Greenwashing: Naturkosmetik oft gar nicht so natürlich

Frau nutzt Hautcreme aus einem Glas

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Greenwashing-Tricks: Natur- und Biokosmetik unter falscher Flagge

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher wollen sich möglichst natürlich pflegen und setzen daher auf Natur- und Biokosmetikprodukte. Doch oft sind diese gar nicht so natürlich, berichten Verbraucherschützer, die in einem Check Greenwashing-Tricks der Kosmetikhersteller entlarvt haben.


Der Markt für Naturkosmetik boomt

Natur- und Biokosmetikprodukte liegen schon seit Jahren im Trend, weil sie häufig haut- und umweltfreundlicher sind als konventionelle Pflegeprodukte. Doch die wachsende Kauflust der Verbraucherinnen und Verbraucher wird offenbar ausgenutzt. Denn wie die Verbraucherzentrale in einer Mitteilung berichtet, gestalten manche Hersteller herkömmlicher Pflegeartikel ihre Produkte zunehmend in Naturoptik und mit Bio-Wording, ohne sich an die Standards der Naturkosmetikbranche zu halten.

Frau nutzt Hautcreme aus einem Glas
Der Markt für Naturkosmetik boomt. Doch oft sind in Produkten, die mit Begriffen wie “Bio” oder “Natürlich” beworben werden, künstliche Inhaltsstoffe zu finden. (Bild: Rido/fotolia.com)

Flüssige Kunststoffe und synthetische Inhaltsstoffe gefunden

Experten der Verbraucherzentrale Hamburg haben die Etiketten von 16 vermeintlichen Natur-Pflegeprodukten wie Cremes, Lotions oder Shampoos stichprobenartig überprüft und flüssige Kunststoffe und synthetische Inhaltsstoffe darauf gefunden.

Die Verbraucherschützer fordern daher: Es müssen dringend rechtsverbindliche und einheitliche Vorgaben für Naturkosmetik her, um Greenwashing zu verhindern.

„Greenwashing bei Kosmetik ist nicht neu, doch mit dem wachsenden Markt gibt es immer mehr Trittbrettfahrer“, sagte Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg.

„In vielen Produkten, die natürlich und biologisch daherkommen, stecken Mineralölbestandteile, Parabene oder Silikone.“

Besonders beliebte Greenwashing-Tricks

Nach Einschätzung der Verbraucherschützerin sind drei Greenwashing-Tricks bei den Herstellern besonders beliebt.

1. „Bio“ im Namen: Obwohl „Bio“ im Produkt- oder Markennamen vorkommt, sind die Inhaltsstoffe weder „Bio“ noch natürlichen Ursprungs. Zum Teil verweisen die Anbieter sogar darauf, dass „der Gesetzgeber BioKosmetik nicht weiter reguliert“ und sie daher freie Handhabe hätten.

2. Pflanzliche Inhaltsstoffe: Grün schimmernde Flaschen, angedeutete Blätter und Früchte sowie groß ausgelobte natürliche Pflegeöle sollen darüber hinwegtäuschen, dass die Produkte viele synthetische Stoffe enthalten. Weil die Liste der Inhaltsstoffe, die sogenannte INCI-Liste, für Laien nur schwer zu entziffern ist, haben Anbieter ein leichtes Spiel. Besonders beliebt: „frei von“-Deklarationen, die aber selten vollständig sind. Den Angaben zufolge argumentierte ein Hersteller, dass es sich bei seinem Produkt nicht um eine „zertifizierte Naturkosmetikmarke handele, sondern um eine von der Natur inspirierte, positive Lifestyle-Marke“.

3. „Natürliches Wasser“: Mehr Wasser = mehr Natur. Seit September 2017 dürfen Kosmetikhersteller dank einer europaweiten Iso-Norm die Zutat Wasser den natürlichen Inhaltsstoffen zuordnen. Dies machen sich viele Anbieter zunutze und treiben die Zutaten natürlichen Ursprungs auf diese Weise in die Höhe, um die Prozentanteile werbewirksam auf der Verpackung auszuloben. So wird zum Beispiel eine Feuchtigkeitspflege, die 63 Prozent Wasser enthält, mit „97 % Inhaltsstoffen natürlichen Ursprungs“ beworben.

Gesetzliche Vorgaben erforderlich

„Wir müssen der Täuschung im Drogeriemarkt ein Ende setzen!“, so Verbraucherschützerin Schwartau.

„Der Gesetzgeber ist gefordert, in Form eines unabhängigen, kontrollierten Labels, rechtsverbindliche und einheitliche Vorgaben für Naturkosmetik zu schaffen. Nur wenn Natur oder Bio drin sind, darf es auch draufstehen.“

Ein vertrauenswürdiges Label könnte Verbraucherinnen und Verbrauchern beim Einkauf von Kosmetik- und Pflegeprodukten helfen, nicht auf die Maschen der Hersteller hereinzufallen.

Das Wirrwarr der derzeit rund 30 unterschiedlichen privaten Siegel für Naturkosmetik hingegen gibt vielen Kunden kaum Orientierung.

Die konkreten Ergebnisse des Marktchecks mit zahlreichen Produktbeispielen zum Greenwashing bei Kosmetik sind auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg veröffentlicht. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen: