Fledermaus-Grippe: Neuer Infektionsweg bei Influenza-Viren nachgewiesen – Übertragung auf Menschen und Nutztiere möglich

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Neuen Infektionsweg von Influenzaviren entdeckt

In Südamerika entdeckten Forschende einen neuen Virus vom Typ Influenza (Grippe-Virus), der in Fledermäusen grassiert. Im Gegensatz zu den anderen Viren aus der Gruppe nutzt der Erreger einen völlig anderen Weg der Infektion. Ein Forschungteam aus der Schweiz untersuchte den Keim nun genauer. Im Labor zeigte sich, dass das Virus auch Zellen von Hühnern, Schweinen, Mäusen und von Menschen infizieren kann.


Die „Fledermaus-Grippe“ könnte sich zu einer neuen Zoonose entwickeln, also einer Krankheit, die von Tieren auf den Menschen überspringt, „was im schlimmsten Fall zu einer weltweiten Influenzapandemie mit zahlreichen schweren Erkrankungen und Todesfällen führt“, schreiben die Forschenden der Universität Zürich. Die Studienergebnissen wurden kürzlich in dem renommierten Fachjournal „Nature“ veröffentlicht.

Fledermäuse sind als Wirte für zahlreiche Viren wie beispielsweise Ebola bekannt. Nun untersuchte ein Forschungsteam einen neuartigen Virus aus der Influenza-Gruppe. Er entstammt von Fledermäusen aus Afrika. (Bild: Geza Farkas/fotolia.com)

Wie infizieren Influenza-Viren menschliche Zellen?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wird die hierzulande grassierende Grippe insgesamt von vier Influenza-Linien verursacht: Influenza Typ A-Viren (mit den Subtypen H1N1 und H3N2) und Influenza Typ B-Viren (mit den Subtypen Victoria- und Yamagata-Linie). „Die bisher bekannten Influenzaviren dringen über Sialinsäure in die Wirtszellen ein“, schreiben die Forschenden der Uni Zürich. Das sei eine chemischen Gruppen, die auf der Oberfläche bei fast allen Zellen des Menschen vorkommt.

Neuartiger Grippe-Erreger befällt direkt das Immunsystem

Im Gegensatz zu dem bekannten Infektionsweg verwenden die entdeckten Fledermaus-Viren einen völlig anderen Mechanismus, der kürzlich von einem Schweizer Forschungsteam entschlüsselt wurde. „Die Influenzaviren benutzen sogenannte MHC-II-Moleküle für ihren Eintritt in die Wirtszelle“, erklärt die Virologin Silke Stertz in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Bei MHC-II-Molekülen handelt es sich um Proteinverbindungen, die auf der Oberfläche von Immunzellen vorkommen. Sie sorgen im Normalfall dafür, dass der Körper eigene von fremden Zellen unterscheiden kann.

Erreger stellt eine Gefahr für Menschen und Nutztiere dar

„Überraschend war, dass die Fledermaus-Influenzaviren nicht nur MHC-II-Komplexe von menschlichen Zellen, sondern auch jene von Hühnern, Schweinen, Mäusen und verschiedenen Fledermausarten nutzen können“, ergänzt der Erstautor der Studie Umut Karakus. Das Virus habe somit das Potential, sowohl Menschen wie auch Nutztiere zu infizieren. Bislang seien aber noch keine Infektionen beim Menschen bekannt.

Virus soll nun weiter erforscht werden

Forschende des Universitätsklinikums Freiburg vermuten, dass es sich bei dem Fledermaus-Virus um die Mutation eines bekannten Influenza-Virus handeln könnte. „Es ist durchaus möglich, dass der jetzt entdeckte Infektionsweg über MHC-II ursprünglich aus dem von uns bekannten Sialinsäure-Weg entstanden ist“, erläutert Professor Schwemmle in einer weiteren Pressemitteilung zu dem Virus. Sein Team will dies nun genauer untersuchen. Unter anderem soll auch geklärt werden, ob die Gefahr besteht, dass sich Influenza-Viren entwickeln, die über beide Infektionswege verfügen. „Denn offensichtlich sind Influenzaviren deutlich vielseitiger als bisher gedacht“, resümiert der Professor. (vb)