Kinder und gesunde Ernährung: Der „Zucker-Trick“ geht nach hinten los

Alfred Domke

Gesunde Kinderernährung: Was Eltern keinesfalls machen sollten

Manche Eltern animieren ihren Nachwuchs zu einer gesünderen Ernährung, indem sie auf Lebensmittel wie frische Erdbeeren oder Naturjoghurt ein bisschen Zucker streuen. Doch dieser Trick geht nach hinten los, wie Forscher nun berichten. Denn Kinder, die gezuckerte Früchte oder Milchprodukte konsumieren, haben langfristig ein höheres Risiko für Übergewicht.


Immer mehr Kinder sind viel zu dick

Internationalen Untersuchungen zufolge ist die Zahl fettleibiger Kinder drastisch gestiegen. Auch in Deutschland leben immer mehr Übergewichtige. Fettleibigkeit (Adipositas) kann eine Vielzahl an Erkrankungen nach sich ziehen. Um dem Problem zu begegnen, gilt es vor allem die Hauptrisikofaktoren für Übergewicht anzugehen: Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung. Doch wie kann man die Essgewohnheiten von Kindern positiv beeinflussen? Auf alle Fälle nicht mit dem sogenannten „Zucker-Trick“, wie sich nun in einer Studie gezeigt hat.

Manche Eltern streuen Zucker auf Lebensmittel wie Früchte oder Joghurt, um so die Kinder zu einer gesünderen Ernährungsweise zu animieren. Doch dieser Trick geht laut einer neuen Studie nach hinten los. (Bild: Monkey Business/fotolia.com)

Kindlicher Körper braucht besonders viel Energie

Die Evolution hat es ja eigentlich ganz gut mit uns gemeint. Gerade im Kindesalter, wenn unser Körper wegen des Wachstums besonders viel Energie braucht, haben wir einen ausgeprägten Appetit oder gar Heißhunger auf Süßes.

Doch was in einer urzeitlichen Welt des Mangels ein Vorteil war, kann in einer Überflussgesellschaft Probleme machen, schreibt das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS in einer Mitteilung.

Der Anteil der übergewichtigen und fettleibigen Kinder hat sich in den vergangenen Jahrzehnten weltweit vervielfacht.

Aus Sicht der Wissenschaft ist dafür neben mangelnder körperlicher Aktivität vor allem der gesteigerte Konsum von stark zuckerhaltigen Süßigkeiten und „Soft-Drinks“ verantwortlich.

Gesunde Ernährungsweise vermitteln

Viele Eltern versuchen daher zu Recht, ihrem Nachwuchs eine gesunde, zuckerarme Ernährungsweise zu vermitteln.

Doch längst nicht alle Kinder freuen sich, wenn es mal wieder „nur“ gesundes Obst und Gemüse gibt.

Manche Eltern streuen deshalb Zucker auf die frischen Früchte und auf den Naturjoghurt oder Kakao in die Milch, um den Kleinen ein bisschen süße Starthilfe auf dem Weg in eine gesunde Ernährungsweise zu geben.

Doch was gut gemeint ist, kann sich auf längere Sicht negativ auswirken, wie eine aktuelle Studie des BIPS nun zeigt.

Qualität der Ernährung gesunken

Dafür hat das internationale Forscherteam aus Italien, Belgien, Schweden, Spanien, Estland und Deutschland die Daten der mehr als 16.000 Kinder ausgewertet, die an der europäischen IDEFICS-Studie zu kindlichem Übergewicht teilgenommen hatten.

Ein großer Teil dieser Kinder, wurde dabei im Rahmen der vom BIPS geleiteten Studie nach zwei Jahren erneut untersucht, um zeitliche Veränderungen zu identifizieren.

Bei der Analyse zeigte sich laut den Wissenschaftlern ein deutliches Bild.

Die Kinder, die zum Zeitpunkt der ersten Untersuchung mehr gezuckerte Früchte, Smoothies und Milchprodukte konsumierten, zeigten demnach zwei Jahre später deutlich häufiger Anzeichen für Übergewicht und Fettleibigkeit als die Vergleichsgruppe.

Darüber hinaus war auch die Qualität ihrer Ernährung häufiger und stärker gesunken – also ungesünder geworden – als die der Kontrollgruppe.

Auf das Süßen von Früchten und Milchprodukten weitgehend verzichten

„Die Ergebnisse beweisen, dass das Zuckern von gesunden Lebensmitteln – auch wenn es gut gemeint sein mag – eher das Gegenteil bewirkt“, sagte Dr. Antje Hebestreit, Leiterin der Fachgruppe Lebensstilbedingte Erkrankungen am BIPS und Mitautorin der Studie.

„Unsere Vermutung ist, dass hier die Prägung des Geschmacks, die wir besonders in jungen Jahren erfahren, eine wichtige Rolle spielt“, so die Expertin.

„Wer also schon als Kind häufig Süßes – und seien es auch nur kleine Mengen zugefügter Zucker – zu sich nimmt, greift auch später häufiger zu zuckerhaltigen Lebensmitteln und erhöht damit sein Risiko, Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen wie z.B. Diabetes zu entwickeln“, erklärte Dr. Hebestreit.

„Unsere Empfehlung ist daher, auf Zucker, Honig und Instantpulver zum Süßen von Früchten und Milchprodukten weitgehend ganz zu verzichten. Sinnvoller ist es, den Kindern ganz bewusst eine hohe Geschmacksvielfalt anzubieten, um der großen Langeweile am Esstisch und einer monotonen und damit auch ungesunden Lebensmittelauswahl in späteren Jahren vorzubeugen.“

Und: „Wer auf Vielfalt statt Zucker setzt, liefert seinen Kindern zudem viel eher die breite Nährstoffpalette, die Kinder für ihr Wachstum und Wohlbefinden brauchen.“ (ad)