Atemschutzliga warnt: Klimawandel verstärkt Lungenerkrankungen

Ein Thermometer vor sommerlichem Hintergrund

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Lungenkranke sind besonders anfällig für die Effekte des Klimawandels

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass der Klimawandel die Gesundheit der Menschen gefährdet. Besonders anfällig für direkte und indirekte Effekte des Klimawandels sind lungenkranke Patienten. Das berichtet nun die Deutsche Atemwegsliga.


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Anfang des Jahres eine Liste der Top Ten der globalen Gesundheitsgefahren veröffentlicht. Aufgelistet ist dabei auch die globale Erderwärmung. Die Deutsche Atemwegsliga e. V. berichtet nun, dass Lungenkranke besonders anfällig für direkte und indirekte Effekte des Klimawandels sind.

Ein Thermometer vor sommerlichem Hintergrund
Der Klimawandel wird unter anderem durch die verschiedenen Hitzerekorde spürbar. Die Erderwärmung hat Einfluss auf die Gesundheit. In Studien hat sich gezeigt, dass lungenkranke Personen besonders anfällig für direkte und indirekte Effekte des Klimawandels sind. (Bild: Thaut Images/fotolia.com)

Zusammenhang zwischen steigenden Temperaturen und höherer Sterblichkeit

Wie die Deutsche Atemwegsliga in einer vom idw – Informationsdienst Wissenschaft veröffentlichten Mitteilung schreibt, wird der Klimawandel mit der aktuellen Messung von nationalen und internationalen Hitzerekorden spürbar. Für lungenkranke Patienten stellen diese Entwicklungen ein Alarmsignal dar, denn es konnte in vielen Studien gezeigt werden, dass sie besonders anfällig für direkte und indirekte Effekte des Klimawandels sind.

In zahlreichen epidemiologischen Studien wurde insbesondere ein Zusammenhang zwischen steigenden Temperaturen und einer höheren Sterblichkeit aufgezeigt. Dies gilt insbesondere für vulnerable Gruppen wie Ältere (1 Grad Erwärmung führt zu 3,6 Prozent Mortalitätssteigerung durch pulmonale Krankheiten in Europa, bei Senioren sind es bis zu 6,4 Prozent).

Laut den Experten entfalten viele schädigende Einflüsse des Klimawandels ihre Wirkung an der Lunge und erhöhen vornehmlich die klinische und funktionelle Verschlechterung vorbestehender kardiorespiratorischer Krankheiten. Deshalb kann die Lunge als Portalorgan für die Auswirkungen des Klimawandels gesehen werden.

80.000 vorzeitige Todesfälle auf die Feinstaubbelastung zurückgeführt

Zu den Entwicklungen mit direkten gesundheitlichen Effekten zählen beispielsweise extremere Hitzewellen, längere Dürreepisoden (Trockenheit), im urbanen Raum (urban heat island) kombiniert mit Luftbelastung durch Abgase (Industrie, Landwirtschaft, Verkehr). Nach dem Air Report 2016 werden rund 80.000 vorzeitige Todesfälle auf die Feinstaubbelastung zurückgeführt.

Besonders chronisch kranke Personen spüren die Auswirkungen eines Temperaturanstiegs. Ein Temperaturanstieg um ca. zehn Grad erhöht die Krankenhauseinweisungen um ca. fünf Prozent. Der Effekt ist in kälteren Gegenden stärker als in ohnehin warmen Regionen, wie zum Beispiel in Texas. Dies spricht für unterschiedliche Adaptationen an die sich verändernden Umwelten.

Der Atemwegsliga zufolge ist die zunehmende Urbanisierung und der demographische Wandel im Kontext des Klimawandels kritisch zu sehen, da in Stadtgebieten die Belastung durch beides, die Erwärmung (urban heat island) und die lokale Luftbelastung an den Hauptstraßen (ca. 370.000 Betroffene in Deutschland) höher ist. In Berlin sind die Temperaturen in der Stadtmitte bis zu acht Grad höher, als im Umland.

Mehr Forschung nötig

Wie Prof. Dr. Christan Witt von der Charité – Universitätsmedizin Berlin erklärte, wird in der Forschung an der Charité die Wirkung von hochmodern-klimatisierten Krankenzimmern auf die Genesung der hospitalisierten Patienten in Wärmephasen untersucht. Den Angaben zufolge sprechen erste Ergebnisse für eine schnellere Mobilisierung der Patienten in den klimatisierten Krankenzimmern. In der Zukunft ist mehr Forschung nötig, um die vulnerablen Gruppen zu identifizieren und Optionen für Adaptationsstrategien zu entwickeln. Dies gilt auch für eine mögliche klimaadaptierte Arzneimitteltherapie. (ad)

Autor:
Alfred Domke
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