Frau verstirbt nach Ostsee-Bad an Krankheitserregern – Hohes Infektionsrisiko durch Vibrionen

Strandkorb an verlassenem Strand

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Vibrionen-Infektion: Frau stirbt nach Bad in der Ostsee

In Mecklenburg-Vorpommern ist eine Frau nach einem Bad in der Ostsee gestorben. Sie hatte sich mit Vibrionen infiziert. Gesundheitsexperten zufolge können diese Bakterien vor allem für Menschen mit chronischen Grundleiden, geschwächtem Immunsystem sowie für Personen höheren Alters gefährlich werden. Doch wie bedrohlich sind die Krankheitserreger wirklich?


Erster Todesfall infolge einer Vibrionen-Infektion

Experten zufolge können bei den derzeit herrschenden höheren Temperaturen in der Ostsee vermehrt Vibrionen vorkommen, die in seltenen Fällen zu schweren Infektionen führen können. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nun den ersten Todesfall infolge einer solchen Erkrankung. Laut dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) handelt es sich bei der Toten um eine ältere Frau, die zur Risikogruppe der immungeschwächten Personen gehörte, berichtet der Norddeutsche Rundfunk (NDR).

Strandkorb an verlassenem Strand
In Mecklenburg-Vorpommern ist eine ältere Frau nach einem Bad in der Ostsee infolge einer Vibrionen-Infektion gestorben. (Bild: Perry/fotolia.com)

Vier weitere Erkrankungen registriert

Aus datenschutzrechtlichen Gründen teilte das Amt nicht mit, woher die Frau stammte und wo sie sich infizierte.

Den Angaben zufolge registrierte die Behörde neben dem Todesfall seit Juni vier weitere Erkrankungen durch Vibrionen-Infektionen.

Im vergangenen Sommer zählte das LAGuS insgesamt 18 Erkrankungen, darunter drei Todesfälle.

Mehr Bakterien durch höhere Temperaturen

Vibrionen sind ein natürlicher Bakterien-Bestandteil in salzhaltigem Meerwasser. „Sie vermehren sich vor allem bei einem Salzgehalt ab 0,5 % und ab einer Temperatur von ca. 20 Grad Celsius stark“, erklärt das LAGuS in einem von mehreren Informationsblättern, die auf der Webseite der Behörde heruntergeladen werden können.

„Diese Bedingungen sind besonders in warmen Sommern auch an der deutschen Nord- und Ostseeküste gegeben“, heißt es dort weiter.

Laut den Experten bestehe „ein gewisses, wenn auch sehr geringes Risiko, an einer Infektion durch Vibrionen zu erkranken“.

Erreger können über Wunden in den Körper gelangen

Dem LAGuS zufolge sind oberflächliche und tiefe Hautverletzungen bei Infektionen mit Vibrionen im Ostseeraum die Haupteintrittspforten.

Die Bakterien gelangen darüber beim Baden oder Wasserwaten in erregerhaltigem Ostseewasser in den Körper. Wundinfektionen, die mit tiefgreifenden Nekrosen einhergehen, spielen in der Region die Hauptrolle.

Infektionen mit Vibrionen sind an einer Rötung, Schwellung oder Blasenbildung der Haut erkennbar. Es können sich dann Fieber, Schüttelfrost, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen oder ein Schock einstellen.

Davon ausgehend kann sich sehr schnell eine sogenannte Sepsis (Blutvergiftung) ausbilden.

„Relativ schnell kann sich so ein lebensbedrohlicher Zustand entwickeln“, warnen die Experten.

Wer besonders gefährdet ist

Die Erkrankungsgefahr bestehe im Wesentlichen für Menschen mit chronischen Grundleiden (beispielsweise Lebererkrankungen, Alkoholabhängigkeit, Diabetes mellitus) beziehungsweise mit bestehender Immunschwäche (zum Beispiel nach Transplantationen beziehungsweise bei einer bestehenden HIV-Infektion) sowie für Personen höheren Alters.

„Wenn Sie zu einer dieser Risikogruppen gehören, vermeiden Sie den Kontakt offener Wunden mit Salzwasser!“, warnt die Behörde.

Und auch Personen mit offenen oder schlecht heilenden Wunden sollten sich gut überlegen, ob sie sich dem Kontakt mit Vibrionen-haltigem Meerwasser aussetzen. Gegebenenfalls kann die Wunde mit wasserdichtem Pflaster abgedeckt werden und das Baden ist möglich.

Schnelligkeit kann Leben retten

Im Allgemeinen macht sich die Infektion bereits nach 12 und 72 Stunden bemerkbar. „Diese sehr kurze Inkubationszeit führt in der Regel dazu, dass betroffene Personen meist in der Nähe des Ortes erkranken, an dem sie sich infiziert haben“, schreibt das LAGuS.

Bei entsprechenden Symptomen sollte sofort ein Arzt konsultiert und auf Kontakt mit Meerwasser hingewiesen werden.

Bereits bei einem entsprechenden Verdacht sollte unverzüglich eine adäquate Therapie mit Antibiotika sowie eventuell eine chirurgische Wundversorgung erfolgen.

„Dabei gilt: Schnelligkeit kann Leben retten“, so die Experten. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen: