßnahmen können dazu beitragen, den Knochenabbau zu verhindern oder zumindest zu verzögern: Eine kalziumreiche Ernährung, regelmäßige sportliche Betätigung und ausreichend Vitamin D.

Um die Knochen zu stärken, ist es vor allem wichtig, ausreichend Kalzium zu sich zu nehmen – und dies bereits in jungen Jahren. Dieses Mineral findet sich in zahlreichen Lebensmitteln.

Oft werden Milchprodukte als gute Kalziumlieferanten hervorgehoben. Allerdings weist der „Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband e.V.“ (OSD) auf seiner Webseite darauf hin, dass ein „hoher Eiweißanteil in der Nahrung zu Kalziumverlusten führt“.

Und: „Der häufige Verzehr von tierischen Eiweißen durch Milchprodukte, Eier und Fleisch führt zu einer chronischen Übersäuerung des Organismus“, so die Experten.

Daher sei es fraglich, ob Milchprodukte wirklich gesundheitlich zuträgliche und optimale Kalziumlieferanten sind.

Auch anderen Fachleuten zufolge sollte der wichtige Mineralstoff besser über Gemüse wie Brokkoli, Fenchel oder Grünkohl, Nüsse, Sojaprodukte oder auch kalziumhaltige Mineralwässer aufgenommen werden.

Hüten sollte man sich vor dem Kalziumräuber Phosphat. Dieser findet sich besonders in Wurstwaren, in Cola-Getränken oder in Konservierungsstoffe von Fertiggerichten.

Versorgung mit Vitamin D und regelmäßige Bewegung

Von herausragender Bedeutung zur Osteoporose-Vorbeugung ist auch Vitamin D.

Das sogenannte Sonnenvitamin wird zwar vom menschlichen Körper bei ausreichender Sonneneinstrahlung selbst gebildet, doch bei geringer Sonnenlichtexposition kann es nötig sein, Vitamin D künstlich zuzuführen.

Darüber hinaus darf die sportliche Betätigung nicht fehlen. Denn ausreichend Bewegung versetzt die Knochen in die Lage, optimal Kalzium einzulagern.

Gesundheitsexperten zufolge sollte allerdings darauf geachtet werden, Sportarten zu wählen, die Druck auf die Knochen ausüben.

Geeignet sind unter anderem leichte Gymnastik, Nordic Walking, Wandern, Langlaufen oder Radfahren.

Laut dem OSD ist Schwimmen zwar gut für die Ausdauer und das Herz und Kreislaufsystem, schont Bänder und Gelenke, belastet die Knochen aber nicht. Als Prophylaxe und zur Unterstützung der Osteoporose-Therapie ist es daher weniger geeignet. (ad)