Herzschwäche: Wenn Blut dem Herzen schadet

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Zusammenhang zwischen veränderten Blutstammzellen und Herzschwäche aufgedeckt

In Deutschland leiden fast zwei Millionen Patienten an einer chronischen Herzschwäche, der sogenannten Herzinsuffizienz. Forscher haben nun neue Erkenntnisse gewonnen, auf deren Grundlage neue Möglichkeiten der Vorbeugung entstehen könnten.


Die häufigste Diagnose für eine stationäre Krankenhausbehandlung

Annähernd zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer chronischen Herzschwäche, der sogenannten Herzinsuffizienz. Als Folge dieser Erkrankung ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Eine chronische Herzschwäche tritt vor allem nach Herzinfarkt oder anhaltender Bluthochdruck-Krankheit auf und ist derzeit die häufigste Diagnose für eine stationäre Krankenhausbehandlung, berichtet das Universitätsklinikum Frankfurt in einer Mitteilung. Wissenschaftler des Klinikums haben nun neue Erkenntnisse gewonnen, auf deren Grundlage neue Möglichkeiten der Vorbeugung entstehen könnten.

Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer chronischen Herzschwäche. Forscher haben nun neue Erkenntnisse gewonnen, auf deren Grundlage neue Möglichkeiten der Vorbeugung entstehen könnten. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Neue Erkenntnisse könnten zur Vorbeugung der Krankheit beitragen

Eine Herzschwäche führt unter anderem zu Atemnot, Abnahme der Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Wassereinlagerungen in den Beinen.

Dadurch wird die Lebensqualität bei vielen Betroffenen massiv eingeschränkt. Zudem geht diese Herzkrankheit oft auch mit psychischen Problemen einher.

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder über neue Ansätze zur Behandlung von Herzschwäche berichtet.

Und nun haben deutsche Forscher neue Erkenntnisse gewonnen, die zur Vorbeugung der Krankheit beitragen könnten.

Die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Frankfurt haben nach ihren eigenen Angaben erstmalig nachgewiesen, dass ein Zusammenhang zwischen genetisch veränderten Blutstammzellen und dem Auftreten einer Herzschwäche nach Infarkten besteht.

Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im Fachjournal „JAMA Cardiology“ veröffentlicht.

Genetisch veränderte Blutstammzellen

Wie es in der Mitteilung heißt, produzieren einzelne Blutstammzellen durch genetische Veränderungen mehr Blutzellen als nicht-veränderte Stammzellen.

„Dass täglich neue Zellen im Blut gebildet werden, gelingt durch einen gleichmäßigen Beitrag von tausenden Blutstammzellen im Knochenmark“, erklärt Prof. Michael Rieger, Leiter der Stammzellenbiologie an der Medizinischen Klinik II am Universitätsklinikum Frankfurt.

„Erst kürzlich konnte durch modernste Analysemethoden gezeigt werden, dass im zunehmenden Alter einzelne Stammzellen durch Genveränderungen die Blutbildung dominieren können.“

In so einem Fall wird von klonaler Blutbildung gesprochen. Jeder Zehnte über 70 Jahre ist davon betroffen.

„Bei der klonalen Blutbildung handelt es sich nicht um eine krankhafte Veränderung des Blutsystems, wie zum Beispiel bei Blutkrebs. Aber häufige altersabhängige Erkrankungen – wie etwa die Arterienverkalkung – werden offenbar durch klonale Blutbildung negativ beeinflusst“, so Prof. Rieger weiter.

Klonale Blutbildung trat deutlich häufiger auf
Die klonale Blutbildung ist aktuell ein vielbeachtetes Thema der medizinischen Forschung.

Die Frankfurter Wissenschaftler konnten jetzt zum ersten Mal nachweisen, dass auch die chronische Herzinsuffizienz nach Infarkt durch klonale Blutbildung maßgeblich beeinflusst wird.

„Wir haben 200 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz an unserem Klinikum untersucht und festgestellt, dass bei ihnen klonale Blutbildung deutlich häufiger auftrat als bei gesunden Menschen gleichen Alters“, erläutert Prof. Andreas Zeiher, Direktor der Kardiologie des Universitätsklinikums Frankfurt und Mitinitiator der Studie.

Die Patienten unterschieden sich nicht bei den klassischen Risikofaktoren für eine Herzinsuffizienz.

Hatten sie jedoch genetische Veränderungen in den typischen für die klonale Blutbildung verantwortlichen Genen DNMT3A oder TET2 in ihren Blutzellen, so zeigten sie einen deutlich schlechteren Krankheitsverlauf, mussten häufiger stationär behandelt werden und starben früher als Patienten ohne diese Mutationen.

Suche nach der Ursachen für den schlechteren Krankheitsverlauf

Die genetischen Veränderungen, die zur sogenannten klonalen Blutbildung führen, können schon aus einer normalen Blutprobe nachgewiesen werden.

In Zukunft könnte diese Information wesentlich zu einer verbesserten Präzisionsmedizin bei Patienten mit Herzinsuffizienz beitragen.

„Nun gilt es mit Hochdruck herauszufinden, was diese genetischen Veränderungen in den Blutzellen am Herzen bewirken und was die Ursachen für den schlechteren Krankheitsverlauf sind“, so Prof. Stefanie Dimmeler, Koautorin der Studie.

„Das wird Wege aufzeigen, Patienten mit diesen genetischen Veränderungen gezielt individuell zu behandeln, um den negativen Konsequenzen frühzeitig vorzubeugen.“ (ad)