Führt Stress bei der Arbeit zu Krebs?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Dauerhafter Stress bei der Arbeit erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken – im Darm und in der Speiseröhre. Das ergab eine Metastudie von Tingting Yang und seinem Team in Henan.


Daten von 200.000 Menschen

Yangs Team wertete Daten von circa 200.000 Probanden in Langzeitstudien aus Nordamerika und den USA daraufhin aus, ob es Zusammenhänge zwischen deren Stress bei der Arbeit und Krebsarten gibt.

Es gibt eine Korrelation zwischen der Häufigkeit von Darmkrebs und Stress bei der Arbeit, so eine neue Studie. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Mehr Darmkrebs und Speiseröhrenkrebs

Die Wissenschaftler wurden fündig. Bei zwei Krebsformen gab es eine Korrelation: Darmkarzinome und Tumoren in der Speiseröhre. Auffällig oft zeigte sich bei Menschen, die viel Stress ausgesetzt waren, zudem Lungenkrebs. Dies galt auch unter Berücksichtigung bekannter Risiken: Rauchen oder ungesunder Lebensstil. Übergewicht kann Depressionen auslösen, fördert aber auch Karzinome.

Krebsauslöser nach wie vor wenig geklärt

Krebs gehört in den Industrieländern nicht nur zu den häufigen Erkrankungen, sondern auch zu denen, die am meisten Tode verursachen. Trotz intensiver Forschung sind jedoch die Auslöser nur zum Teil bekannt.

Welche Ursachen sind bekannt?

Wir wissen, dass Rauchen, Alkohol und verschiedene Gifte Krebserkrankungen fördern. Einflüsse der Umwelt, Ernährung und Lebensweise spielen ebenso hinein wie genetische Anlagen.

Genmutationen

Die Wissenschaft kennt mehr als 400 Gene, die im Fall einer Mutation, zu einem unkontrollierten Wachstum von Zellen führen können. Dieses unkontollierte Zellwachstum bezeichnen wir als Krebs. Bei fünf oder mehr dieser Mutationen zugleich, können sich Tumore bilden. Die Ursache für jede einzelne dieser Mutationen ist unterschiedlich.

Stress schon lange als Auslöser diskutiert

Stress als möglichen Auslöser für Krebs diskutieren Wissenschaftler schon länger. Stress bringt Hormone durcheinander, und manche vermuten, dass ein erhöhter Spiegel des Stresshormons Cortisol Zellen biochemisch verändert, was die Bildung von Tumoren fördert. Andere Mediziner meinen, dass Stressreaktionen das Immunsystem Schwächen und chronische Störungen des biochemischen Stoffwechsels auslösen können, was wiederum Karzinome entstehen lassen könnte.

Methodische Probleme

Forschung zu Stress und Krebs hatte bisher das Problem, dass sich durch akuten Stress vermutlich ausgelöste Veränderungen der Zellen nicht auf die Tumorbildung im menschlichen Körper übertragen lassen, die Jahrzehnte dauert.

Darm in Amerika, Speiseröhre in Europa

In Amerika zeigte sich, so Yang, der Anstieg von Krebsfällen bei erhöhtem Arbeitsstress in Darmtumoren, in Europa bei Karzinomen in der Speiseröhre.

Was passiert?

Laut Yang ist der biochemische Mechanismus zwischen Arbeitsstress und Krebs noch unklar. So gebe es verschiedene biologische Prozesse, durch die Stress zu Krebs führen können. Jetzt müsse man herausfinden, um welchen davon es sich handelt.

Gibt es Hinweise auf andere Krebsformen?

Yangs Studie ergab zudem, dass es bei bestimmten anderen Krebsarten keine nachweisbaren Risiken durch Arbeitsstress gibt. So zeigte sich bei den Gestressten kein Anstieg bei Karzinomen an der Prostata, Brustkrebs und Tumoren an den Eierstöcken. (Dr. Utz Anhalt)
(International Journal of Cancer, 2018; doi: 10.1002/ijc.31955)