Forscher haben neue Diabetes-Gene identifiziert

Stoffwechselerkrankung: Studie hat neue Diabetes-Gene entschlüsselt

Immer mehr Menschen in Deutschland erkranken an Diabetes. Neben Lebensstil- und Umweltfaktoren sind auch verschiedene Gene für die Krankheitsentstehung verantwortlich. In einer aktuellen Studie wurden nun neue Diabetes-Gene entschlüsselt.


Immer mehr Diabetiker in Deutschland

Diabetes mellitus ist eine der großen Volkskrankheiten in Deutschland“, heißt es im Vorwort des „Deutschen Gesundheitsberichts Diabetes 2018“. Laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) sind aktuell etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an der sogenannten „Zuckerkrankheit“ erkrankt. Während bei Typ-2-Diabetes ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht als eindeutige Risikofaktoren gelten, ist Typ-1-Diabetes durch eine fehlgeleitete Reaktionen des Immunsystems bedingt. Doch auch bestimmte Gene sind für die Krankheitsentstehung verantwortlich. In einer Studie, die federführend durch ein Team des Helmholtz Zentrums München sowie des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) entstand, wurden nun neue Diabetes-Gene entschlüsselt. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachmagazin „Nature Communications“.

Sowohl bei Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes sind neben Lebensstil- und Umweltfaktoren auch viele verschiedene Gene für die Krankheitsentstehung verantwortlich. Forscher haben nun neue Diabetes-Gene entschlüsselt. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Auch verschiedene Gene sind für die Krankheitsentstehung verantwortlich

Sowohl bei Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes sind neben Lebensstil- und Umweltfaktoren auch viele verschiedene Gene für die Krankheitsentstehung verantwortlich, heißt es in einer Mitteilung des Helmholtz Zentrums München.

Sie liefern die Baupläne der einzelnen Proteine, die eine Funktion im Zuckerstoffwechsel haben.
Viele Gene, die in der Entwicklung von Erkrankungen wie Diabetes eine wichtige Rolle spielen, sind nach wie vor unbekannt.

Nur durch die Entschlüsselung der Ursachen und Entstehungsmuster gelingt es, die Krankheiten zu verstehen und therapeutisch sowie präventiv einzugreifen.

Neu identifizierte Diabetes-Gene könnten beispielsweise als Biomarker für eine individuelle Risikovorhersage oder zur Diagnostik der Erkrankung eingesetzt werden.

Stoffwechselfunktionen untersucht

Auf diesem Weg sind Prof. Dr. Martin Hrabě de Angelis und sein Team der German Mouse Clinic (GMC) am Institut für Experimentelle Genetik (IEG) des Helmholtz Zentrums München nun einen Schritt weitergekommen.

Im Rahmen des Internationalen Mouse Phenotyping Consortiums (IMPC) untersuchten sie Stoffwechselfunktionen von Mausmodellen, denen jeweils ein genau ausgewähltes Gen fehlte.

Mit dieser Methode versuchten die Forscher herauszufinden, ob das fehlende Gen an wichtigen Stoffwechselprozessen beteiligt ist.

„Unsere Auswertung dieser Phänotypisierungsdaten hat insgesamt 974 Gene identifiziert, deren Verlust Auswirkungen auf den Zucker- und Fettstoffwechsel zeigt“, so Hrabě de Angelis, der die Studie leitete.

„Für mehr als ein Drittel der Gene war zuvor keine Verbindung zum Stoffwechsel bekannt. Spannend ist zudem, dass je nach Geschlecht unterschiedliche Gene betroffen sein können.“

Bestimmte Gene spielen eine Rolle bei Diabeteserkrankungen

Darüber hinaus, so berichten die Forscher um Erstautor Dr. Jan Rozman, waren die Funktionen von 51 der gefundenen Stoffwechsel-Gene bisher gänzlich unbekannt.

Zusätzlich konnte bereits beim Abgleich mit an Menschen erhobenen Genom-Daten gezeigt werden, dass 23 Gene offenbar eine Rolle bei Diabeteserkrankungen beim Menschen spielen.

Eines dieser Gene ist C4orf22, das bei Teilnehmern in der Diabetes-Studie „Tübingen Family Study (TÜF)“ an der Wirkung von Insulin beteiligt zu sein scheint. Für die 51 neuen Gene muss das noch gezeigt werden.

„Sie sind neue Kandidatengene, und die neuen Ergebnisse sind möglicherweise hilfreich bei der Untersuchung der Ursache eines gestörten Zuckerstoffwechsels und Diabetes“, erläutert Rozman.

Interessanterweise, so erklärt der Bioinformatiker und Koautor Dr. Thomas Werner, ähnelten sich diese Gene auch in ihrer Struktur: Viele wiesen gemeinsame regulatorische Elemente auf.

Die Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass es sich bei diesen Genen um ein Netzwerk handelt.

Künftig wollen sie die Erkenntnisse zu diesen neuen Regulationsstrukturen weiter untersuchen und ausloten, inwiefern sich Möglichkeiten der Vorhersage von Genfunktionen unbekannter Gene aber auch neue Therapieansätze aus dem neuen Wissen ergeben. (ad)