Jungbrunnen? Wie junges Blut Älteren das Leben verlängern könnte

Alexander Stindt

Wie wirkt sich die Transfusion von jungem Blut auf ältere Menschen aus?

Ist es möglich, dass eine Übertragung des Blutes von jungen Menschen bei alten Menschen die mangelnde Gesundheit revitalisieren kann? Forschern ist solch ein Vorgang bereits gelungen, allerdings vorerst nur bei Mäusen. Sind die Ergebnisse auch auf Menschen übertragbar?


Können wir in Zukunft unsere Gesundheit verbessern, indem wir das Blut von jungen Menschen auf ältere Menschen übertragen? Die Wissenschaftler des University College London befassten sich mit diesem Thema und veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Analyse in dem englischsprachigen Fachblatt „Nature“.

Kann die Transfusion des Blutes von jüngeren Menschen wirklich zu einer Verbesserung der Gesundheit älterer Menschen beitragen? (Bild: StudioLaMagica/fotolia.com)

Ergebnisse müssen auf den Menschen übertragen werden

Eine solche Übertragung von Blut könnte in Zukunft eine Werkzeug zur Verbesserung der Gesundheit im Alter werden, erklärt Studienautorin Professorin Linda Partridge vom UCL Institute of Healthy Ageing. Ihre Arbeit ist Teil der Forschung zur optimierten Behandlung von alten Menschen und zu der Frage, wie sich die globale Herausforderung des Alterns besser bewältigen lässt. Wenn Menschen älter werden, steigt die Wahrscheinlichkeit für viele gesundheitliche Probleme und Krankheiten. Mediziner versuchen schon länger zu verstehen, ob und wie das Altern zu beeinflussen ist. Die an Mäusen erzielten Ergebnisse sind vielversprechend, müssen jetzt aber noch bei Menschen überprüft werden. Forschungen, welche in diesem Gebiet durchgeführt wurden, haben bereits gezeigt, dass wenn Blut von einer jungen Maus in eine kranke ältere Maus übertragen wird, dies helfen kann, die Vitalität zu erhalten.

Blutinfusionen können kognitive und neurologische Beeinträchtigungen beeinflussen

Im Jahr 2014 fanden Forscher der Stanford University unter der Leitung des Neurowissenschaftlers Tony Wyss-Coray heraus, dass Blutinfusionen junger Mäuse kognitive und neurologische Beeinträchtigungen älterer Mäuse beeinflussen. Heute laufen bereits erste klinische Anwendungen. Die US-amerikanische Studie namens Ambrosia bietet älteren Probanden eine Transfusion von jungem Blut an. Dabei kosten 2,5 Liter Blut etwa 8.000 Dollar. In ein anderes Programm namens Elvian wurden stattliche 5,5 Millionen Dollar investiert.

Blutprotein GDFII könnte der Schlüssel sein

Die Analyse befasst sich damit, wie auch Menschen von den Bluttransfusionen profitieren können. Insbesondere die Frage, ob ein Blutprotein mit der Bezeichnung GDFII der Schlüssel bei der Verbesserung der Gesundheit durch eine Übertragung von Blut sein könnte, steht jetzt im Fokus der Forschung.

Können junge Darmbakterien Mikrobiome älterer Menschen verbessern?

Während es noch zu früh ist, um zu sagen, ob die Angebote zum Austausch von Blut den Patienten nutzen könnten, sagt Professorin Partridge, dass andere Formen der Intervention notwendig seien, um typische Krankheiten des Alterns zu behandeln, welche derzeit zu hohen Kosten von Gesundheitsdiensten führen. Nicht nur das Blut von älteren Menschen könne zur Erhaltung der Gesundheit verwendet werden. Die Professorin weist darauf hin, dass auch die Bakterien, die dem Darm eines jungen Menschen entzogen werden, schlecht funktionierende Mikrobiome älterer Menschen verbessern könnten. (as)