Studie: Frauen mit Diabetes haben ein höheres Risiko für Folgeerkrankungen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Diabetikerinnen haben eine geringere Lebenserwartung als Männer mit Diabetes

In Deutschland sind rund 7,6 Millionen Menschen zuckerkrank. Die Stoffwechselkrankheit kann zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Frauen mit Diabetes haben hierbei ein höheres Risiko als betroffene Männer. Auch ihre Lebenserwartung ist geringer.


Mehr als sieben Millionen Deutsche leiden an Diabetes

Gesundheitsexperten zufolge leben in Deutschland rund 7,6 Millionen Diabetiker. 95 Prozent von ihnen sind an einem Typ-2-Diabetes erkrankt. Die Krankheit kann zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Häufig bedingt Diabetes im Laufe der Zeit Erkrankungen des Herzkreislaufsystems, wie Herzinfarkt oder chronische Herzschwäche. Diabetikerinnen haben ein höheres Risiko für Folgeerkrankungen als Diabetiker. Zudem ist bei den betroffenen Frauen die Lebenserwartung geringer als bei Männern mit Diabetes. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Mitteilung hin.

Frauen mit Diabetes haben ein höheres Risiko für Folgeerkrankungen und eine geringere Lebenserwartung als betroffene Männer. (Bild: Dmitry Lobanov/fotolia.com)

Übergewicht erhöht das Erkrankungsrisiko

Übergewicht erhöht bei beiden Geschlechtern das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

Laut der DDG neigen Frauen aber im Durchschnitt häufiger zu Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) als Männer.

Und obwohl Männer häufiger eine bauchbetonte Fettverteilung aufweisen, ist ein hoher Bauchfettanteil für Frauen ein stärkerer Risikofaktor für die Stoffwechselerkrankung.

Den Experten zufolge haben Frauen mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 im Vergleich zu betroffenen Männern auch ein höheres Sterblichkeitsrisiko.

Hierzulande ist es bei Männern mit Typ-2-Diabetes um das 2,8-fache und bei Frauen sogar um das 4,2-fache höher als bei stoffwechselgesunden Menschen beider Geschlechter. Dabei spielen biologische, soziale sowie soziopsychologische Faktoren eine Rolle.

Höhere Sterblichkeitsrate

„In allen Altersgruppen haben Frauen eine höhere Sterblichkeitsrate durch Diabetes als Männer“, so Privatdozentin Dr. med. Julia Szendrödi, Leiterin des Klinischen Studienzentrums am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf.

„Der Unterschied ist jedoch in der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen am größten.“

Zudem ist Untersuchungen zufolge die Übersterblichkeit von Frauen mit Diabetes in Deutschland trotz vergleichbarer Gesundheitsversorgung höher als in Schweden, Großbritannien oder Kanada.

Erhöhte Belastung gilt auch bei Frauen mit Diabetes Typ 1
Wie die DDG schreibt, weisen Frauen mit Diabetes auch eine deutlich höhere Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf.

„Selbst bei Berücksichtigung aller anderen Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Blutfettwerte und Rauchen, haben Frauen mit Diabetes im Vergleich zu betroffenen Männern ein um 27 Prozent höheres Risiko für einen Schlaganfall und ein um 44 Prozent höheres Risiko, eine koronare Herzkrankheit zu erleiden“, erläutert die Medizinerin.

Diese erhöhte Belastung gilt auch für Frauen mit Diabetes Typ 1. Wenn sie bereits in früher Kindheit daran erkrankt sind, ist ihr Risiko für ein schweres kardiovaskuläres Risiko sogar um bis zu 90-fach höher als bei Frauen ohne Diabetes.

Geschlechtsspezifische Faktoren müssen erforscht werden

Laut der DDG müssen für wirksame Strategien zur Vorbeugung und Behandlung geschlechtsspezifische biologische und soziale Faktoren sowie Verhaltensmuster erforscht werden.

„Aktuell begleiten und untersuchen wir am Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf im Rahmen der Deutschen Diabetes-Studie Frauen und Männer ab ihrer Diabetesdiagnose“, erklärt Dr. Szendrödi.

„Es zeigt sich, dass trotz optimaler Behandlungsbedingungen viele Frauen die Zielwerte für Glukoseeinstellung, Blutdruck- und Blutfettwerte nicht erreichen.“

Den Angaben zufolge hängen gesteigerte Raten von Begleiterkrankungen und die höhere Sterblichkeitsrate bei Frauen unter anderem mit soziopsychologischen Faktoren wie der eigenen Fürsorge bei der medizinischen Behandlung, der Einhaltung von Diäten oder sportlichen Aktivitäten zusammen.

„Frauen haben hier häufiger Defizite als Männer und führen ein Zusammentreffen von Lebensumständen, weitere Erkrankungen und körperliche Grenzen als mögliche Gründe an“, erläutert die Leiterin des Klinischen Studienzentrums am DDZ.

Laut Dr. Szendrödi ist die Datenlage zur Lebenserwartung bei Frauen mit Diabetes bislang unzureichend.

„Ein Grund dafür könnte sein, dass Frauen im gebärfähigen Alter aus klinischen Studien häufig ausgeschlossen werden – einerseits um zyklusabhängige Effekte zu vermeiden, andererseits, um das Risiko einer ungeplant eintretenden Schwangerschaft unter Studienmedikation zu umgehen.“ (ad)