Gesundheitsrisiko wegen drastischer Verbreitung – Vorsicht bei Kontakt mit Eichenprozessionsspinnern

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Experten sind besorgt: Eichenprozessionsspinner breiten sich immer weiter aus

Experten sind wegen der derzeit massiven Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners besorgt. Die Bevölkerung wird zur erhöhten Achtsamkeit und Vorsorge aufgerufen. Die Raupen des Schmetterlings können bei Menschen gesundheitliche Beschwerden wie Luftnot und Hautreizungen auslösen.


Immer mehr Eichenprozessionsspinner

Die nordrhein-westfälische Landesregierung ist wegen der derzeit massiven Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners besorgt und ruft die Bevölkerung zur erhöhten Achtsamkeit und Vorsorge auf. „Das aktuell trockene und heiße Wetter begünstigt die Ausbreitung der Raupen“, erklärt Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, in einer Mitteilung. Experten haben einige Tipps rund um den Eichenprozessionsspinner.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung sieht die derzeit massive Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners mit Sorge und ruft die Bevölkerung zur erhöhten Achtsamkeit und Vorsorge auf. (Bild: conserver/fotolia.com)

Nur die Raupen können gefährlich werden

„Der Eichenprozessionsspinner ist eine in Deutschland heimische Schmetterlingsart. Diese hat sich in manchen Bundesländern in den letzten Jahren massenhaft vermehrt“, schreibt das Umweltbundesamt auf seiner Webseite.

„Hiervon besonders betroffen sind der Nordosten und der Südwesten Deutschlands sowie Teile Nordrhein-Westfalens“, heißt es dort weiter.

Der graubraune Nachtfalter selbst ist harmlos, aber der Nachwuchs kann gefährlich werden.

„Die Raupen besitzen sogenannte „Brennhaare“, die bei Hautkontakt zu Verletzungen und entzündlichen Reizungen führen können. Wenn sie eingeatmet werden, können zudem Atembeschwerden auftreten“, so Dr. Edmund Heller, Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Arbeits- und Gesundheitsministerium.

Zudem können weitere Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung auftreten.

Bei überempfindliche Personen drohen auch allergische Schockreaktionen.

„Der Kontakt mit den Raupen und den Gespinstnestern, welche die Raupen zum Zwecke der Verpuppung errichten, ist unbedingt zu meiden“, warnt Dr. Heller.

Keine Gegenmaßnahmen auf eigene Faust durchführen

Die Ministerien in NRW raten dringend dazu, sich von den Raupen, deren Nestern und Häuten fernzuhalten.

Wichtig zu wissen: Die feinen Brennhaare können bei günstiger Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken getragen werden.

Dem Niedersächsischem Landesgesundheitsamt (NLGA) zufolge können sie bis zu einem Jahr giftig bleiben.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung weist darauf hin, dass keine Gegenmaßnahmen – etwa im heimischen Garten – auf eigene Faust durchgeführt werden sollten. Für das Entfernen der Nester sollten Spezialfirmen beauftragt werden.

Zudem sollte das Ordnungsamt der zuständigen Kommune informiert werden, damit die befallenen Stellen von den Kommunen kartiert werden können.

Wie es in der Mitteilung heißt, bietet das Absaugen mit speziellen Geräten eine effektive Möglichkeit zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners und der einhergehenden Gefahren.

Daneben besteht laut den Fachleuten auch die Möglichkeit des gezielten Einsatzes von Bioziden. Dieser ist aber insbesondere vor Ausbildung der Brennhaare bis zum zweiten Raupenstadium sinnvoll – und dieses Stadium ist für dieses Jahr bereits abgeschlossen.

Was bei Gifthaarkontakt zu tun ist

Wie die nordrhein-westfälische Landesregierung schreibt, empfehlen die Gesundheitsbehörden bei Verdacht eines Gifthaarkontakts folgende Maßnahmen:

  • Sofort Kleidung wechseln und versuchen, vorhandene Brennhaare von der Haut abzunehmen
  • Duschen und Haare waschen
  • Bei Augenbeteiligung die Augen mit Wasser spülen
  • Hautreaktionen können gegebenenfalls lokal symptomatisch mit mittelstark bis stark wirksamen Kortikosteroiden behandelt werden
  • Bei Bindehautentzündung können Augentropfen, die auch ein Antiseptikum enthalten, helfen
  • Gegen den meist stark ausgeprägten Juckreiz sind orale Antihistaminika hilfreich
  • Bei respiratorischen Symptomen (asthmaartige Beschwerden) ist laut den Experten der Einsatz von geeigneten Medikamenten in Form von Dosier-aerosolen indiziert
  • Besonders schwere Verläufe können eine systemische Kortikosteroidtherapie notwendig machen
  • Bei ausgeprägten Symptomen gegebenenfalls ärztliche Hilfe aufsuchen

Das sieht auch die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung so: „Keine falsche Scheu! Bei schweren Reaktionen wie Atemnot oder Asthma bitte den Rettungsdienst rufen“, mahnt die Behörde auf ihrer Webseite. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen: